No pains, no gains.
No English, no job. Ganz so schlimm ist es in den meisten Fällen zwar noch nicht, dennoch können gute Englischkenntnisse nicht schaden. Und wieder einmal erweist sich das World Wide Web als Personal Assistant für den dedicated Surfer.
- Diane Sieger
In der globalisierten Welt gewinnt Englisch immer mehr an Bedeutung. Trotz früher Sprachvermittlung in deutschen Schulen sind jedoch viele weit von einem perfekten Englisch entfernt. Klar, der gemeine Programmierer kennt englische Fachausdrücke, und auch in Marketingkreisen kursieren viele Anglismen, sodass eine allgemeine Verständigung möglich ist - wenn auch oft unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen.
Aber wäre es nicht schön, Englisch verhandlungssicher zu beherrschen? Die Gründe dafür, die eigenen Sprachkenntnisse aufzufrischen, sind vielfältig; die einen träumen davon, die nächste Urlaubsreise ohne Sprachschwierigkeiten zu genießen. Andere hoffen, auf internationalen Konferenzen endlich mehr als nur Auszüge zu verstehen und mit ausländischen Verhandlungspartnern sicher zu kommunizieren. Wieder andere wollen oder müssen sich auf einen der großen Englischtests wie IELTS oder TOEFL vorbereiten.
Unabhängig von der Motivation ist für denjenigen, der seine Kompetenz verbessern möchte, ein intensives Befassen mit der Fremdsprache unausweichlich. Da viele nicht die Zeit haben, erneut die Schulbank zu drücken und volkshochschulischer Frontalunterricht nicht gerade als effektiv bekannt ist, führt die heutige Webreise in virtuelle Klassenzimmer.
Ein erster Blick soll klären, welche Kurse der durch massive Werbung bekannteste Anbieter der Fernlehre, die Studiengemeinschaft Darmstadt, im Angebot hat. Jeder, der einmal den Fehler begangen hat, die kostenlose Infobroschüre anzufordern, kann ein Lied davon singen, wie noch sieben Jahre später penetrante Mitarbeiter fröhlich ihre Verkaufstaktiken ins Telefon flöten. Da hilft nur, eine Geheimnummer zu beantragen, ohne Nachsendeantrag umzuziehen oder zu heiraten und den Namen des Partners anzunehmen, um nicht länger belästigt zu werden. Aber vielleicht überzeugt ja das Kursangebot. Die Übersicht führt fünf Englischkurse für Hausgebrauch und Arbeitswelt auf. Außerdem kann man hier das Cambridge Certificate in Advanced English erwerben.
Schon auf dieser Übersichtsseite sticht eine Formulierung ins Auge: „Moderne Sprachkassetten, die Sie zum Kurs erhalten, optimieren Ihre Aussprache“. Kassetten? Bei näherem Hinsehen (Kurs auswählen, Adresse angeben, Werbeflyer lesen) stellt sich heraus, dass es zumindest zu einigen Kursen doch schon hochmoderne CDs für die Hörübungen gibt; allerdings setzt der Kursanbieter so genannte Korrekturkassetten ein, die der Teilnehmer bespricht und per Post einsendet. Ein Lehrer korrigiert sie und sendet sie per Post zurück. Ein Ersetzen dieses langwierigen Systems durch per Mail versandte MP3s scheint nicht in Sicht. Immerhin bietet die Studiengemeinschaft einen preisgekrönten Onlinecampus, den man leider nicht über einem Demo-Account begutachten kann, bevor man den Fernlehrgang startet.
Für Technikbegeisterte sollte es schon lieber ein komplett über das Web geregeltes Training sein. Stiftung Warentest empfiehlt hier beispielsweise den Kurs der Englishtown Online School. Rund um die Uhr beginnt zu jeder vollen Stunde eine Unterrichtseinheit, in die sich die Teilnehmer einloggen können. Muttersprachler unterrichten im virtuellen Klassenraum, verbale Kommunikation findet über ein Headset statt, das der Anbieter bei Buchung eines Kurses kostenlos liefert. Von der Startseite aus ist es schwierig, an detaillierte Informationen zu kommen, dafür muss der Lernwillige erst den „Kontakt“-Button anklicken. Dafür garantiert Englischtown den Lernerfolg und erstattet andernfalls die Kursgebühr. Der Wehrmutstropfen: Die Kursgebühr ist im Vorfeld nicht zu ermitteln. Erst mit der Registrierung für ein einwöchiges kostenloses Probe-Abo bekommt man die Preise mitgeteilt. Das macht einen Vergleich mit anderen Anbietern schwierig und raubt die Lust, sich mit der Seite weiter zu beschäftigen. Zudem sollten ernsthaft Interessierte unbedingt sicherstellen, dass sie das „richtige“ Betriebssystem installiert haben. Ohne Windows läuft hier nicht viel.
