Mein neuer Freund
Glaubenskriege in der Betriebssystemwelt sind so alt wie PC-Hardware. Konvertiten - wie neue Macianer - finden auf jeden Fall Hilfe im Web, wenn es darum geht, Glaubensgenossen zu treffen oder passende Software fĂĽr das neue System aufzuspĂĽren.
- Kai König
Wenn nicht nur die Freunde davon schwärmen, wie einfach plötzlich alles sei, die Ehefrau den iPod und Apple im Allgemeinen sowieso ganz prima findet, sondern auch die eigenen Eltern sich erkundigen, ob ein Mac nicht die bessere Alternative sei, weil man doch jetzt älter werde - spätestens dann ist die Zeit gekommen, sich selbst einen Mac anzuschaffen. So ist es geschehen und der Autor ist stolzer Besitzer eines Macbook Pro mit 2.4 GHz Intel Dual Core CPU.
Dass sich der Hersteller sogar um relativ simple Dinge wie Kartonage und Anordnung der Einzelteile in der Verpackung Gedanken macht, mag ein Grund dafĂĽr sein, dass viele Apple-Nutzer die Verpackungen ĂĽber Jahre hinweg archivieren und sogar im Internet ausstellen.
Nach dem Hochfahren der neuen Maschine, die sich dezent selbst einrichtet, stellt sich die erste Frage nach Software. Schließlich möchte man ja mit Mac OS X auch etwas Sinnvolles tun. Ein guter Anlaufpunkt ist Opensourcemac.org, hier findet man eine Unmenge freier OS-X-Software, angefangen von Basics wie Mozillas Firefox über Videoplayer bis hin zu RSS-Reader und FTP-Tool. Die persönliche „Must-Have“-Liste des Autors auf diesem Website besteht übrigens aus dem Instant Messaging Client Adium, dem RSS-Reader Vienna, dem FTP-Tool Cyberduck sowie dem Texteditor Smultron. Natürlich bietet die Site mehr, und vor allem auf der zweiten Seite der Auflistung findet man in den Quick Links einige versteckte Perlen. Ist man auf der Suche nach Software-Updates, dürfte die erste Anlaufadresse wohl VersionTracker sein. Nicht verschwiegen sein sollen an dieser Stelle auch die ersten Internet-Infos, die online zu lesen waren und die sich bereits Ende des letzten Jahrhunderts mit freier Software für den Macintosh befassten.
Kämpfe um den Office-Markt
Heiß umkämpft ist der Office-Markt. Neben Microsofts Office für Mac 2004 bietet Apple mit iWork eine eigene Lösung an, die im Gegensatz zu Office für Mac das typische Apple-Feeling bei der Arbeit mit langweiligen Spreadsheets und Textdokumenten erhalten soll. Microsoft hat vor Kurzem seine Office-Suite in der Version 2008 angekündigt und dabei den Erscheinungstermin ins Frühjahr 2008 verschoben. Im Mac-Mojo-Blog der Mac Business Unit von Microsoft werden seit einigen Wochen regelmäßig Preview-Posts veröffentlicht, die potenzielle Nutzer und Umsteiger auf die Release (oder eine bald zu erwartende Public-Beta) einstimmen sollen.
Eine Alternative bietet das freie NeoOffice. Es basiert auf OpenOffice, vermeidet aber eine Installation von X11 auf dem Mac, die benötigt wird, um mit der originalen Release von OpenOffice auf OS X arbeiten zu können. NeoOffice bietet alle Basisfunktionen und arbeitet klaglos mit Microsofts Office-Formaten.
