Grüne Daumen

Gegen graue Akten helfen sie genauso wie gegen miese Stimmung: Grünpflanzen im Büro. Da lohnen sich schon Zeit und Mühe, um herauszufinden, wie man sie am besten hegt und pflegt.

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Von
  • Diane Sieger

Es grünt so grün in deutschen Büros. Oder etwa nicht? Wer sich auf den Fensterbänken der Bürogebäude unserer Republik umschaut, gerät leicht ins Schaudern. Der Ficus wirft die gelben Blätter von sich, der frische Frühlingsgruß ist in braun-grüner Brühe bereits zum Trockenstrauß mutiert, und der Weihnachtsstern wäre auch lieber schon kurz nach Neujahr gestorben, als jetzt noch gegen die unbarmherzige Sommersonne anzukämpfen.

Einige Büroangestellte machen es sich einfach und erklären ihren Wirkungsbereich zur pflanzenfreien Zone, tun damit ihrer Gesundheit jedoch nichts Gutes. Schließlich weiß jeder, dass Pflanzen im Büro ein Muss sind, da sie ungesunde Stoffe aus der Luft filtern, Sauerstoff freisetzen und somit durch Kopierer- und Druckerdämpfe geplagte Lungen entlasten. Wer das bis jetzt wirklich noch nicht wusste, kann es nun online nachlesen.

Im Rahmen seiner Pflanzensendung „Querbeet“ hat sich der Bayerische Rundfunk mit dem Thema Wohlbefinden im Büro mit der Hilfe von Blumen beschäftigt. Interessanterweise gibt es aus den letzten zehn Jahren ungefähr zwei Dutzend wissenschaftliche Untersuchungen, welche die Auswirkung von Pflanzen auf den Menschen im Büro zum Thema haben. Selbst die NASA hat eine Studie aufgelegt, die sich um dieses Thema rankt. Genaueres bietet der Bayerische Rundfunk auf der Homepage zur Sendung. Besonders Menschen, die während ihres Büroaufenthalts von Allergien, Hautreizungen und Kopfschmerz geplagt werden, erhalten hier wertvolle Tipps und eine weiterführende Buchempfehlung.

Wer sich noch intensiver mit dem Aspekt der Gesundheitsförderung am Büroarbeitsplatz beschäftigen möchte, ist bei Plants for People genau richtig. Sie stammt von der internationalen Initiative „Plants for People“, deren Aufgabe es ist, über die Wohlfahrtswirkung von Pflanzen zu informieren. Auf übersichtlich gestalteten Seiten findet sich alles über Gesundheit, Architektur, Forschung und Ökonomie rund um die Kunst des Pflanzeneinsatzes am Schreibtisch. Und unter dem Stichwort „Welche Pflanzen ...“ gibt es eine Auflistung, welches Grünzeug zur effektiven Entgiftung beiträgt, indem es Formaldehyd, Benzol, Trichloräthylen und Kohlendioxid abbaut.

Aber worin liegt die Kunst, Pflanzen am Arbeitsplatz am Leben zu halten? Zunächst gilt es, das richtige Gewächs auszuwählen, denn das Leben in Büroatmosphäre ist für das Grünzeug wesentlich schwerer als ein glückliches Blühen in netten Wohnungen. Es ist zu hell oder zu dunkel, staubig oder zugig, und fast immer ist die Luft zu trocken. Welche Pflänzchen diesen widrigen Umständen trotzen, erklärt Dirk Schwarze. Hier lernt der Bürogärtner, dass der Känguruhwein und der hängende Baumfreund genauso für ein Dasein im Büro geeignet sind wie die Efeutute. Und dass der Ficus auf dem Schreibtisch so populär geworden ist, hat er seinen speziellen Eigenschaften wie Genügsamkeit und Robustheit zu verdanken.

