Zauberwelten

Es ist soweit: Millionen von Menschen kennen mittlerweile das Ende der Harry-Potter-Saga. Wer den siebten Band noch nicht gelesen hat, muss auf der Hut sein, damit er vorab keine unerwünschten Informationen bekommt. Die hier genannten Websites konnte man zumindest bei Redaktionsschluss ohne die Gefahr, auf Spoiler zu stoßen, aufsuchen.

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Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Diane Sieger

Auf Englisch ist er im Juli erschienen, Leser der deutschen Übersetzung müssen bis Ende Oktober warten - der siebte und letzte Band der Bücherreihe um den jungen Zauberer Harry Potter ist derzeit in aller Munde. Wohin man schaut, die ganze Welt scheint im Harry-Potter-Fieber. Die Autorin Joanne K. Rowling kündigte bereits frühzeitig an, dass viele der lieb gewonnenen Figuren sterben werden und heizte Spekulationen an, indem sie in einem Interview andeutete, dass zwei Hauptpersonen ihr Leben würden lassen müssen. Fernsehzeitungen stimmten darüber ab, wessen Tod die Leser wünschen oder am ehesten verkraften würden; wenig erstaunlich ist, dass die meisten am liebsten die bösen Buben wie Professor Snape oder Draco Malfoy unter die Erde schaffen würden. Ein wenig überraschend ist jedoch, dass Harry Potter auf Platz zwei steht.

Wer mit den genannten Namen nichts anfangen kann, hat wohl noch nie die bis zu 700 Seiten starken Werke von Joanne K. Rowling aufgeschlagen. Nun, hier ist die Gelegenheit, sich mit den hexenden Protagonisten vertraut zu machen. Am einfachsten gelingt dies über ein kurzes Kompendium. Dort findet sich eine Übersicht aller Hexen, Zauberer, Muggel, Todesser, Haustiere und Hauselfen, die in den Potter-Büchern vorkommen. Mit viel Liebe zum Detail verfasst, bietet die Eingangsseite weitere umfassende Informationen zu Zaubertränken und allem, was sonst im Zusammenhang mit Harry und Hogwarts wichtig ist. Und wer zwar am Inhalt der Geschichten interessiert ist, sich aber nicht gerade zu den großen Leseratten zählt, findet hier eine Zusammenfassung aller sieben Bände, um wenigstens oberflächlich mitreden zu können.

Die Tageszeitung „Die Welt“ widmete dem Erscheinen von „Harry Potter and the Deathly Hallows“ eine Fotostrecke mit Impressionen von Potter-Verkäufen in 32 Ländern. Sie gibt einen Einblick in die Menschentrauben an den Kassen. Doch nicht nur Fans folgen den Erlebnissen von Harry und seinen Freunden. Auch Menschen, die in den Darstellungen der magischen Welt eine Verachtung des christlichen Glaubens zu erkennen meinen, lesen die Geschichte, um warnen zu können. Ein Beispiel ist der ins Deutsche übersetzte Brief einer amerikanischen Mutter zweier Mädchen und der darauf folgende Diskussionsstrang.

Trotz dieser hin und wieder auftauchenden Warnungen vor den Darstellungen des Bösen ist und bleibt Harry Potter eine der erfolgreichsten Romanserien aller Zeiten. Das Original hat die Autorin auf Englisch verfasst, mittlerweile gibt es die Bände der Potter-Heptalogie in vielen weiteren Sprachen und Dialekten, darunter auch weniger gebräuchliche wie Isländisch, Walisisch oder Friesisch. Doch nicht immer scheint die Übersetzung gelungen zu sein, wie die Auflistung der gravierendsten Fehler in der Mandarin-Version des ersten Bands „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ahnen lässt (Achtung, zur fehlerfreien Darstellung sollten die entsprechenden Sprachkomponenten installiert sein). Für den Sprachunterricht eignet sich die Geschichte hervorragend, da sie selbst in heute nicht mehr gesprochenen Sprachen wie Latein oder Altgriechisch vorliegt. Einen kleinen Vorgeschmack bietet die griechische Onlineversion, die mit hervorragenden Kommentatoren des Übersetzers ausgestattet ist.

