Schaffe, schaffe ...
Die meisten, die schon mal ein Haus gebaut haben, sind sich einig: einmal und nie wieder. Dabei kann man sich mithilfe des Internet bestens auf diverse Fallstricke und TĂĽcken vorbereiten und sich mit der Psyche von Handwerkern vertraut machen.
- Diane Sieger
Früher oder später stellt sich jeder mal die Frage, ob das Leben in der Mietwohnung oder gar im WG-Zimmer aus längst vergangenen Studientagen noch den eigenen Anforderungen entspricht oder ob das kleine Eigenheim nicht langfristig die bessere Alternative darstellt. Die Entscheidung, ob es sich nun um eine Eigentumswohnung, ein Haus aus zweiter Hand oder um ein nach eigenen Wünschen gestaltetes selbstgebautes handeln soll, muss natürlich jeder selber treffen. Ist der Entschluss, sich die eigenen vier Wände selbst zu errichten, erst mal gefasst, hilft jedoch auf jeden Fall ein Blick ins Netz, um fiese Fallen zu umgehen.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, worauf man sich einlässt, lohnt sich ein Blick in den TAZ-Artikel „Ein Mann soll ein Haus bauen“ von Wiglaf Droste aus dem Jahr 2006. Dort erfährt man, dass es nicht immer ein Vergnügen ist, sich mit Handwerkern auseinanderzusetzen. Jeder Bauherr sollte daher über ein Basiswissen im Hinblick auf Baumaterialien, Dämmstoffe und Baumaschinen verfügen, damit er nicht von Gaunern und Halunken über den Tisch gezogen wird. Ein Teil dieses Wissens kann man sich über das Internetangebot der Firma Bosch aneignen. Nahezu jedes während des Hausbaus benötigte Gerät kann man in der Enzyklopädie der Elektrowerkzeuge nachschlagen. Wie fühlt es sich wohl an, wenn man dem Bauprofi einen Vorschlag wie: „Benutzen Sie doch einfach eine Klauenkupplung, um den Drehmoment-Einstellbereich zu reduzieren“ unterbreitet? Diverse Seiten des Onlineangebots stehen auch zum Download auf den PDA zur Verfügung, damit die Informationen vor Ort auf der Baustelle griffbereit sind. Termini, die über Elektrogeräte hinausgehen, erläutert das Baulexikon und stellt sie zum Teil mit Bildern anschaulich dar. Besonderen Spaß macht hier das Surfen nach Wörtern mit außergewöhnlichen Buchstaben, beispielsweise Y wie Ytong oder X wie Xylol.
Finanzieren will gekonnt sein
Bevor man sich daran setzt, eine Liste mit den Mindestanforderungen an den Stil des Hauses zu Papier zu bringen, sollte man sich einen Überblick über die persönliche finanzielle Lage verschaffen. Eigentum muss finanzierbar sein, und die Wenigsten verfügen über ein derart prall gefülltes Sparkonto, dass sie den Kaufpreis für ihr Traumhaus bar auf den Tisch legen können. Zum Glück gibt es diverse Baufinanzierungsrechner, die ziemlich genau auf den Punkt bringen, was man sich mit dem eigenen Einkommen leisten kann. Die Deutsche Bank bietet beispielsweise einen „Baufinanzierung-Rechner“, der nach Eingabe der momentanen Mietkostenhöhe, des monatlichen Sparbetrags und des Eigenkapitals berechnet, wie viel ein Häuschen kosten darf. Um danach den genauen Kreditbedarf zu berechnen, eignet sich der Online-Rechner der Barmenia- einfach Erwerbskosten und Eigenkapital eingeben, dann ermittelt die Software unter Berücksichtigung anfallender Gebühren den Finanzierungsbedarf. Wer nun feststellt, dass zum Erwerb des Wunschhauses nur ein paar Euros fehlen, der sollte sich über Bauförderung der Städte, Landkreise, Gemeinden, Energieversorger, Bundesländer und des Bundes schlau machen. Hier gibt es einen Fragebogen, der die beantragbaren Fördermittel zusammenträgt.
