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Biometrie heißt nicht nur Passkontrolle oder Verbrechensbekämpfung. Seit Jahren setzen Unternehmen biometrische Systeme bei der Zutrittskontrolle oder Zeiterfassung praktisch ein. Wer die Anschaffung eines solchen Produkts plant, sollte seinen Einsatzzweck genau analysieren.

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Von
  • Barbara Lange
Inhaltsverzeichnis

Eins der Haupteinsatzgebiete für biometrische Verfahren ist die Zugangskontrolle im 1:1-Verifikations-Modus für Gebäude, Hochsicherheitsbereiche, Rechenzentren oder Freizeitparks. Hier ist die automatische Auswertung der körperlichen Merkmale wie Gesicht, Fingerabdruck oder Iris längst über das Experimentierstadium hinausgewachsen.

Da für jedes Projekt eigene Anforderungen und Ziele mit entsprechenden Preis- und Sicherheitskategorien gelten, sollte man die Ergebnisse des Mainzer Projektes Foto-Fahndung (siehe Seite 58 der Printausgabe) nicht als Richtlinie für den Unternehmenseinsatz nehmen, da Sicherheitsanforderungen in einer Freizeitanwendung längst nicht so hoch anzusetzen sind wie bei der Terroristenfahndung oder der Grenzkontrolle.

Im Hannoverschen Zoo läuft das biometrische Gesichtserkennungssystem FacePass seit 2003 mit hoher Akzeptanz - Besucherkarte einstecken, Blick in das Sichtfenster, Drehkreuz öffnet sich (Abb. 1).

Im Hannoverschen Zoo verifiziert das biometrische Gesichtserkennungssystem FacePass seit mittlerweile vier Jahren die Jahreskarten-Besitzer an den Drehkreuzen am Eingang (Abb. 1). Dabei konnte der Zoo zwei wesentliche Projektziele erreichen: Zum einen wollte man die unberechtigte Weitergabe von Dauerkarten verhindern, zum anderen sollte die Einlasskontrolle schnell gehen, vor allem bei großem Besucherandrang.

Zum Hintergrund: Gab es im Jahr 1994 nur knapp 6000 Jahreskartenbesitzer, so ist die Zahl nach dem Umbau zur Expo auf mittlerweile fast 90 000 gestiegen. An besucherstarken Tagen gibt es schon mal 13 000 Gäste - die Hälfte davon mit Jahreskarte. Bei der Einlasskontrolle prüft das System zunächst die Gültigkeit des Dauertickets anhand des Barcodes, schießt dann ein Live-Bild des Besuchers, der hierfür kooperierend in einen Spiegel blickt, und vergleicht dieses Foto mit dem Template in der Datenbank.

Eine hundertprozentige Erkennung gibt es hier so wenig wie anderswo - das war auch nicht das Ziel. Trotz Biometrie stehen nach wie vor Mitarbeiter am Drehkreuz und greifen korrigierend ein, wenn das System beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung passen muss. Da der Mensch seine Artgenossen am Gesicht erkennt, nicht an den Fingerlinien oder der Struktur der Iris, können Mitarbeiter des Zoos in diesen Fällen die Gesichter persönlich vergleichen und gegebenenfalls den Öffnungsknopf betätigen.

Das Enrolment - so heißt die Aufnahme der Referenzdaten - findet direkt am Drehkreuz statt, ohne konstante Lichtverhältnisse und schnell und unkompliziert. So soll und muss es sein, denn an Spitzentagen werden 1500 Dauerkarten verkauft.

Alle Beteiligten, der Hannoversche Zoo, Bosch Sicherheitssysteme und L-1 Identity Solutions als Hersteller des Gesichtserkennungssystems FacePass loben die Vorteile des Systems: Stabilität, Hygiene, hoher Personendurchsatz, kurze Verweildauer und Robustheit gegenüber Veränderungen im Gesicht. Auch der Betriebsaufwand ist gering. Nach Aussagen des Zoos dauert die Wartung der Datenbank etwa eine Stunde im Monat.

FacePass war übrigens jahrelang bekannt als „ZN-Face“ des Herstellers Viisage, den L-1 Identity Solutions kürzlich aufgekauft hat. L-1 war ebenfalls mit dem System FaceFinder beim Projekt im Mainzer Hauptbahnhof beteiligt.

Wer Biometrie in seinem Unternehmen einsetzen will, sollte seinen Bedarf genau analysieren, die Wirtschaftlichkeit berechnen und das geeignete biometrische Verfahren sorgfältig auswählen, so die Empfehlung von Berater-Unternehmen und Integratoren wie Bosch Sicherheitssysteme oder Biometric ID.

Möglicherweise hätte dieser Rat den Hannoverschen Zoo vor einem Irrtum bewahrt. Denn die nun erfolgreich laufende Gesichtserkennung - in den Niederlanden soll mittlerweile ein weiterer Zoo biometrisch werden - war nicht der erste Vorstoß in das damals noch unbekannte Land der Biometrie. Die Anfänge reichen zurück in das Jahr 2001: mit Fingerprint-Sensoren, die im Winter und bei Kindern, der größten Besuchergruppe, nicht funktionierten. Während die lieben Kleinen überhaupt noch keine ausgeprägten Fingerlinien besitzen, konnten die biometrischen Hightech-Sensoren im Winter auch Finger von Erwachsenen nicht richtig einlesen.

Zu allem Überfluss hatten viele Dauerkartenbesitzer vergessen, mit welchem Finger sie sich eigentlich seinerzeit beim Kauf des Dauertickets beim System bekannt gemacht hatten und probierten unerträglich lange alle Finger durch - ein weiterer Minuspunkt für die Massentauglichkeit dieser Anwendung.

Bei der Auswahl des Systems gibt es kein „bestes biometrisches Verfahren“, erklärt Marcus Klische, Berater von Biometric ID, gegenüber iX. Zu untersuchen sind vielmehr Umgebungsbedingungen für jedes einzelne Projekt, für die angesprochenen Nutzergruppen und die Integrationsfähigkeit der Systeme.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Printausgabe. (ur)