Klappen und Wenden

GroĂźe Abteilungsdrucker bieten eine Vielzahl von Nachbearbeitungsfunktionen. Mit den Postscript-Utilities lassen sich einige davon auf einfacheren Modellen emulieren.

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Von
  • Michael Riepe

Laserdrucker ohne Nachbearbeitungseinheit legen ihre Erzeugnisse in der Regel mit der bedruckten Seite nach unten ab (face down). Tintenstrahldrucker hingegen meist anders herum (face up) - unter anderem, damit die noch feuchte Tinte nicht verschmiert. Wer sich das Sortieren des Papierstapels sparen möchte, muss die Reihenfolge der Seiten vor dem Drucken anpassen. Dafür eignet sich psselect aus der Programmsammlung psutils (siehe Kasten „Onlineressourcen“). Der Befehl psselect -r ein.ps aus.ps etwa liest die Seiten der Eingabedatei und gibt sie in umgekehrter Reihenfolge wieder aus. Gibt der Nutzer keine Ausgabedatei an, schreibt das Programm das Ergebnis auf die Standardausgabe. Mit psselect -r datei.ps | lpr kann man die geänderte Datei ohne Zwischenspeichern drucken. Lässt der Anwender den Namen der Eingabedatei ebenfalls weg, liest psselect von der Standardeingabe.

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Bestimmte Seiten kann der Nutzer mit -p auswählen. Als Argument erwartet die Option eine oder mehrere, durch Kommata getrennte Seitenangaben: 2-3,5 etwa steht für die zweite, dritte und fünfte Seite. Fehlen Anfang oder Ende eines Bereichs, nimmt das Programm an ihrer Stelle die erste oder letzte Seite: -p-4 wählt die ersten vier Seiten aus, -p5- alle übrigen. Seitenangaben, vor denen ein Unterstrich steht, gelten relativ zum Dateiende: Die letzte Seite zum Beispiel lässt sich mit -p_1 extrahieren.

Wer Papier sparen will, kann das Programm dazu verwenden, doppelseitig zu drucken. Es empfiehlt sich, mit psselect -e zuerst die „geraden“ Seiten zu extrahieren und auf die Papierrückseite zu drucken. Die „ungeraden“ Seiten liefert psselect -o. Je nach Drucker muss der Nutzer den einen oder anderen Befehl um die Option -r ergänzen, um die Reihenfolge der Seiten umzukehren.

Das Programm psnup fasst mehrere Seiten zusammen. psnup -2 eingabe.ps ausgabe.ps etwa nimmt je zwei Seiten aus der Eingabedatei, skaliert sie, dreht sie um 90 Grad und platziert sie nebeneinander auf einer Seite der Ausgabedatei. Wie bei psselect kann der Nutzer die Dateinamen weglassen, etwa um die Ausgabe direkt an lpr weiterzuleiten. Vier oder mehr Seiten ordnet das Programm in mehreren Zeilen an, normalerweise von links nach rechts und von oben nach unten. Wer ein „chinesisches“ Layout vorzieht (von oben nach unten, dann von links nach rechts), kann die Option -c verwenden.

Normalerweise verwenden Ein- und Ausgabedatei dasselbe Papierformat - voreingestellt ist DIN A4. Mit -P und -p kann der Nutzer jedoch Ein- und Ausgabeformate unabhängig voneinander wählen. Groß- und Sonderformate, etwa für den Posterdruck, lassen sich mit den Optionen -W und -H sowie -w und -h einstellen - Optionen mit Großbuchstaben gelten für das Eingabeformat. Längenangaben in Point (pt), Zoll (in), Zentimeter (cm) oder Millimeter (mm) kann der Nutzer durch ein Suffix kennzeichnen; voreingestellt ist die Postscript-Standardeinheit Point (1/72 Zoll).

Wer Seiten nur vergrößern oder verkleinern möchte, ohne mehrere zusammenzufassen, kann statt psnup das Programm psresize verwenden, das die Optionen ebenfalls versteht. Es ermöglicht auch, Dateien vom amerikanischen ins europäische Papierformat zu konvertieren, etwa mit psresize-Pletter -pA4.

Gemeinsam erlauben psnup und psselect den Druck von Broschüren. Voraussetzung ist allerdings, dass die Seiten in der richtigen Reihenfolge vorliegen, meist 4-1-2-3. Diese Aufgabe erledigt das Programm psbook. Mit der Option -s kann der Nutzer andere Bogengrößen einstellen, die angegebene Seitenzahl sollte jedoch ein Vielfaches von 4 sein. Fehlende Seiten am Ende lässt das Programm leer. Ein 16-seitiges Heftchen etwa lässt sich mit psbook -s16 datei.ps | psnup -2 > heft.ps erzeugen. Wer keinen duplexfähigen Drucker besitzt, muss das Ergebnis wie beschrieben mit psselect aufteilen und Vorder- und Rückseiten nacheinander drucken.

Anwender, die sich auf der Kommandozeile nicht wohlfühlen, können mit dem grafischen Frontend gtkpsproc arbeiten. Es bietet nicht nur die wichtigsten Funktionen der Programme per Mausklick, sondern erlaubt außerdem eine einfache Konfiguration des Druckertyps. Auf Wunsch emuliert es auch den Duplexdruck - und legt automatisch eine Pause ein und benachrichtigt den Nutzer, wenn es Zeit ist, den Papierstapel umzudrehen.

Wer selten druckt, kann gtkpsproc mit einem Dateinamen als Argument starten. Lässt sich in Anwendungen ein Programm zum Drucken einrichten, kann gtkpsproc die Stelle von lpr oder lp einnehmen. Noch bequemer lässt sich das Programm allerdings verwenden, wenn man es in das Unix-Drucksystem CUPS integriert. Ein Hintergrundprozess namens psproc-applet stellt die Kommunikationsverbindung zwischen CUPS und dem Desktop des Nutzers her. Anwendungen können den virtuellen Drucker GtkPSproc als Standarddrucker verwenden. Welchen realen Drucker er nutzen will, kann der Anwender auf der grafischen Oberfläche auswählen. (mr)