Weckruf
Wer seinen Rechner jederzeit erreichen muss, kann ihn rund um die Uhr laufen lassen. Sparsamer ist es allerdings, ihn nur dann zu starten, wenn man ihn benötigt.
- Michael Riepe
EDV-Anlagen benötigen viel Energie. Viele gehen obendrein verschwenderisch mit der Ressource um, die immer knapper und teurer wird. Doch nicht nur große Server und Plattensysteme saugen an der Stromleitung. Die allgegenwärtigen PCs (und Macs) tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei.
Oft laufen die Arbeitsplatzrechner rund um die Uhr. Gründe dafür gibt es einige - etwa den Mitarbeiter, der rund um die Uhr auf seine Daten zugreifen können muss, oder das allnächtliche Backup. Den größten Teil des Tages und am Wochenende stehen die Geräte jedoch ungenutzt herum.
Dem Budget zuliebe sollte man die Geräte nach Feierabend aus- und nur bei Bedarf wieder einschalten. Die Industrie bietet zu dem Zweck via TCP/IP fernschaltbare Steckdosenleisten an. Allerdings sind die Geräte nicht eben preiswert. Bis sich die Anschaffungskosten in meist dreistelliger Höhe amortisiert haben, können Monate oder gar Jahre ins Land gehen.
Schalter an Bord
Zwar lassen sich aktuelle PCs noch nicht wie viele Server per Intelligent Platform Management Interface (IPMI) fernsteuern. Viele lassen sich jedoch auf andere Weise aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken: durch Zeitsteuerung oder via Wake-on-LAN.
Bei der Zeitsteuerung dient die eingebaute Uhr als Wecker. Zur programmierten Zeit schickt der Chip ein Einschaltsignal und der Rechner bootet. Die Weckfunktion lässt sich in der Regel im BIOS-Setup aktivieren. Fortan erwacht der Rechner jeden Tag zur eingestellten Zeit zum Leben - genau richtig für das tägliche Backup oder andere wiederkehrende Aufgaben.
Betriebssysteme können durch das Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) auf die Weckfunktion zugreifen. Unter Windows etwa muss der Nutzer nur in den Eigenschaften einer geplanten Task das Kästchen „Computer zum Ausführen des Tasks reaktivieren“ anklicken.
Linux-Anwender können die Weckzeit im Format YYYY-MM-DD hh:mm:ss in die Datei /proc/acpi/alarm schreiben. Allerdings sollten sie dabei die Zeitzone beachten. Oft zeigt auf Linux-Rechnern die Hardware-Uhr nicht die lokale Zeit an, sondern UTC - im Winter eine Stunde früher, im Sommer zwei. Im Zweifel kann der Nutzer mit cat /proc/driver/rtc die Einstellungen überprüfen. Das Programm wakeup (siehe Kasten „Onlineressourcen“) nimmt ihm die Zeitumrechnung ab.
Gewöhnlich ignoriert der Rechner das Datum und startet zur gewählten Zeit am selben oder folgenden Tag. Soll er etwa am Wochenende die tägliche Routine auslassen, kann er den Alarm wieder aktivieren, indem er den Timer neu stellt, und sich anschließend für weitere 24 Stunden in den Tiefschlaf begeben. Da die batteriebetriebenen Uhren der meisten Motherboards nicht sonderlich genau gehen, empfiehlt es sich, die Zeit nach dem Aufwachen mit einem externen Server zu synchronisieren, etwa mit ntpdate.
Weiß der Nutzer nicht, wann er Zugriff auf den Rechner benötigt, hilft der Alarmgeber nicht weiter. Viele moderne PCs lassen sich jedoch durch ein „magisches Paket“ aus dem Netz wecken. Es muss an einer beliebigen Stelle die Bytefolge FF FF FF FF FF FF enthalten, gefolgt von 16 Wiederholungen der Ethernet-Adresse des Rechners und gegebenenfalls einem vier oder sechs Byte langen Passwort. Der Empfänger muss die Netzwerk-Schnittstelle mit Notstrom versorgen, damit sie Pakete empfangen kann. Findet sie darin die passende Bytefolge, weckt sie den Rechner auf - sofern die Funktion im BIOS aktiviert ist. Ältere Rechner benötigen außerdem eine Kabelverbindung zwischen Netzwerkkarte und Motherboard.
Programme, die ein Magic Packet schicken können, gibt es im Internet zuhauf. Linux-Distributionen enthalten meist das Paket etherwake. Besser dokumentiert ist das Unix-Programm wol. Mit wakeonlan existiert sogar eine Umsetzung in Perl. Nicht mit ihm verwandt, dafür erheblich komfortabler ist der gleichnamige Client für Mac OS X. Die Palette der Windows-Programme reicht von Kommandozeilen-Tools wie wol.exe bis zu grafischen Werkzeugen mit zusätzlichen Funktionen, etwa MagiWOL.
Wer keinen geeigneten Client findet, kann einen Webdienst wie Wake On Lan in Anspruch nehmen. Allerdings leiten manche Router Weckrufe aus anderen Netzen nicht weiter. In so einem Fall kann man sich mit einem Proxy behelfen, etwa wolp. Wie man mit einem CGI-Skript selbst einen webgestützten Proxy einrichtet, verrät das VDR-Wiki. Linux-Nutzer finden dort außerdem zahlreiche Hinweise zur Konfiguration störrischer Hardware. (mr)