Ein weiteres wichtiges Thema ist E-Mail. Ist man nicht auf einen Exchange-Server angewiesen, sondern arbeitet ausschließlich mit IMAP oder POP3, gilt das mit OS X mitgelieferte Mail.app in der Regel als gute Wahl. Ein großer Vorteil von Apples Hauslösung liegt in der Verfügbarkeit vieler Erweiterungen, von denen wohl nahezu alle schon auf Hawk Wings vorgestellt wurden. Neben dem schon an sich interessanten Blog ist die Plug-in-Übersicht empfehlenswert - hier sollte sich für eine Vielzahl von Mail-Problemen eine hilfreiche Lösung finden lassen. Aber: Für Benutzer mit hohem Mail-Aufkommen ist Mail.app ungeeignet und der Umstieg auf Thunderbird ratsam.
Nachdem nun mit verschiedener Software die dringendsten Bedürfnisse des neuen Mac-Users befriedigt sind, ist es an der Zeit, sich in der neuen Umwelt umzuschauen. Nun hat Apple mit dem MacBook Pro ja keineswegs seine erste Hardware vorgestellt - ganz im Gegenteil ist die persönliche Geschichte von Apples (Heim-)Computer älter als die des IBM-PCs - man denke nur an den Apple II.
Ahnenforschung im öffentlichen Raum
Allein die Mac-Familie reicht einige Generationen zurĂĽck und wird in Ahnengalerien entsprechend gepflegt, beispielsweise im Vintage Mac Museum.
Adam Rosen, der Kurator, hat hier über mehrere Jahre hinweg eine umfangreiche Sammlung von Macs aus der Zeit vor der Intel-Hardware zusammengetragen. Von dieser Website aus führt ein versteckter Link auf die Seite des Lisa-Emulator-Projekts. Bei Lisa handelte sich um die erste wirklich grafische Bedienoberfläche in der Apple-Welt, und LEP arbeitet daran, dieses vergangene Universum auf modernen Computern wieder aufleben zu lassen.
Natürlich hat die Gemeinde heutiger Apple-Nutzer ebenfalls ihre Communities, auch für den Mac Mini. Neben den News hat die Site ein Forensystem und viele technische Artikel und Tutorials zu bieten. Das ApfelWiki behauptet gar „Wir haben alle eine Antwort!“ und versteht sich nicht nur als Informationsquelle, sondern will Mac-Anwendern eine Plattform bieten, sich zu verwirklichen.
Trotz BSD-Kern, Apples Usability Engineering und stabiler Hardware darf man nicht glauben, dass mit einem Mac immer alles perfekt läuft und jegliche Schwierigkeit wie von Zauberhand verschwindet. Bei Problemen lohnt sich auch das Stöbern auf MacFixIt. Hier diskutieren Nutzer und Fachleute über Dinge wie Widrigkeiten mit bestimmten Festplattentypen am Mac-USB-Port bis hin zu vergleichsweise einfachen Fragen zur Nutzung von Terminal.app.
A propos Terminal.app: Aus der glänzenden Oberfläche führt Terminal.app ans Eingemachte - die Unix-Shell. Zahllose Kommandos mit noch mehr Parametern ermöglichen ein machtvolles Arbeiten, bieten dem ungeübten Unix-Anfänger jedoch auch viele Stolperfallen. Mac-Benutzer, die einen tieferen Einstieg in ihr System suchen, finden mittlerweile Hilfe in diversen Buchveröffentlichungen, unter anderem in „Learning Unix for Mac OS X Tiger“. Als Auflockerung während dieser Fortbildung empfiehlt sich ein Blick auf die schon etwas älteren, aber trotzdem gelungenen Cartoons.
Zum Schluss ein nicht ganz ernst gemeinter Hinweis auf MacQuarien. Ein MacQuarium ist die Nutzung eines Mac als - wie kann es anders sein - Aquarium. The Apple Connection hat gleich eine ganze Kollektion solcher kreativer Verwertungsmöglichkeiten der alten Hardware zu bieten. Eine Anmerkung am Rande: Man stelle besser sicher, dass die Gehäuse keine toxischen Reststoffe von der Elektronik mehr enthalten - die Fische werden es zu würdigen wissen. (ka)