Ubiquitous TV
Sei es auf die tägliche Soap oder das alles entscheidende Fußballspiel - niemand muss mehr auf seine Lieblingssendung verzichten. Mit DVB-T ist (theoretisch) alles zu beliebiger Zeit an beliebigen Orten zu sehen.
- Kai König
Begibt man sich auf eine schnelle Webrecherche via Google, ist die Erklärung „Überallfernsehen“ in der Trefferliste ziemlich weit oben angesiedelt. Demzufolge gibt es natürlich die passende Website zu dieser Terminologie, unterhalten vom ZDF, die einen Einstieg in die Welt des DVB-T-Systems bietet. Interessant ist, dass der Betreiber dieses Online-Angebots es nicht für nötig hält, ein Impressum bereitzustellen, sodass man ihn mit Hilfe einer Denic-Whois-Abfrage ermitteln muss.
Auf die Frage, was denn nun DVB-T oder das „Überallfernsehen“ ist, liefern Wikipedia und zahllose andere Online-Quellen als Antwort „Digital Video Broadcasting Terrestrial“. Für den Normalbürger bedeutet das zunächst nichts anderes, als dass er in bestimmten Gebieten in Deutschland seine TV-Programme digital empfängt.
Umstellen statt in die Röhre gucken
Neben besserer Empfangsqualität und dem Zwang zur Modernisierung des Antennenfernsehens aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit gibt es gewichtige Nachteile, darunter eine geringere Programmvielfalt (so fehlt etwa der Nachrichtensender CNN). Hinzu kommt, dass die Betreiber in den Gebieten mit DVB-T-Versorgung relativ zeitnah die Versorgung mit analogem Antennenfernsehen beendet haben beziehungsweise werden. Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass sie die Nutzer nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ behandeln und zur schnellen Umstellung nötigen. Dass die Kabel- und Satellitenkonzerne dieses Ansinnen nicht kritiklos hinnehmen, verwundert nicht. Zumindest hinsichtlich öffentlicher Förderung des digitalen Sendernetzes können sie sich seit November bestätigt fühlen: Die Europäische Kommission hat entschieden, dass die in Berlin-Brandenburg gewährten Zuschüsse gegen die Beihilfevorschriften des EG-Vertrags verstoßen.
Je nach persönlicher Konfiguration der TV-Umgebung geht die Umstellung meist einfach und problemlos vonstatten, kann jedoch in komplexeren Umgebungen die Köpfe zum Rauchen bringen. Grundsituation ist, dass man zum DVB-T-Empfang einen speziellen Empfänger benötigt - und zwar bei mehreren Geräten, die unabhängig voneinander arbeiten sollen, für jedes Gerät einen. Solche Fragen bereiten Laien schon mal Kopfzerbrechen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich ein Blick ins Forum der Zeitschrift Digital Fernsehen, in dem man Antworten auf diese sowie viele andere Fragen findet.
Zum Glück sind die DVB-T-Empfänger für den Hausgebrauch weder kompliziert in der Handhabung noch teuer in der Anschaffung. Gängige Geräte gibt es ab 50 Euro, je nach gewünschter Leistungsfähigkeit und Funktionsvielfalt kann die Rechnung beim Kauf jedoch auch ein paar hundert Euro betragen. Beliebt sind Kombi-Geräte, die DVB-T-Empfänger direkt mit DVD- oder Festplattenrecorder verbinden. Letztere stellen schon an sich eine beeindruckende Technik dar, die den Fernsehempfang und die Archivierung von Programmen um ein Vielfaches erleichtern können, in der Kombination mit DVB-T ergeben sich allerdings noch viele weitere Möglichkeiten.
