Liebes Tagebuch ...
Blogs waren zunächst als individuelles Webtagebuch verbreitet. Mittlerweile nutzen aber auch viele Firmen Weblog-Software und betreiben ein oder mehrere eigene Blogs. Während Privatpersonen gerne auf extern gehostete Software zurückgreifen, kommt für Firmen oft nur der Betrieb auf einem eigenen Rechner in Betracht.
- Christoph Leisegang
- Stefan Mintert
Ein geeignetes Produkt für den Betrieb eines Blog auszuwählen, ist eine schwierige Aufgabe. Sie beginnt mit der Überlegung, welche Anforderungen die Software erfüllen soll. Ein zentraler Punkt sind die Systemvoraussetzungen, unter denen die Blog-Software läuft. Die im Rahmen dieses Artikels betrachteten Produkte benötigen entweder Java nebst einem Servlet-Container oder einen Webserver mit Perl, PHP beziehungsweise Ruby on Rails. Zur Datenspeicherung kommt entweder eine relationale Datenbank oder das Dateisystem zum Einsatz. Manche Blog-Software besitzt Funktionen, die weitere Software verlangen; beispielsweise für die Grafikverarbeitung Bibliotheken wie GD oder ImageMagick. Des Weiteren erlauben einige Produkte eine Erweiterung ihrer Funktionen mit Plug-ins.
Nach diesen grundlegenden Systemeigenschaften sind die eigentlichen Blog-Funktionen an der Reihe. Verlangt der Einsatzzweck nach mehreren oder gar beliebig vielen Blogs oder genügt es, wenn die Software eins oder eine begrenzte Zahl zulässt? Genauso stellt sich die Frage nach der Anzahl der Autoren. Insbesondere im Firmenkontext ist die Rechtevergabe ein zentraler Punkt. Erlaubt das System die Zuweisung von Rollen an Benutzer (Administrator, Redakteur, Autor et cetera)? Was ist mit der Kommentarfunktion? Lässt es sich steuern, ob Kommentare überhaupt, nur anonym oder nur angemeldet erlaubt sind? Um Artikel in einem Blog zu finden, ist eine Kategorisierung über Schlagworte (Tags) üblich. Eine eingebaute Suchfunktion kann darüber hinaus nicht schaden. Für die Autoren sind ein WYSIWYG-Editor und die Speicherung als Entwurf sinnvoll.
Für ein eigenes grafisches Design gibt es verschiedene Ansätze, etwa einen Template-Mechanismus, eventuell inklusive Template-Editor, oder eine Formatierung über CSS. Einige Systeme bieten Skins an, umschaltbare Designvorlagen, die eine Änderung der Darstellung mit wenigen Mausklicks gestatten. Wünschenswert ist es außerdem, dass die Software die eigene Sprache unterstützt. Während die Verwaltung mehrsprachiger Blog-Artikel aufgrund des Übersetzungsaufwands vermutlich nicht ganz oben auf der Wunschliste steht, möchte man bei generierten Texten, wie Navigationselementen, die Wahl der Sprache haben.
Korrektheit und Syndikation
Bei den Ausgabeformaten ist HTML nicht erwähnenswert, fraglich aber, ob es sich um standardkonformes HTML oder XHTML handelt. Ebenso ist ein Syndikationsformat (RSS, Atom) zur automatisierten Weitergabe von Inhalten „state of the art“. Weniger häufig sind E-Mail-Benachrichtigungen anzutreffen, die beispielsweise den Eingang eines neuen Kommentars anzeigen.
Wenn es um die Handhabung von Bildern geht, die nicht nur verwaltet, benannt, geändert oder gelöscht, sondern darüber hinaus verarbeitet werden, verschwimmen die Grenzen zwischen Blog und Web Content Management.
Last, but not least, ist bei einem offenen System wie einem Blog das Augenmerk auf den Schutz zu richten. Neben der Benutzerverwaltung gehört zumindest bei einer (nach Registrierung) offenen Kommentarfunktion die Frage dazu, wie ein Administrator unerwünschte Kommentare (Spam) verhindern kann. Insbesondere wenn bekannte Systeme wie Wordpress, Movable Type oder Serendipity zum Einsatz kommen, sind die Schnittstellen für das Anfügen von Kommentaren bekannt und lassen sich von Spammern leicht ausnutzen.
Nach diesem kurzen Ăśberblick ĂĽber zu erwartende Eigenschaften und Funktionen von Blog-Systemen geht es nun in medias res. In der Tabelle sind Details zu allen betrachteten Systemen zu finden. Die Auswahl erfolgt nach den zentralen Kriterien:
- Es handelt sich um Open-Source-Software.
- Es handelt sich um installierbare Software, nicht um ein Blogging-Portal.
- Die Software macht einen „lebendigen“ Eindruck. Letzte Einträge im projekteigenen Blog aus dem Jahr 2003 sind ein Ausschlusskriterium.
Den letzten Punkt könnte man als unnötig ansehen, schließlich besteht die (zumindest theoretische) Chance, dass eine Software schon vor Jahren so gut war, dass eine Weiterentwicklung nicht erforderlich ist. Wenn es aber um Open Source geht, wofür es häufig keinen kommerziellen Support gibt, ist es beruhigend, eine aktive Community als Ansprechpartner bei Schwierigkeiten vorzufinden.
FĂĽr einige Systeme folgt nun eine vertiefende Beschreibung, die ĂĽber die Auflistung in der Tabelle hinausgeht. Alle Produkte (und weitere) befinden sich auf der Heft-CD. Es geht los mit einem der wenigen in Java geschriebenen Produkte.
Den vollständigen Artikel samt Einzelbesprechung der Produkte und einer Übersichtstabelle finden Sie in der Printausgabe (7/08) am Kiosk oder ohne Mehrkosten per Online-Bestellung.
AuĂźerdem im Heft: CD mit 22 Blog-Systemen
(hb)