Im Wallet wenig Neues
Dem Hype um elektronische Bezahlverfahren um die Jahrtausendwende folgte die ErnĂĽchterung. Was ist heute noch an Verfahren im Internethandel ĂĽbrig und wie stark werden sie genutzt? Eine Bestandsaufnahme.
- Bettina Neuhaus
Was waren das noch für Zeiten, als um die Jahrtausendwende der Hype um elektronisches Bezahlen seinen Höhepunkt erlebte. Banken, Experten aus der Forschung oder Gurus aus dem Onlinebereich überschlugen sich mit Ideen und Projekten. Beinahe monatlich kam ein neues, revolutionäres System mit glänzenden Zukunftprognosen auf den Markt. Dann jedoch folgte der große Absturz. Mit dem Platzen der Internetblase verschwanden auch viele innovative Bezahlsysteme wieder vom Markt. Selbst starke Partner wie die Deutsche Bank (ecash) oder die Commerzbank (Cybercash) konnten ihren Systemen nicht zum Durchbruch verhelfen. Überlebt haben nur die, die auf eher konventionelle Verfahren mit Online-Erweiterung gesetzt hatten. Nach einigen recht stillen Jahren scheint sich nun jedoch in der Expertengemeinde wieder eine vorsichtige Aufbruchstimmung breitzumachen.
Payment-Anbieter gibt es in Deutschland eine ganze Menge, und eine vollständige Liste würde sicherlich den Rahmen dieses Artikels sprengen. Bei den Bezahlsystemen sieht es jedoch anders aus. Hier werden unter verschiedenen Namen die immer gleichen Varianten angeboten. „Echtes“ elektronisches Geld ist wirklich selten darunter. Sicherlich stellt sich hier auch die Frage nach Ursache und Wirkung: Einerseits bieten die meisten Onlineshops nur wenige und fast ausschließlich die etablierten Bezahlverfahren an. Die experimentelleren Systeme finden sich eher bei kleineren und mittleren Anbietern, die sich als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen oder selbst Studien zu Zahlungssystemen durchführen.
Andererseits werden die „Exoten“, sofern sie dann doch einmal angeboten werden, von den Konsumenten so gut wie gar nicht genutzt. Welcher Käufer hat schon Lust, sich mit einer Fülle von Wertkarten, Kundenkonten oder Passwörtern auszustatten, wenn fast überall eine Kreditkarte oder ein Konto zwecks Lastschrift reicht?
An verlässliche Zahlen, insbesondere bei den spezielleren Bezahlsystemen, ist nur schwer heranzukommen. Zum einen sind die Werte stark davon abhängig, wie teuer die einzelnen verkauften Güter sind und ob es sich um elektronische oder materielle Ware handelt. Zum anderen sind die Summen oft dermaßen klein, dass sowohl Anbieter als auch Shopbetreiber keine Angaben machen möchten oder nur stark aggregierte Zahlen herausgeben. Klar ist die überdeutliche Dominanz von Kreditkarten- und Lastschriftverfahren in Deutschland.
Wirft man einen Blick auf die großen Online-Warenhäuser wie Amazon, Tchibo, Quelle et cetera, so zeigen sich fast ausschließlich klassische Bezahlformen mit einem großen Schwerpunkt auf Zahlung per Rechnung. Anders sieht es aus bei kleineren Shops oder Anbietern elektronischer Güter. Zwei seien hier exemplarisch betrachtet:
Der Quoka-Verlag („Annoncen Avis“, „Reviermarkt“, immoboerse.de ...) bietet auf seiner Onlineplattform quoka.de eine Fülle von Bezahlverfahren an: Kreditkarte, Lastschriftverfahren (ELV), T-Pay, Firstgate Click & Buy, Web.Cent, Paybyte und eine Service-Rufnummer. Trotz der großen Auswahl entscheiden sich über 78 Prozent der Inserenten für Kreditkarte oder ELV, knappe 17 Prozent bezahlen per Micropayment (laut Quoka fallen darunter Firstgate, T-Pay, Web.Cent ...) und fast fünf Prozent für die sonstigen Verfahren (Telepayment). Eine genauere Aufschlüsselung ist mit Hinweis auf den Schutz der Partner nicht zu erfahren.
Auskunftsfreudiger ist Dr. Jürgen Nützel von der 4friendsonly.com AG. Die Gesellschaft betreibt unter PotatoSystem.com ein Portal mit einem Musikvertriebssystem, bei dem Käufer ihre frisch erworbenen MP3-Musikstücke mit prozentualer Beteiligung weiterverkaufen dürfen. In den letzten vier Monaten verteilten sich die Umsätze dort folgendermaßen: Kreditkarte: 42,4 %, Paypal: 22,2 %, Firstgate: 20,3 %, T-Pay Telefonrechnung: 6,2 %, Überweisung: 6 %, Telefonanruf über 0900: 2 %, Moneybookers: 0,75 %, MicroMoney: 0,1 %, Paysafecard: 0,1 %. ELV wird nicht angeboten, da die Betreiber das Ausfallrisiko bei elektronischen Gütern als zu hoch ansehen.
Wie der Taxonom vor den Organismen steht der Paymentforscher vor den Bezahlsystemen. Kategorisiert wird von unterschiedlichen Autoren nach Online- und Offline-Zahlarten, nach dem Zeitpunkt der Bezahlung („Prepaid“, „Pay now“ oder „Pay later“), der Höhe des Betrags (Micro-, Macro-, Mini-, Nano-, ...-payment), nach „klassischen“ oder „sonstigen“ Verfahren und mehr. Erschwert wird die Einordnung dadurch, dass manches als Bezahlverfahren behandelt wird, bei dem sich im Hintergrund wiederum mehrere Zahlungssysteme verbergen (zum Beispiel funktioniert Paypal in den meisten Fällen als „verlängerte“ Kreditkartentransaktion, während T-Pay gleich fünf Verfahren ermöglicht).
Den kompletten Artikel finden Sie - mit einer Ăśbersicht der Bezahlverfahren - in der aktuellen Print-Ausgabe. (ur)