Teatime
Wenn der Sommer auf sich warten lässt, hilft oft ein heißer Tee über trübselige Momente hinweg. Schwarz, weiß, gelb oder grün – genießen lässt er sich in allen Lebenslagen.
- Diane Sieger
Passionierte Teetrinker wissen, dass die deutsche Bezeichnung Tee übergreifend für eine Vielzahl von Aufgussgetränken steht. Im eigentlichen Sinne zählt jedoch nur das als Tee, was aus dem Teestrauch und seinen Blättern hergestellt wird. Es gibt also im Grunde, sagt ein Teebuch, genommen weder Kräuter- noch Früchtetee. Die Franzosen drücken sich da klarer aus – alles was nicht aus dem Teestrauch stammt, heißt Infusion. All dem zum Trotz dient im Folgenden der Ausdruck Tee als Synonym für fast sämtliche Aufgussgetränke.
Heutzutage gibt es für jeden Geschmack den richtigen Tee. Sei es der klassische Schwarze, grüner, Roibusch, Kräuter- oder aromatisierter Tee. Auch Mischungen aus verschiedenen Sorten erfreuen sich ständig größerer Beliebtheit. Um die Frage, woher die Idee, Blätter mit heißem Wasser zu übergießen und somit ein Heißgetränk zu erstellen, überhaupt stammt, gibt es viele Geschichten. Eine der sympathischsten – neben der von Asterix überlieferten – ist die Legende vom chinesischen Kaiser Shen Nung, der aus hygienischen Gründen nur abgekochtes Wasser trank. Als er sich eines Tages unter einem Teebusch ausruhte, fielen einige Blätter des Busches in seine Tasse und er empfand das so entstandene Getränk als sehr erfrischend und geschmackvoll, so der Kaiser.
Im Netz finden sich viele Informationen rund um den Tee – einen guten Ausgangspunkt für den Einstieg bietet die Enzyklopädie im Onlineangebot des Teefachgeschäfts „Creativ und mehr“. Sie gibt eine Übersicht über die verschiedenen Teesorten, ihre Herstellung und Zubereitung. Ein umfangreiches Glossar ergänzt das Ganze.
Tee kommt in verschiedenen Farben daher. Ob schwarz, grün oder weiß, eine jede Version hat ihre Eigenheiten und Fans. Viele Infos zum Schwarztee finden sich online sowie auch Erläuterungen zum Beispiel der Herstellung, Kauftipps und die Anleitung für die klassische Zubereitung. Klar, dass die Kanne auf jeden Fall vorgewärmt sein sollte. Die Ziehzeit kann von einer bis zu fünf Minuten betragen – länger sollten die Blätter jedoch nicht in der Kanne verweilen, sonst kann das zu einer bitteren Erfahrung führen. Hat man dann den Tee in eine andere, ebenfalls vorgewärmte Kanne umgeschüttet, kann der Genuss beginnen, erst recht nach Kenntnisnahme weiterer Farbnuancen des Tees
Neuer Geschmack aus Zeitdruck
Doch nicht nur in der Farbe unterscheiden sich Tees, auch die Trocknungsart spielt eine große Rolle in der Geschmacksbildung. Außergewöhnlich ist Lapsang Souchong, ein sogenannter Rauchtee. Der Legende nach ist seine Entdeckung ebenfalls einem Zufall zu verdanken: Ein Arbeiter in einer Teefabrink versuchte aus Zeitdruck schwarzen Tee über offenem Feuer zu trocknen. Heute wendet man spezielle Zubereitungsformen an, um dem Rauchtee seine Geschmacksnote zu verschaffen. Die Blätter des schwarzen Tees werden zunächst im Rauch von Kiefernwurzeln oder besonders harzhaltigem Fichtenholz geräuchert. Anschließend folgt die Feinröstung in einer Pfanne, bevor das Produkt in Bambuskörben erneut über das Feuer kommt. Es lohnt sich, die Details dieses Prozesses nachzulesen.
