Puzzlemania

Ob im Bus, auf der Parkbank, unterm Tisch während des Matheunterrichts - allerorts grübeln Menschen mit gespitztem Bleistift über Zeitungsausrissen und platzieren sorgfältig Zahlen zwischen eins und neun in kleine Quadrate. Sudoku heißt der neue Trend, der viele ihre Umwelt zeitweise komplett vergessen lässt.

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Von
  • Diane Sieger

Schon im 18. Jahrhundert gab es eine Urform des Sudoku, das der Architekt Howard Garns 1979 in seiner heutigen Form in der Zeitschrift „Dell Pencil Puzzles & Word Games“ veröffentlichte. Mitte der 80er-Jahre gelang dem Nummernrätsel der Durchbruch in Japan, doch es dauerte bis 2004, bis es auch in Europa populär wurde. Zu verdanken ist dies dem Neuseeländer Wayne Gould, der Sudoku auf einer Japanreise kennenlernte und eine Software entwickelte, die Sudokurätsel automatisiert herstellt. Dieses Programm hat die Londoner Times erstanden, und seither ist der Siegeszug des kleinen Pausenfüllers nicht mehr aufzuhalten. Unzählige Zeitungen und Zeitschriften drucken die Lückenkästen regelmäßig, und das Rätselknacken ist für viele längst zur Sucht geworden. Diese und viele weitere Informationen zur Historie des Sudoku sind online nachzulesen.

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich seit kurzem mit dem Phänomen. In der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ etwa erschien im März dieses Jahres ein siebenseitiger Artikel von Jean-Paul Delahaye, einem Informatikprofessor der Universität Lille. Ausführlich erklärt er dort alles Wichtige rund ums Thema Sudoku, zum Beispiel welche Varianten es gibt und worauf man achten muss, wenn man vorhat, ein Computerprogramm zur Erstellung von Sudokus zu entwickeln. Unter anderem stellt der Autor eine These auf, warum Sudoku süchtig macht. Außerdem erläutert er einige Grundprinzipien, die den Start zum Lösen eines solchen Gitterrätsels erleichtern. Absolut lesenswert.

Sudokus sollen unter anderem die Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung des Grübelnden steigern. Wer nun wissen möchte, wie ein solches Puzzle dem Gedächtnis auf die Sprünge hilft, sollte sich auf den Seiten von Ass. Prof. Werner Stangl umschauen. Hier werden abermals Lösungsansätze zum erfolgreichen Bezwingen der Gitter dargestellt, zusätzlich gibt es jedoch zahlreiche Verweise auf relevante psychologische Themen wie Konzentration, logisches Denken sowie einen Exkurs in die Motivationspsychologie. Eine spannende Webseite für alle, die gern wissen möchten, was während des Rätselns in ihrem Kopf passiert.

Natürlich versuchen viele Unternehmen am Sudoku-Hype zu verdienen. Einige Produkte fallen definitiv in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“, aber das eine oder andere kann für den Fan durchaus eine sinnvolle Investition darstellen. Beispielsweise ein T-Shirt, das den echten Sudokuaner schon von Weitem erkennen lässt, erhältlich etwa bei Cafepress mit dem Aufdruck „Can’t... stop... must... Sudoku“ oder als „I love Sudoku“-Version bei Simple Icons.

Wer unterwegs nicht auf das Sudokuspielen verzichten möchte, kann auf den einem PDA ähnlich sehenden Sudoku-Touchscreen TY426 zurückgreifen, vertrieben vom Weltbild-Verlag. Hierbei handelt es sich um ein Handheld-Gerät, auf dem Sudokus in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden spielbar sind. Bei Ciao.de findet sich ein ausführlicher Testbericht, der allerdings eher vor dem Kauf dieses Geräts warnt, als es zu empfehlen. Da scheinen eine Variante der Sudokus für den PDA oder das Smartphone bessere Alternativen zu sein. Unter Mobile2Day kann man einfach „Sudoku“ als Suchwort eingeben, sich durch das umfangreiche Angebot klicken und für das eigene Modell downloaden. Beide Varianten ersparen zumindest die regelmäßige Mitnahme von Rätselseiten aus der Tageszeitung oder eines zusätzlichen Geräts, da viele heute ohne PDA oder Mobiltelefon eh nicht das Haus verlassen.

Praktisch sind allerdings Sudoku-Abreißkalender. 365 Knobeleien für das ganze Jahr kann man über die gängigen Anbieter wie Amazon oder Bol beziehen einfach als Suchbegriffe „Sudoku“ und „Kalender“ eingeben.

Nicht nur elektronische Varianten sind erhältlich, auch Brett-, Würfel- und Kartenspielvariationen sind auf dem Markt, alle beispielsweise vom Spieleverlag Kosmos. Eine Brettspielversion für zwei Spieler gibt es ebenfalls; Autor aller Kosmos-Sudokus ist der bekannte Spieleerfinder Rainer Knizia. Doch Achtung, mit dem rauchende Köpfe verursachenden Zahlenrätsel haben die in den Kartons befindlichen Spiele eventuell nicht mehr viel zu tun, wie sich in den Spielbewertungen bei Ciao.de nachlesen lässt. Wer trotzdem nicht von der Idee lassen kann, ein Sudoku jenseits der Papierversion zu spielen, sollte einen Blick auf die Besprechung der gängigsten Brettspiel-Sudokus beim Spielemagazin Spielbox werfen.

Will man sich den Umweg über das Brettspiel sparen und gleich online loslegen, ist unter anderem Ahano der richtige Anlaufpunkt. Das Webangebot für Menschen ab 55 Jahren bietet unter dem Stichwort Gehirnjogging verschiedene Rätsel zu den Themen „Gedächtnistraining“, „Merkfähigkeit“, „Aufmerksamkeit“ und „Logik“. Auch Sudokus der Schwierigkeitsstufen „leicht“ und „mittel“ können hier in Angriff genommen werden. Einfach ein Feld auswählen, die richtige Zahl anklicken und das Zahlenquadrat füllt sich. Weitere Sudokus findet man zu den bekannten Schwierigkeitsgraden „easy“, „medium“ und „hard“ zusätzlich die Stufe „evil“ für ganz Unerschrockene.

Viele haben Sudoku bislang noch nicht ausprobiert, weil sie nicht wissen, mit welchen Methoden sie sich der Lösung am besten nähern können. Für all diejenigen lohnt es sich, „Sudoku Mania“ aufzurufen. Deren Lösungstipps erläutern umfassend und leicht nachahmbar, wie man die Zahlen bezwingen kann. Die Seite erklärt Fachbegriffe aus der Sudoku-Welt wie „Uhrzeiger-Markierung“ oder „Kandidatenlinien“ und gibt wertvolle Tipps, wie man dem komplett ausgefüllten Quadrat einen Schritt näher kommt.

Wer weiß, vielleicht gelingt mit diesen Methoden gar die Qualifikation für die Soduko-Meisterschaft. Der diesjährige Wettbewerb im italienischen Lucca war zumindest mit 84 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 22 Ländern ein voller Erfolg, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Infos über die Wettstreiter inklusive Fotos und Rangliste findet man beim offiziellen Veranstalter der Meisterschaft. (ka)