SCO: Die Lichter gehen nicht aus

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Von
  • Detlef Borchers

Die SCO Group hat ein Konkursverfahren nach Chapter 11 des US-amerikanischen Konkursrechtes angemeldet. Geschützt vor den Ansprüchen der Gläubiger möchte sich die Firma restrukturieren und die Geschäfte fortführen. Die harte, doch nicht ungewöhnliche Rettungsmaßnahme - erinnert sei an den Linux-Distributor Mandrake/Mandriva - sorgt im Fall der SCO Group für Aufsehen. Denn das Unternehmen, Rechtsnachfolger des Linux-Distributors Caldera und Namenserbe der Santa Cruz Operation, verfolgt das etwas ungewöhnliche Geschäftsmodell, mit einer Serie von Prozessen gegen Novell, IBM, Red Hat und andere reich werden zu wollen.

Und noch zwei Wochen nach Anmeldung der Insolvenz tat SCO-Chef Darl McBride in einem Interview die Pleite als nebensächlich ab und gab sich siegesgewiss. Der Grund: 60 % der Urteile des amerikanischen Bezirksrichters Dale Kimball seien in zweiter Instanz kassiert worden.

Besagter Richter hatte mit zwei Entscheidungen im Verfahren zwischen Novell und der SCO Group noch in der Voruntersuchung zur 1. Instanz das kunstvolle Gebäude der SCO-Klagen nachhaltig demoliert. Kimballs erste Entscheidung, dass Novell zwar die Unix-Distribution verkauft hatte, nicht aber die Rechte an Unix, zerstörte die Grundlage für die meisten Schadensersatzansprüche, die die SCO Group in den diversen Verfahren geltend macht.

Unmittelbar nach der zweiten Entscheidung des Richters in der Voruntersuchung meldete die SCO Group Insolvenz an. Schließlich hatte der Richter befunden, dass er ohne Jury über die Höhe der Zahlungen verhandeln kann, die die SCO Group an Novell leisten muss. Mit Eintritt der Insolvenz scheint man bei SCO den Zugriff auf die verbleibenden geschätzten 14 Millionen verhindern zu wollen, die vor allem mit dem Verkauf von Unix- und Unix-Ware-Lizenzen verdient wurden.

Das durchaus profitable Unix-Geschäft der SCO Group beachtete niemand mehr, seitdem die Firma im Jahre 2004 damit begann, sich von einer Softwarefirma zu einer effektiven Klagemaschine umzubauen. Als eine Gruppe von Investoren mit 40 Millionen Dollar bei SCO einstieg, wurde die Firma als „Lawyer’s Engine“ gepriesen, die groß mit Klagen gegen Lizenzverletzungen herauskommen werde. Verklagen wollte man alle Firmen, die Linux einsetzen, weil Linux nach Meinung der SCO-Experten von Unix geklauten Code enthält (der bis heute nicht gefunden werden konnte). SCO verklagte sogar eigene Kunden wie den Autobauer DaimlerChrysler und Autozone, einen Autoteile-Versender.

Damit war jede Firma, die SCO-Software einsetzte, gewarnt: Wer SCOs Vorgehen aufmerksam verfolgt hatte, entwarf umgehend eine Exit-Strategie für den Fall, dass sich die findigen Juristen aus Utah zur Lizenzprüfung anmeldeten. Beizeiten entwickelte so auch der größte deutsche SCO-Kunde, die Kraftwerkbauer von Siemens Power Generation, eine Linux-Lösung für den Betrieb und die Wartung der Blockheiz- , Kohle- und Wasserkraftwerke. Dabei hält Siemens bis heute an SCO-Software fest: Die mobilen Benachrichtigungsdienste, die als „Hipcheck-Module“ von der SCO-Tochter Me Inc. angeboten werden, benachrichtigen die Leitstandstechniker, wenn die Messgeräte eines Kraftwerks Alarm schlagen. Doch bei Siemens sieht man den drohenden Konkurs der SCO Group gelassen: Die Lichter werden nicht ausgehen, weil man innerhalb eines Tages auf Linux umstellen kann, heißt es in Erlangen. (ole)