Eine Sorte, die gerade in Deutschland zum Trendgetränk avanciert, ist der Matcha, ein gemahlener Grüntee, der zum Synonym für japanische Teekultur geworden ist. Die Hintergründe finden ebenso Beachtung detaillierte Darstellung wie die Fragen der richtigen Zubereitung auf Youtube.
Doch der hochwertigste und teuerste Tee ist nur von geringem Nutzen, wenn er nicht richtig gelagert wird. Tee nimmt Aromen schnell auf, und so führt eine unsachgemäße Lagerung unweigerlich dazu, das wertvolle Gut zu ruinieren. Ein zu langes Aufbewahren des Tees bekommt ihm ebenfalls nicht gut. Eine kleine Richtlinie zum Thema Haltbarkeit findet sich im Albersdorfer Tee-Blog Naturideen.
Tee ist in verschiedenen Formen erhältlich, das Hauptunterscheidungsmerkmal ist die Größe der einzelnen Teestückchen. Beim Blatttee werden die ganzen Blätter des Teebusches verwendet, Broken-Varianten sind kleinblättrig, unter Funnings subsumiert man kleine Teile des Blattes ohne Stängel und Dust heißen kleinste Mini-Teilchen. Je kleiner die Teilchen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Teebeutel landen, statt lose in den Handel zu geraten. Eine findet sich eine Übersicht über die verschiedenen Formen sowie umfangreiche Begriffserklärungen zu Qualitätsstufen von FOP (Flowery Orange Pekoe) bis Souchong. Daneben finden sich viele Informationen rund um Teeanbaugebiete – eine gute Gelegenheit, endlich alles über Assam, Ceylon, Sumatra und Co. zu erfahren. Während früher die Meinung vorherrschte, dass Beuteltee gleichbedeutend mit geringer Qualität ist, wurde dieses Vorurteil inzwischen oft widerlegt – heutzutage sind durchaus auch hochwertigere Tees im Beutel erhältlich.
Schaut man sich die Gewohnheiten rund um die Zubereitung und Teerituale in verschiedenen Ländern an, fallen diverse Unterschiede ins Auge. Die Briten etwa lieben ihren Tee mit Milch, obwohl inzwischen erwiesen ist, dass dies gar nicht so gesund ist, wie der Spiegel zu Beginn des letzten Jahres berichtete. Ganz anders trinkt man Tee in Japan. Hier kommt nicht nur keine Milch in die Teeschale, dem Teetrinken kommt zuweilen eine zeremonielle Bedeutung zu. Das Ritual selbst ist bei einer traditionellen Teezeremonie wichtiger als der Genuss des oben erwähnten Matcha. Wer mehr über die „Tradition des japanischen Teewegs“ wissen will, kann sich bei Schülern der Teemeisterin Hiroyo Nakamoto in Hannover zum Unterricht anmelden.
Nicht nur als Getränk tritt Tee in all seiner Vielfalt auf, sondern auch in Kochrezepten – ganze Menüs lassen sich auf Teebasis zusammenstellen. Wie wäre es mit einer Tee-Suppe als Entree, Karottentörtchen mit Grüner-Tee-Sauce als Hauptgericht und einer leckeren ostfriesischen Teecreme als Nachtisch?
Ein Highlight für jeden Teefan ist der Blog der in Deutschland lebenden Taiwanerin Meng-Lin Chou. Liebevoll zeichnet sie regelmäßig mit Begeisterung ein ganz besonderes Bild des Tees, und ihr Wissen um Herkunft und Zubereitungsarten verschiedener Sorten ist nahezu unermesslich. Will man sein eigenes Wissen weit genau über die Grundlagen hinaus erweitern,dem sind keine Grenzen gesetzt.
Wer nun Lust auf Tee in Gesellschaft bekommen hat, sollte sich schnell ein Tässchen aufgießen, ein paar Freunde zusammentrommeln, sich über das Brettspiel Darjeeling hermachen und Winterwetter Winterwetter sein lassen. (ka)