It's a small world

Egal ob es um die Suche nach alten Klassenkameraden, Tipps von Einheimischen zum nächsten Reiseziel oder die Fahndung nach einem neuen Angestellten für das eigene Unternehmen geht – online lassen sich alle nur erdenklichen Verbindungen aufbauen. Effiziente Unterstützung bieten dabei diverse Kontaktnetzwerke.

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Von
  • Diane Sieger

Jeder kennt jeden über sechs Ecken. Nach diesem Prinzip operiert OpenBC, die Business-Networking-Plattform, weltweit in 16 Sprachen. Mit mehr als 500 000 Mitgliedern ist sie Marktführer der Kontaktnetzwerke in Europa. Die Anmeldung bedarf nur weniger Schritte, und nach der Eingabe der persönlichen Daten stehen zwei Optionen zur Verfügung. Eine freie Mitgliedschaft ist kostenlos und beinhaltet die wesentlichen Features der Site. Für 5,95 Euro monatlich bietet OpenBC darüber hinaus eine Premium-Mitgliedschaft, die die Basissuchfunktionen nach Name, Vorname, Ort und Branche um viele weitere Details erweitert. Beispielhaft sei hier die Suche nach speziellen Kenntnissen genannt, die gerade bei der Jagd nach Freelancern für eine Projektvergabe wichtig sein kann. Die übersichtlich gestaltete Site besticht dadurch, dass der Anwender ein Foto in sein Profil integrieren kann. Besonders bei der Suche nach alten Bekannten, die einen häufig vorkommenden Namen haben, kann dies hilfreich sein.

Die Hauptfunktion dieses Netzes ist die Kontaktverwaltung über das eigene Profil. Man kann jedes OpenBC-Mitglied um Autorisierung als Kontakt bitten. Erst nach dessen Bestätigung schalten die Websitebetreiber den Kontakt im jeweiligen Profil frei. Ein netter Zusatz ist, dass zu jedem angewählten Mitglied die Kontaktwege nachvollziehbar sind. Zwischen dem eigenen Profil und dem der Zielperson erscheinen gemeinsame Verbindungspersonen - getreu dem oben genannten Ansatz sind dies nie mehr als sechs.

Exklusiver geht es bei Linked In zu. Auf der in den USA sehr populären Plattform kann man nach der Eingabe des eigenen Profils zwar ebenfalls nach Menschen und ihren besonderen Fähigkeiten fahnden. Jedoch besteht keine Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme. Wer eine Person in das eigene Netzwerk aufnehmen oder jemandem eine Nachricht zukommen lassen möchte, muss den Weg über eigene Bekannte gehen. Spuckt beispielsweise die Suche nach einem Java-Entwickler einen Namen X aus, erscheint eine Meldung darüber, an welchen eigenen Bekannten man sich wenden muss, um einen Kontakt herstellen zu lassen. Dieses Vorgehen schließt zumindest aus, dass jemand nur deshalb eine Mail erhält, weil ein narzisstisch veranlagter Selbstdarsteller die Anzahl seiner Kontakte verdoppeln will.

Die Jetset-Variante der gemeinen Networking-Plattform fand bereits im letzten Jahr Erwähnung im Focus sowie in diversen anderen Printmedien und ist der Society-Zirkel schlechthin. Zutritt erhält nur, wer von einem Mitglied eine Einladung, dem exklusiven Kreis beizutreten, vorweisen kann. Allerdings ist nicht jedes Mitglied berechtigt, Einladungen auszusprechen. Um den Kreis elitär zu halten, ist dies nur privilegierten Personen gestattet. Liest man sich die Forenthemen von Asmallworld durch, wird schnell klar, dass der durchschnittliche Normalbürger an den meisten Problemen nicht das geringste Interesse hat. Da geht es beispielsweise um die Frage, ob sich ein Junggesellinnenabschied besser in Miami oder Rio feiern lässt, wo sich gute Golfplätze in Punta del Este befinden und wer eine gute Hunde-Nanny kennt. Ab und an sucht jemand eine komplette Öl-Raffinerie oder verkauft eine Insel in Griechenland. Diese Welt ist nicht nur klein, sie ist auch anders.

