Einheit gefragt

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Von
  • JĂĽrgen Seeger

Die Zahl 23360 sollte sich die Linux-Community merken. Unter dieser Nummer hat nämlich die ISO Version 2.0.1 der Linux Standard Base in ihre „Publicly Available Specifications“ aufgenommen. Nun ist das ziemlich spät, LSB 2.0 ist mittlerweile 15 Monate alt, LSB 3.0 auch schon verabschiedet und LSB 3.0.1 steht in den Startlöchern.

Aber der ISOsche Ritterschlag fĂĽr die Arbeit der Free Standards Group ist ein Zeichen fĂĽr deren Bedeutung. Denn kaum etwas wĂĽrde die Verbreitung von Linux mehr behindern als ein weiteres Auseinanderdriften der Distributionen. Und die Linux Standard Base ist ein Mittel dagegen.

Allerdings kein Allheilmittel, und sie birgt die Gefahr von Missverständnissen in sich. Sollten nämlich Anwender meinen, LSB-Konformität garantiere, dass Software 1 : 1 übertragbar ist, werden sie schnell enttäuscht sein. Denn noch ist die Liste der nicht durch die LSB abgedeckten Betriebssystemteile lang. Zu den bei www.linuxbase.org aufgeführten „Open Issues“ gehören beispielsweise Fonts, Skriptsprachen, Sound, Kryptographie, Netzwerk-Konfiguration und -Management. Alles Dinge, von deren Inkompatibilität - oft nicht nur zwischen den Distributionen, sondern sogar zwischen verschiedenen Releases eines Herstellers - Administratoren und Anwender ein Lied singen können.

Auch wenn die LSB 3.0 in die Kritik geraten ist (die Testsuite soll fehlerhaft sein), sollte dies für die Linux-Distributoren kein Grund sein, sich von diesem Standardisierungsprozess zurückzuziehen. Denn wohin ein auf halbem Weg stehen gebliebenes Branding führen kann, zeigte vor knapp 10 Jahren die X/Open Group. Die Vereinigung zur Vereinheitlichung von Unix hatte ein Label namens „Unix 95“ aufgelegt. Dem entsprachen unter anderem auch IBMs Mainframe-Betriebssystem OS/390 und - Windows NT. (js)