Allrounder

Mit seinen neuen flexiblen Zahlungsdiensten, die sich über eine spezielle Schnittstelle in eigene Anwendungen integrieren lassen, will das längst in mehreren Branchen heimische Unternehmen Amazon auch kleinen Händlern E-Commerce erleichtern.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Bettina Neuhaus
Inhaltsverzeichnis

Noch immer nehmen die meisten Amazon vornehmlich als Buchhändler wahr. Jedoch bietet der Handelsriese schon lange auch andere Medien, Haushaltswaren und stellenweise sogar Lebensmittel an. Von Anfang an setzte das Unternehmen auf ein Netz sogenannter Affiliates, die Amazon-Güter auf ihren eigenen Webseiten anbieten. Auf diese Art brachte es der Händler schnell zu großer Bekanntheit und einem riesigen Kundenstamm. Nicht zuletzt deshalb, weil er immer Dienste anbot, die es Webmastern einfach machten, das Angebot auf ihren eigenen Seiten zu integrieren.

Seit August gibt es mit Amazons Flexible Payments Service- kurz FPS - einen weiteren Dienst, der auch kleineren Anbietern E-Commerce erleichtern soll. Diesmal handelt es sich um die Zahlungsabwicklung inklusive Inkasso und Schutz vor Betrug. Amazon öffnete seine Bezahlplattform Anfang August für Dritte: Die bisher nur für Käufe und Verkäufe bei Amazon eingesetzten Bezahlmethoden können nun andere für ihre eigenen Verkäufe oder für den Betrieb von Handelsplattformen einsetzen.

Amazons FPS-Kostenstruktur
Bezahlvariante Umsatz unter 5 US-Cent Umsatz unter 10 US-$ Umsatz ab 10 US-$
Kreditkarte - 5,0 % + 0,05 US-$ 2,9 % + 0,30 US-$
Lastschrift - 2,0 % + 0,05 US-$ 2,0 % + 0,05 US-$
Amazon ABT 20 %1 1,5 % + 0,01 US-$ 1,5 % + 0,01 US-$
1 Minimum 0,0025 US-$

Das Unternehmen betont, dass es sich dabei nicht um ein neues Bezahlsystem für Endnutzer handelt, sondern um eine von vornherein für Entwickler gestaltete API. Das System soll außergewöhnlich flexibel sein. So ist es möglich, je nach Bedarf unterschiedliche Vorgaben für potenzielle Zahlungen sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer zu definieren. Der Webmaster muss dazu nicht einmal für eine dieser beiden Parteien arbeiten, sondern kann selbst einen Marktplatz betreiben und nur als Vermittler auftreten. Im Einzelnen ermöglicht das System:

  • Zahlungen ĂĽber die Amazon-Plattform mit den dort angebotenen Methoden Kreditkarte, Lastschrift oder Amazon Balance Transfer (bei Amazon selbst geparkte Guthaben, kurz ABT) zu senden oder zu empfangen,
  • sich auf die Betrugsprävention und das Inkasso durch Amazon zu verlassen,
  • detaillierte Regeln fĂĽr Käufer und Verkäufer festzulegen (Unter- und Obergrenzen je Transaktion oder in einem Zeitabschnitt, einmalige, mehrfache oder regelmäßig wiederkehrende Zahlungen, Start- oder Enddaten et cetera) sowie
  • die in der Amazon-Payments-Website integrierte Ăśbersicht mit Kontostand, Transaktionshistorie und Details zu jeder Transaktion zu nutzen.

Unter Kostenaspekten könnte sich die Abwicklung von Micropayments als interessantes Feature herausstellen: Das System erlaubt Prepaid- und Postpaid-Optionen, wodurch sich mehrere Käufe zu einer einzigen Amazon-Transaktion zusammenfassen lassen. Dadurch kann der Webmaster eine günstigere Kostenstruktur erreichen.

Generell betont Amazon die günstige Kostenstruktur der Services, die mit einer unterschiedlichen Tarifierung je nach eingesetztem Bezahlsystem erreicht werde. Außerdem gibt es weder eine Einrichtungsgebühr noch monatliche Mindestumsätze. Die teuerste Bezahlvariante ist die Kreditkarte, preiswerter ist die Lastschrift und am günstigsten fahren Anbieter mit dem ABT. Dabei gibt es je nach Höhe der Einzeltransaktion zwei Preisstufen (siehe Tabelle). Micropayments von weniger als 5 US-Cent sind nur per ABT möglich.