Wer es etwas blutrünstiger mag und nicht zufällig sein Büro mit einem veganen Tierschützer teilt, findet interessante Anregungen bei Torsten Sause. Er züchtet in seinem Büro fleischfressende Pflanzen, die sämtliche an eine Büropflanze gestellten Bedingungen erfüllen. Auf den ersten Blick wirken ihre Anforderung zwar eher gegenteilig, in ein Aquarium gepflanzt, zeigen sie sich jedoch pflegeleicht, urlaubs-, dienstreisen- und abwesenheitsfest, repräsentativ, autark, licht- und temperaturtolerant und brauchen in der Regel kein zusätzliches Wasser. Das klingt fast nach perfekter Bürobegrünung. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, ob eine Zufütterung mit Fliegen oder ähnlichem Getier notwendig ist.

Viel pflegeaufwendiger als Fleischfresser im Aquarium zeigen sich Orchideen. Wer sich dennoch dafür entscheidet, einen kleinen Orchideenwald auf der Bürofensterbank zu züchten, sollte sich zunächst mit den Grundlagen der Orchideenpflege beschäftigen. Im Orchideenforum findet der Anfänger alles, was er wissen muss. Beispielsweise die Information, dass Orchideen nicht in Blumenerde wachsen, wahre Hungerkünstler sind und warum man die tropischen Gewächse aus dem Regenwald nicht im Baumarkt oder Blumendiscounter kaufen sollte, sondern vorzugsweise beim Züchter erwirbt. Und wenn die Lieblinge dann vielleicht doch nicht so wachsen und gedeihen wie gewünscht oder sich gar fiese Krankheiten zugezogen haben, hilft der Orchideendoktor des Forums gern weiter. Egal, ob es sich um klebrige Tropfen auf den Blättern, silbrig-graue Verfärbungen oder die Fressattacke eines Dickmaulrüsslers handelt, der Dok hilft rund um die Uhr bei allen Problemen mit Orchideen weiter.

Was wäre eine Hommage an die Bürobegrünung ohne einen Hinweis auf die vielgeliebte Hydrokultur? Kein Empfangsraum, keine Arztpraxis und Bürgeramt kommen ohne große Pflanzen in riesigen mit Granulatkörnern gefüllte Kübeln aus. Einen ersten Überblick über die Kunst der Hydrokultur vermittelt //www.3sat.de/tips/domizil/13662/:3Sat unter Tips&Tricks. Weiter ins Detail gehend präsentiert sich der deutsche Baumarkt und erklärt genau, wie das Hydrosystem funktioniert, welche Bedürfnisse der Pflanze im Granulat befriedigt werden sollten und wie man potenziellen Schädlingen zu Leibe rückt. Schlicht gestaltet, aber übersichtlich und informativ. Und wenn sich trotz sorgfältigster Pflege Schimmel auf dem Granulat bilden sollte, schafft Tippscout Abhilfe.

Die Entscheidung für bestimmte Pflanzen ist gefallen, das Büro mit entsprechendem Grünzeug geschmückt, jetzt fehlen nur noch die Überlebensstrategien, ohne die jede Pflanze zu einem verdorrten Krüppelchen mutiert. Um herauszukriegen, was die Büromitbewohner mögen, empfiehlt sich ein Blick auf diverse Hausfrauenseiten im Netz. Das Junggesellenportal „Frag-Mutti.de“ verrät , dass abgestandenes Mineralwasser bei den Pflanzen Wunder wirkt. Diese Annahme bestätigt die Omas Hausmittelchen und gibt außerdem Hinweise auf andere pflanzenfreundliche Flüssigkeiten. Scheint etwas dran zu sein. Wer in der Auflistung der zuletzt genannten Seite die durch Oma propagierte Aspirin-Tablette in der Vase vermisst, sollte sich das Experiment von Martina Kröner und Sandra Rauch anschauen, die im Jahr 2002 als Schülerinnen der achten Klasse im Rahmen von „Jugend forscht“ eine Arbeit mit dem Titel „Wie wirkt sich Aspirin auf Pflanzen aus?“ vorgelegt und Großmutters Hausrezept eindeutig widerlegt haben.

Fleischfresser, Orchideen, Hydrokultur oder doch lieber Gänseblümchen? Wer sich jetzt immer noch nicht für eine Begrünung des Büros entscheiden kann, sollte sich vielleicht mit einem Bildschirmschoner im Blümchendesign begnügen. Zu haben ist dies bei ABC-Ware. (ka)