GrĂĽnerjahre

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Von
  • Ralph HĂĽlsenbusch

Es grünt so grün, wenn die Ideen blühen. Der Sommer geht früh zu Ende, aber die IT-Branche pflanzt, wo immer es geht, Grünes. Vom grünen PC bis zum grünen Rechenzentrum, vom Prozessor bis zur Software, alles folgt dem Ruf, und die grüne IT schießt ins Kraut1. Nachdem die Industrie mit recht wenig Geschrei im vorigen Jahr die Karawane durchs Nadelöhr zu neuer Umweltverträglichkeit hoch zu RoHS (Restriction of the use of certain Hazardous Substances in electrical and electronic equipment) treiben musste, drängen alle zur Oase. Wie immer, wenn Massen zusammenkommen, gibt es Müll, viel Müll. Allein der aus der Produktion türmt sich und gibt Anlass zur Sorge. Greenpeace stellt im „Guide to Green Electronics“2 eine Rangliste der Hersteller auf und fragt zeitgemäß, wer der Erste sein wird, der Grün erreicht - seit August vorigen Jahres. Derjenige, der da hinkommen möchte, muss neue Techniken entwickeln und nutzen. Alles, was dort geschieht, angefangen von neuen Produktionstechniken über stromsparende Funktionen bis hin zum Verzicht auf Flugreisen (Cisco), hat gleich mehrere Haken.

Um zur Sparsamkeit zu kommen, muss das Alte weg. Dafür sorgt die Softwareindustrie, indem sie zunehmend Produkte entwickelt, die wegen ihrer technischen Spielereien nur noch auf brandaktuellen Systemen funktionieren. Während oben auf dem Tisch oder im Rack Systeme im Schlafmodus Sünden der Energieverschwendung meiden, lauern die schwarzen Schafe in Herden am Boden oder hinten im Schrank und saugen blind Energie in sich hinein, selbst wenn sie in ihrer Rolle als Netzteil keinen Strom liefern müssen.

Dabei geht der Energieverbrauch bezogen auf die Grundfläche eines Gerätes zurück. Das führt zu höherer Packungsdichte, und damit wächst der Kühlungsaufwand. Mag sein, dass die Halle nach einer Konsolidierung fast leer ist, aber ein weiterer Server kann nicht in Betrieb gehen, weil die Versorgung es nicht mehr hergibt. Selbst der Energielieferant muss passen - mehr Kabel geht einfach nicht.

Noch kurioser erscheint der Effekt, dass mit dem sinkenden Verbrauch die Preise steigen. Leicht übersieht man, dass das Umwandeln und Ausliefern von Energie feste Kosten verursacht, die der Anbieter auf seine Tarife umlegen muss. Der Bäcker backt kleinere Brötchen, das kann der Versorger nicht. Doch fehlt es gerade bei den Stromern an Transparenz der Kostenstruktur. Stattdessen ziehen die Anbieter und einige Politiker Argumente aus dem Hut, die schon zu Zeiten der Energiekrise gemüffelt haben. Schuld sind nicht die gestiegenen Preise für die Brennstoffe, sondern überhöhte Betriebskosten, personelle Pfründe und eine unsinnige Überproduktion.

Dem könnte die IT begegnen, wenn mehr Verantwortliche - als unter anderem die iX-Umfrage im Mai zum Thema „IT und Energie“ erahnen lässt - ihr Augenmerk auf ihre Energiebilanz legen.


1 www.gruene-it.de

2 www.greenpeace.org/international/campaigns/toxics/electronics/how-the-companies-line-up (ole)