Vorausgesetzt der Recorder ist mit der digitalen Schnittstelle HDMI (High Definition Multimedia Interface) ausgerüstet, lassen sich über diesen Kanal zusätzlich zu den digitalen Programminformationen Metadaten übertragen. Teilweise sind bereits Aufnahmegeräte erhältlich, die die elektronischen Informationen des DVB-T-Signals nutzen, um automatisch nach bevorzugten Programmen des Benutzers zu suchen und sie aufzuzeichnen. Im Optimalfall informiert das Gerät den Benutzer außerdem über den integrierten Internetanschluss automatisch per ICQ oder E-Mail über die erfolgreiche Aufnahme.
Noch ist ein solches Komplettgerät als Rack-Edition fürs Wohnzimmer Zukunftsmusik, mit geeigneter PC-Technik und Windows oder Linux allerdings durchaus denkbar. Gerade auf Basis von Linux bietet es sich an, einen Wohnungs- oder Haus-Mediaserver zu betreiben, der die bunte Welt des Überallfernsehens zentral verwaltet und auf Abruf bereitstellt. Erste Hürde ist dabei die Installation und Konfiguration eines DVB-T-Empfängers für den heimischen PC. Für Inspiration sorgt vielleicht ein Stefan Tomanek, weiterhin bietet eine Artikelserie bei tecchannel.de einen guten Einstieg in die Thematik, wie man einen Linux-Mediaserver einrichtet. An dieser Stelle sei auch auf das VDR-Projekt unseres Schwestermagazins c’t hingewiesen. Immerhin gibt es bereits Festplattenrecorder, die sich von außerhalb oder unterwegs via Internet oder WAP programmieren lassen.
Ein Vorteil ist, dass ein DVB-T-Empfänger nicht mehr an die klassische Hausantenne gebunden ist, sondern mit einer vergleichsweise kleinen Zimmervorrichtung auskommt - bei optimaler Empfangsstärke genügt sogar schon eine sehr kleine, stummelartige Antenne. Das ermöglicht den Betrieb eines mit DVB-T ausgerüsteten TV-Geräts im Garten, im Park, im Büro oder sogar im Auto. Trotz aller Mobilität bleibt immer noch die Frage der Stromversorgung - die erfolgt nämlich leider nicht digital via Antenne. Aber dafür ist eventuell ein mit Diesel betriebener Stromgenerator oder eine mobile Brennstoffzelle hilfreich. Gott sei Dank gibt es die Empfänger auch als USB-Modelle oder als PCMCIA-Einschubkarten für das Notebook, sodass dem Fernsehempfang im Park mit dem Laptop nichts entgegensteht - hinreichende Akkulaufzeit vorausgesetzt. Testberichte und Produktübersichten zu verschiedenen PC-Karten und USB-DVB-T-Empfängern findet man auf der Seite des Herstellers Yakumo sowie im VDR-Wiki.
Bleibt die Frage, wer überhaupt DVB-T nutzen kann. Deutschland ist in verschiedene Regionen unterteilt, die bereits mit DVB-T versorgt sind oder in einem ausgeklügelten Zeitplan bis Ende 2008 erschlossen werden sollen. Vom oben erwähnten ueberallfernsehen.de erreicht man auf die jeweiligen Empfangsgebiete fokussierte Seiten, die die jeweilige Region genau definieren und das dortige Programmangebot mit in der Regel 20 bis 24 Programmen vorstellen.
Im Ausland geht die Umstellung noch schleppend voran. Hier zeigt sich auch kein einheitliches Bild. So sind beispielsweise Länder wie die Schweiz, Niederlande, Italien, Spanien und Finnland fleißig dabei, wohingegen andere europäische Staaten den Modernisierungsprozess noch gar nicht begonnen haben.
Senderlisten fĂĽr Deutschland und Europa bietet ukwtv.de. Hierbei geht es zwar nicht speziell um DVB-T, allerdings widmet die Site der Technik einen eigenen Bereich, der den mobilen Menschen darin unterstĂĽtzt, ĂĽberall das richtige DVB-T-Senderbouquet zu finden. (ka)