Wenn der bei Amazon registrierte Entwickler und der Verkäufer nicht dieselbe Person sind (etwa beim Betrieb von Handelsplattformen), lässt sich noch festgelegen, wer von beiden die Amazon-Gebühren übernimmt. Dem Käufer kann man sie nicht aufbürden.

FSP-Teilnehmer mit hohen Umsätzen (mehrstufig ab 3000 US-$ Monatsumsatz) können sich um einen Mengenrabatt bewerben. Diesen gewährt Amazon jedoch nur bei einer sauberen Historie und nach Prüfung durch das Unternehmen; ein Anspruch darauf besteht nicht.

In technischer Hinsicht kann man drei Parteien unterscheiden: Caller (der „Unterhändler“, der mit Amazon spricht), Sender (der bezahlt) und Receiver (der die Zahlung erhält). Dabei kann der Caller mit einer der anderen beiden Personen identisch sein, muss es aber nicht. Im Verlauf einer Transaktion wird für jede der drei Parteien je ein Token erstellt, das die Bezahlung regelt.

Und so funktioniert es im Detail: Der Käufer sucht auf der Website des Anbieters die Ware aus und sieht beim Gang zur virtuellen Kasse die Option, mit Amazon Payments zu bezahlen. Klickt er sie an, gelangt er zur Anmeldeseite von Amazon. Hat er noch kein Amazon-Kundenkonto, kann er spätestens jetzt eines einrichten. Nach dem Log-in sieht er noch einmal die Details seines Kaufs und kann ihn mit dem Bestätigen-Button abschließen.

Damit löst er im Hintergrund aus, dass Amazon ein Bezahl-Token erstellt. Zusammen mit diesem Token wird nun wieder die ursprüngliche Website angezeigt. An dieser Stelle fügt der Anbieter das Caller- und das Sender-Token hinzu und sendet alle drei zurück zu Amazon mit der virtuellen Bitte um Bezahlung. Amazon prüft, führt, wenn alles stimmt, den Geldtransfer durch und gibt die Bestätigung zurück. Nun kann der Anbieter die Ware für den Käufer freigeben.

Testen können Entwickler die Implementierung und die verschiedensten Bezahlregeln in der von Amazon zur Verfügung gestellten Sandbox.

Amazons FPS ist zunächst als eingeschränkte Betaversion nur für US-Entwickler gestartet. Weitere Händler werden im Laufe des Tests in der Reihenfolge ihrer Bewerbung hinzukommen. Deutsche Käufer können teilnehmen, sind jedoch auf die Zahlung per Kreditkarte beschränkt.

Einen enormen Startvorteil hat das System dadurch, dass Amazon bereits über rund 69 Millionen Kundenkonten verfügt, sodass in vielen Fällen die Hemmschwelle einer Neuregistrierung für den Kunden wegfallen dürfte. Das erleichtert die Positionierung zum Beispiel gegen Google Checkout [2], das sich seit dem Start im letzten Jahr noch nicht nennenswert durchsetzen konnte und noch immer nicht auf dem deutschen Markt verfügbar ist.

Andererseits treffen auf Amazon die gleichen Bedenken zu, die beim Such-Riesen Google bestehen: Nutzt man Amazons Payments auch bei Drittanbietern, so füllt sich unweigerlich der Datenpool des Universalhändlers weiter und weiter. Interessant ist Amazon FPS eher für kleine Händler, die sich vor der Implementierung eines eigenen Systems scheuen und insbesondere für Betrugsprävention sowie Inkassoabwicklung durch Amazon dankbar sein dürften. Die großen Online-Versandhäuser und andere Major Player werden sich hüten, ihre wertvollen Kundendaten einem Konkurrenten zu überlassen.

Bettina Neuhaus
ist Diplom-Kauffrau, Expertin fĂĽr elektronische Zahlungssysteme und arbeitet als freie Beraterin sowie Autorin in Hannover.

[1] Bettina Neuhaus; E-Commerce; Im Wallet wenig Neues; Bezahlalternativen zu Kreditkarte & Co; iX 12/2006, S. 96

[2] Bettina Neuhaus; E-Payment; Check it out; Googles Bezahlservice fĂĽr Online-Handel; iX 9/2006, S. 90 (ur)