Sobald die Finanzierung steht, kann die Planung beginnen. Soll es ein Einfamilienhaus werden, ein Bungalow oder ein Reihenhaus? Muss es behinderten- oder kindgerecht, eventuell für Allergiker geeignet sein? Mancher träumt von einem Fachwerkhäuschen, andere legen mehr Wert auf ein Niedrigenergie- oder Passivhaus. Eine Übersicht über die verschiedenen Haustypen liefert Fertighaus.de. Darunter verbergen sich zudem viele weitere Tipps und Tricks rund ums Thema.
Um nicht zu einem späteren Zeitpunkt mit zusätzlichen Kosten konfrontiert zu werden, lohnt sich die sorgfältige Auswahl des Bauunternehmers. Dort findet sich eine Checkliste, die dabei hilft. Nicht auszudenken, wenn der Unternehmer zwar die Kosten für das Ausheben der Baugrube veranschlagt hat, für den Abtransport des Erdaushubes jedoch ungeplante Kosten anfallen. Doch auch die sorgfältigste Auswahl des Bauunternehmens schützt nicht zwingend vor Pfusch am Bau. Da es für den Laien häufig schwierig sein kann, mangelhaft ausgeführte Arbeiten zu erkennen, bietet der TÜV Rheinland seine Hilfe für Bauherren an. Sachkundige Profis checken während wichtiger Phasen (Planung, Keller, Rohbau, Dämmung, Endabnahme und vor Erlöschen der Gewährleistungspflicht), ob die Handwerker ordentliche Arbeit geleistet haben. Somit kann der unerfahrene Bauherr sicher sein, dass sich keine Pfuscher an seinem Eigenheim betätigt haben. Wer während der Bauphase so viel wie möglich selbst überprüfen möchte, kann sich mit einer Checkliste an diversen Themen bis zum Download von Muster-Checklisten entlanghangeln.
Was den Häuslebauer während der konkreten Bauphase möglicherweise alles erwartet, lässt sich anschaulich im Blog von Sandra und Bernhard Hirschmann verfolgen. Neben einem Film über den Rohbauaufbau im Zeitraffer gibt es aktuelle Erlebnisberichte und Fotos des detaillierten Bauvorgangs. Außerdem befinden sich in der rechten Spalte der Website viele Links zu weiteren Bau-Blogs. Wenn man so manchem Bauherren bei seiner großen Aufgabe über die Schulter schaut, entwickelt man schnell Sympathien oder Antipathien, leidet mit, wenn sich einzelne Bauabschnitte verzögern oder ein Leidgeplagter gar in einen Rohbau einziehen muss, weil die Handwerker nicht rechtzeitig fertig geworden sind, bevor sein Mietverhältnis für die alte Wohnung beendet ist.
Noch während die ersten Wände gezogen und Rohrleitungen verlegt werden, stellt sich bereits die Frage, wie das neue Domizil eingerichtet werden soll. Wem die Fantasie fehlt, Möbel und Dekoration im Kopf zusammenzustellen und die Innengestaltung gründlich zu planen, sollte zu Hilfsprogrammen greifen. Sie vermitteln am Computer einen Eindruck davon, wie die ausgesuchte Couch zu den schon gekauften Gardinen. Es findet sich eine ganze Auswahl von Free- und Shareware. Viele Programme lassen einen Blick in das neue Zuhause zu, bevor der Grundstein überhaupt gelegt ist.
Wer das alles zu aufwendig findet, kann ja darauf hoffen, dass Ikea sich eines Tages dazu entschließt, sein Fertighaus auch in Deutschland anzubieten. Ganz in der Tradition des schwedischen Möbelriesen gibt es das Einfamilienhaus als Bausatz. Aber keine Angst, niemand muss sein Heim nach bebilderter Anleitung selbst zusammenpuzzeln - diese Arbeit übernehmen immer noch Profis.
Vorsichtige Menschen, die sich nach all diesen Informationen immer noch nicht trauen, sich der Bauaufgabe im realen Leben zu stellen, oder zunächst üben möchten, bevor sie sich zum Hausbau durchringen, können ihre Fähigkeiten als Bauherr zunächst virtuell unter Beweis stellen. Dazu animiert ein nettes kleines Spiel zum Download, bei dem man erste Erfahrungen beim Hausbau sammeln kann. (ka)