Achtung, bitte diese Seite keinesfalls mit www.smallworld.net verwechseln! Dort suggeriert man Interessenten, dass fĂĽr knapp 10 Dollar eine Mitgliedschaft zu haben ist. Leider kann man sich vorher nicht ĂĽber das Angebot informieren. Das legt den Verdacht nahe, dass da jemand auf den Smallworld-Hype aufgesprungen war, um abzukassieren. Da sich das Formular ohne Submit-Button oder onclick-Funktion als potemkinsches Dorf herausstellt, dĂĽrfte das allerdings zumindest heute nicht mehr funktionieren (die Seite ist im August 2002 letztmals aktualisiert worden).

Weniger für Business-Kontakte als für die Suche nach neuen Freunden oder Dating-Partnern ist My Space geeignet. Mehrere Millionen mehr oder weniger volljährige Mitglieder können in dieser äußerst umfangreichen, in Coldfusion geschriebenen Anwendung weltweit nach anderen Personen Ausschau halten. Hier findet man Menschen, die am geplanten Urlaubsort leben und Insidertipps für die Reise geben können. Und wer Glück hat, trifft in diesem Umfeld sogar den Mann oder die Frau fürs Leben. Jeder kann ein eigenes Profil anlegen und diese Startseite nach den eigenen Wünschen gestalten und beispielsweise mit Fotos oder Videosequenzen bestücken. Eigenes Blogging ist ebenso möglich, wie sich die Einträge der Blogs anderer anzusehen. Selbstbewusste Teilnehmer können eigene Fotos einem Ranking zuführen, in dem die anderen Myspace.com-Mitglieder festlegen, wer am attraktivsten ist. Eine große Spielwiese mit vielen Möglichkeiten, die es auszuloten gilt. Wer einen kleinen Hang zur Selbstdarstellung besitzt, kann sich mit dieser Seite sicherlich hunderte von Stunden beschäftigen.

Wenn es um die Suche nach verschollenen Klassenkameraden aus früheren Zeiten geht, ist in Deutschland Stay Friends eine gute Wahl. Nach Eingabe der persönlichen Daten und der besuchten Schulen inklusive der Besuchsjahre erscheint eine Liste all derer, die zur selben Zeit auf diese Schulen gegangen sind. Noch verzeichnet der Site nicht alle Abschlussjahrgänge sämtlicher deutscher Schulen, doch melden sich täglich mehr Menschen an und die Chancen steigen, verloren geglaubte Weggefährten wieder zu finden. Wer alle Features nutzen will, muss eine Gebühr entrichten, die wesentlichen Funktionen sind jedoch kostenfrei. Auch Passado bietet die gezielte Suche nach Mitstreitern aus der Schulzeit an, jedoch gibt es hier weitere Angebote, die über die reine Klassenkameradenfahndung hinausgehen.

Im Grunde genommen funktionieren die meisten dieser Netze nach dem Prinzip, dass es Schnittmengen in den unterschiedlichen Freundeskreisen gibt. Wer jetzt Lust bekommen hat, Teil eines Experiments zu sein, das diese Theorien stärken soll, kann sich bei der Columbia University registrieren, um zum lebenden Beweis zu werden, dass jeder jeden über sechs Ecken kennt. Nach dem Login bekommt man eine „Zielperson“ zugeteilt, die es auf kürzestem Wege per Mail zu erreichen gilt. Die Anfrage dürfen die Probanden nur an Personen weiterleiten, die sie persönlich kennen, nach dem Fahndungsopfer zu googlen ist nicht erlaubt. Man kann die Suchkette auch über mehrere Bekannte starten und hoffen, dass sich irgendwer im Freundeskreis befindet, der der Zielperson näher steht als man selbst. Letztendlich kann man sich selbst als Target anmelden und somit von beiden Seiten zum Experiment beitragen.

Wer sich dem Thema auf eine wissenschaftliche Art nähern möchte, dem sei der Artikel „Vom globalen Dorf zur kleinen Welt: Netzwerke und Konnektivität in der Weltgesellschaft“von Boris Holzer empfohlen, der im November 2005 im Sonderheft „Weltgesellschaft“ der Zeitschrift für Soziologie erschienen und unter einzusehen ist. Ansonsten bleibt nur noch zu sagen: „Bis bald, in einem dieser Netze!“ (ka)