Marketing-GAU am Salzsee

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Von
  • JĂĽrgen Seeger

Anfang Februar legten Microsoft und Novell einen detaillierten Zeitplan zu ihrem vier Monate zuvor geschlossenen Zusammenarbeitsabkommen vor. Erwartungsgemäß geht es um Standards und Formate - Openoffice und MS Office sollen auch die XML-Formate ihrer jeweiligen Pendants verstehen, eDirectory und Active Directory beheben ihre Kommunikationsschwierigkeiten. Und natürlich: Virtualisierung, die derzeitige Hype-Technik. Die vereinbarten technischen Details sind durch die Bank sinnvoll und dürften dem Anwender eine Reihe im Alltag nervender Nickeligkeiten ersparen. Nur: Beide Beteiligten hätten sie auch gut ohne Verträge, Roadmaps und dergleichen Brimborium mehr entwickeln können. Speziell in Sachen Virtualisierung hat die Linux-Seite, die von Novell also, mit Ansätzen wie der Kernel-based Virtual Machine (KVM) die Nase sogar deutlich vorn.

Wenn es aber nicht um Technik geht, was hat es dann mit dieser Vereinbarung auf sich? Den meisten Lesern dürfte noch gegenwärtig sein, wie dieses Abkommen die Gemüter in der Open-Source-Szene über alle Maßen erregte. Denn neben den technischen Aspekten ging es um ein Stillhalteabkommen in Sachen vermeintlicher oder tatsächlicher Patentverletzungen; vor allem darum, dass Novell (nebst Kunden) bis 2012 keine diesbezüglichen Klagen seitens der Redmonder befürchten muss.

Dies und entsprechende Äußerungen der Microsoft-Führung legten für viele den Schluss nahe, dass Novell die Konkurrenz, vor allem Red Hat, durch das Schüren diffuser Ängste vor Patentverletzungen schwächen wollte. Dass Microsoft die vermeintlichen Patentverletzungen genauso wenig konkretisiert wie SCO, spielt dabei kaum eine Rolle.

Immerhin könnte es Kunden geben, die sich trotz allem lieber in den sicheren Hafen der Ex-Network-Company flüchten. Bislang sieht es aber eher so aus, als ob das Novells Imageschäden in der auch kommerziell immer wichtiger werdenden Open-Source-Szene bei Weitem nicht aufwiegen könnte.

Man muss angesichts solch ungeschickt aufgesetzter Marketing-Aktionen kein fanatischer Open-Source-Jünger sein, um sich die Frage zu stellen, ob Suse Linux bei Novell wirklich in guten Händen ist. (ole)