Tageszeit spielt keine Rolle
Die konventionellen Sprachschulen entdecken ebenfalls das Internetpublikum als Klientel. Beispielhaft sei hier das Wallstreet Institute genannt, das mit „English @nytime“ neue Unterrichtswege beschreitet. Während viele klassische Anbieter auf Frontalunterricht beharren, setzt Wallstreet unkonventionellere Methoden ein. Die Basisqualifikationen erwerben die Teilnehmer normalerweise am Computer in so genannten Speaking Centers. Nach jeweils drei Lektionen am Computer gibt es eine Lehrerstunde in kleinen Gruppen, die das Erlernte vertieft und festigt. Communication Classes, in denen bis zu acht Personen diskutieren, ergänzen den Kurs. Zusätzlich gibt es Freizeitangebote wie Filmnächte, Bowlingabende, Kneipenbesuche oder Frühstückstreffen. Wer daheim weiter lernen möchte, loggt sich mit seinem persönlichen Passwort im „Village“ ein, einem kleinen Portal, in dem er weitere Übungen absolvieren, Brieffreunde auf der ganzen Welt kontaktieren oder kleine Online-Games spielen kann (Login: Demo, Passwort: wsidemo).
„English @nytime“ ersetzt das Lernen im Speaking Center durch das Studieren am eigenen Computer, sodass der Lernende von Öffnungszeiten des Instituts unabhängig ist. Die übrigen Elemente des Kursangebots bleiben bestehen, inklusive der Encounter genannten Präsenzstunden.
Die Qualität unterschiedlicher Kursangebote variiert enorm. Deshalb ist es ratsam, in Demo-Versionen zu testen, ob man mit den angebotenen Lehrmethoden zurecht kommt. Eine gute Idee ist, zunächst nach Erfahrungsberichten zu googlen, denn so manchen Reinfall kann man sich ersparen, wenn man Warnungen von anderen ernst nimmt.
Wer gute Grundlagenkenntnisse der englischen Sprache mitbringt und keinen kompletten Kurs zur Intensivierung buchen möchte, findet im Web allerhand interessante Seiten, auf denen das Befassen mit Vokabeln und Grammatik sogar Spaß macht. Einige dieser Angebote sind speziell auf Jugendliche ausgerichtet, aber Material für Oberstufenschüler ist zum Großteil auch für erwachsene Lerner ansprechend. Beispielhaft seien hier ego4u.de und englisch-hilfen.de erwähnt. Auf den ersten Blick wirken die Seiten auf ein sehr junges Publikum zugeschnitten, die Inhalte sind aber durchweg o. k. Bei ego4u.de gibt besonders der Bereich „Business English - Kommunikation“ hilfreiche Tipps für Geschäftsbriefe und verbale Kommunikation, und viele Übungen vertiefen die korrekte Anwendung von Partizipien, Phrasal Verbs und Präpositionen. Wer es im Design ein wenig erwachsener mag, ist auf hamburg-english.de richtig. Eine Reihe freier, zum Download angebotener Programme erleichtern das Englischlernen zu Hause.
Und wenn einmal nur eine Vokabel fehlt, ist LEO die richtige Adresse. Die Informatiker der Technischen Universität München bieten hier eines der umfangreichsten Wörterbücher Deutsch-Englisch/Englisch-Deutsch an. Die gesuchten Wörter präsentiert Leo nicht nur als direkte Übersetzung, sondern zusätzlich innerhalb von Beispielsätzen und populären Redewendungen. Wer umfangreichere Fragen hat, kann sie im Forum diskutieren. (ka)