Switched

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Von
  • JĂĽrgen Seeger

Die PowerPC-Architektur, so das Apple-Marketing in den letzten 11 Jahren, ist der von Intel prinzipiell ĂĽberlegen. Dass solche Statements nicht mehr als mentales Futter fĂĽr den Kundenkreis sind, der auch ein bisschen Glauben braucht, zeigt die auf der weltweiten Entwicklerkonferenz verkĂĽndete Entscheidung: Apple wird kĂĽnftig auf Intel-basierte Hardware setzen (siehe Seite 26 in der Druckausgabe).

Steve Jobs’ Begründungen - kein 3-GHz-PPC, keine den aktuellen Anforderungen gerechte Laptop-CPU - sind zwar kaum von der Hand zu weisen. Dass allerdings IBM diese Probleme auch zukünftig nicht in den Griff bekommen würde, ist angesichts des längst nicht ausgereizten PowerPC 970 zweifelhaft. Eher dürften, neben dem Preis, prinzipielle Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Big Blue hat das eigene PC-Geschäft abgegeben - das ist keine Empfehlung als Prozessorlieferant für Personalcomputer.

Intel dagegen kann die „Economy of scale“ ins Gewicht werfen und hat obendrein mit Wimax, dem WLAN mit Stadtteilabdeckung, eine Technik auf der Roadmap, die für das stetig wachsende Marktsegment Laptops zur „conditio sine qua non“ werden könnte.

Dass die Portierung von Mac OS X kein großes Problem bereitet, wie der Apple-Chef durch ein auf einem Pentium-PC laufendes Betriebssystem demonstrierte, ist beim derzeitigen Stand der Systembauerei wenig überraschend. Verschiedene Linux- und BSD-Derivate führen Multiplattformfähigkeit seit Jahren vor, auch Windows war nicht immer auf die Intel-Basis beschränkt, Suns Solaris gibt es für Sparc und Intel, und schließlich werden sich alle, die schon länger in der Branche sind, an Nextstep für Intel-Hardware erinnern.

Spannender ist die Frage: Wird ein Intel-Mac ein sogenannter „Industrie-Standard-PC“ sein? Also einer, auf dem auch Windows läuft? Denn dann könnten nicht nur Anwender ein Mac OS auf einen Noname-PC spielen, sondern auch Hersteller auf die Idee kommen, einen Mac-Clone anzubieten.

Bei Apple Deutschland ist man in dieser Hinsicht skeptisch, da etwa ein Rechner mit dem Formfaktor des iMac nicht mit Standardkomponenten zu bauen sei. Weitere Details waren aber bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Dass „Intel-basiert“ gleichbedeutend mit „Standard-PC“ ist, lässt dagegen eine Äußerung von Apples Senior Vice President Phil Schiller vermuten. Es gebe keine Pläne, auf Intel-Macs Windows anzubieten oder zu unterstützen. Man werde aber auch niemanden daran hindern, ein Windows aufzuspielen. Eines will Apple laut Schiller auf keinen Fall erlauben: Dass jemand Mac-Clones anbietet.

Konsequent wäre ein Setzen auf den Standard-PC allemal. Denn wer auf Intel baut, muss deswegen den kleinen Konkurrenten AMD nicht außen vor lassen. Und auch in Sachen Mac-Clones muss das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Immerhin könnte dadurch die installierte Mac-OS-Basis groß genug werden, um für mehr Softwarehäuser als zurzeit interessant zu sein. (js)