Die Romanverfilmungen dürften alle echten Potter-Fans mindestens einmal gesehen haben. Weniger bekannt ist eine Dokumentation über die Autorin, die es sowohl ins Kino als auch ins Fernsehen geschafft hat, in Deutschland bereits ausgestrahlt vom Westdeutschen Rundfunk. Für die Fans dürfte wichtig sein, wie sie die Sendung beim WDR anfordern können. Dort erfährt man auch, dass alle 30 Sekunden irgendwo auf der Welt jemand beginnt, ein Harry-Potter-Buch zu lesen.

Doch nicht nur Information über die offiziellen Bücher und Filme finden sich im Netz, die riesige Fangemeinde hat einiges an Kreativität zu bieten. Da gibt es zum Beispiel eine Reihe von Flash-Animationen mit Fingerpuppen im South Park Style. Häufig sind auch Neusynchronisationen der Filme im Netz zu finden. Ein witziges Beispiel ist „Harry Potter und der geheime Pornokeller Teil 5“. Die Szenen entstammen der Verfilmung des zweiten Bandes „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, und der zehnminütige Film ist wirklich witzig anzuschauen. So mancher Fan macht sich sogar die Mühe, komische Episoden aus Harrys Leben nachzuverfilmen. Eine der gelungensten Parodien ist „Harry Potter and the Dark Lord Waldemart“. Dieser Film unterstützt gleichzeitig die WalmartWatch-Kampagne, eine groß angelegte Aktion, deren Ziel es ist, über dubiose Praktiken des Verkaufsriesen Wal-Mart aufzuklären. Doch nicht nur im kleinen Kreis und am heimischen PC arbeiten Fans an zusätzlichen Visualisierungen der Wizard-Welt, auch einige der großen Produzenten haben ihre Hauptfiguren in die Welt der Magie eintauchen lassen. Bei den Simpsons etwa zeigt Lisa, dass sie die Zauberkunst viel besser beherrscht als Bruder Bart, der erwartungsgemäß viel Unsinn im Sinn hat.

Nicht nur die Filme werden regelmäßig umgedichtet oder weitergesponnen. Etliche Webseiten widmen sich ausschließlich dem Schreiben alternativer Schlüsse oder Kurzgeschichten. Sogenannte Fanfiction ist unter Harry-Fans weit verbreitet. Eine der umfangreichsten Seiten ist ein Portal mit über 40 000 Harry-Potter-Geschichten von Fans für Fans. Über ein Such-Tool kann man genau festlegen, über welche Figur in welcher Ära und aus welchem Genre man eine Geschichte lesen möchte. Spoiler mit Hinweisen auf den letzten Band lassen sich bei der Suche gezielt ausschalten. Die Site ist auch für all diejenigen der richtige Anlaufpunkt, die sich ausschließlich mit Literatur für Erwachsene befassen wollen. Wem die Texte auf Englisch zu schwer oder zu unbequem zum Lesen erscheinen, findet auch zahlreiche Texte auf Deutsch.

Mittlerweile trifft man Harry Potter nicht nur in Buch und Film. Diverse Brett- und Computerspiele sind bereits im Handel erhältlich. Eine Auswahl von Flash-Spielen ist kostenlos per Download erhältlich. Hier gilt es, die eigenen Partie Quidditch zu spielen, ein Geburtstagsgeschenk für Freund Ron zu besorgen oder vor den Dursleys zu flüchten, insgesamt kurzweilige Unterhaltung. Und solange dabei niemand einen Zauberstab auf den Websurfer richtet und „Avada Kedavra“ spricht, ist alles gut. (ka)