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Novells freier Sprössling erfreut sich trotz zunehmender Distributionskonkurrenz immer noch großer Beliebtheit. Das gilt auch für die Version 11.0, die jetzt KDE 4 als Desktop-Option anbietet.

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Von
  • Markus Franz

Trotz der Erfolge von Ubuntu zählt Opensuse vor allem im deutschsprachigen Raum immer noch zu den beliebtesten Linux-Varianten. Das belegt auch der große Ansturm auf die Version 11.0: Mehr als 163 TByte Traffic verursachte der Download in den ersten 30 Stunden bei Novell – ähnlich dürfte es bei den Mirror-Servern ausgesehen haben.

Opensuse steht wieder als Kaufversion oder als DVD-Image für x86-, x86_64- oder PowerPC-Systeme bereit. Novells für 2009 erwartetes Enterprise-Linux (SLES 11) wird auf Opensuses 11er-Familie basieren. Für x86-Besitzer könnte sich die mit Erscheinen dieser Ausgabe verfügbare Variante Opensuse 11.0 VorKon aus dem Millin-Verlag lohnen (siehe „Daten und Preise“). Sie enthält zusätzlich unter anderem Treiber – beispielsweise für Nvidia-Grafikkarten –, Multimedia-Erweiterungen sowie ein Farbmanagementsystem mit ICC-Profilen für den Photoshop-Clone Cinepaint.

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Daten und Preise Opensuse 11.0

Software: Kernel 2.6.25.5 (2.6.25.91), Glibc 2.8, Xen 3.2.1, X.org 7.3, GCC 4.3, Gnome 2.22, KDE 3.5.9/4.0.4, XFCE 4.4.2, Openoffice 2.4.0, Firefox 3.0, Thunderbird 2.0.0.12 (2.0.0.141)

Bezugsquellen und Preise:

1 via Online-Update
2 inkl. MwSt.

In komplett neuem Design erstrahlt der Installer. Die Optik wirkt nun erheblich freundlicher als bisher. Wie üblich kommt man mit der „automatischen Konfiguration“ in wenigen Schritten ans Ziel. Im Test trug der Installer ein parallel installiertes Ubuntu 7.10 allerdings nicht im Bootloader ein. In etwa 15 Minuten spielt der Assistent die Software ein. Dies ist erheblich schneller im Vergleich zum Vorgänger, da er nun Images statt einzelner Pakete einspielt. Auch sind die Pakete selbst deutlich kleiner, denn die Entwickler haben von bzip2- auf lzma-Kompression umgestellt. Im Test klappte die Hardware-Erkennung mit einem Dell Inspiron 1525 und einem Sony Vaio VGN-NR21S recht gut.

Erwartungsgemäß wartet die gelieferte Software mit aktuellen Versionsständen auf: KDE 4.04, Gnome 2.22, X.org 7.3, der Kernel 2.6.25.5 sowie Glibc 2.8 und GCC 4.3. Zum Lieferumfang gehört auch KDE 3.5.9, mit dem Novell die Zeit bis zur Freigabe von KDE 4.1 überbrücken will. Dennoch ist in Opensuse 11 für KDE Version 4 der Standard. Mit Xen 3.2.1 und Virtualbox 1.5.6 sind aktuelle Virtualisierer ebenfalls dabei.

Eine häufig an der 10er-Serie geübte Kritik betraf die träge Paketverwaltung. Zwar hatten die Entwickler in Opensuse 10.3 schon einiges verbessert, in der Release 11.0 krempelten sie die Softwareverwaltung komplett um. Statt der gewohnten XML-Dateien mit den Metadaten für rpm (yum) kommt das neue wörterbuchbasierte Solv-Format zum Einsatz. Das reduziert die Größe des Paketdepots auf rund ein Drittel, was zu spürbar flotterem Verhalten führt. Die Softwareverwaltung erfolgt nun mit dem grafischen zypp und nicht mehr via yum. Weiter integriert es die für diverse Paktverwaltungssysteme verfügbaren Schnittstellen des Packagekit-Projekts. Darüber können Anwendungen abstrahiert auf die Paketverwaltung der Distribution zugreifen. Selbst in YaST sieht die Softwareverwaltung nun deutlich übersichtlicher aus.

Im Bereich Systemsicherheit zeigt Novell, für welche Zielgruppen Opensuse 11.0 ausgelegt ist: für Heimanwender und Entwickler, aber nicht für professionelle Umgebungen. Zwar startet die Firewall automatisch, jedoch bleibt AppArmor standardmäßig ausgeschaltet. Ohne konkrete Hinweise ist es dann schwierig, den Dienst zu starten. Daneben unterminiert die Version 11.0 auch das Root-Konzept von Linux: Jeder neue Benutzer kann administrative Änderungen am System durchführen. Das ist zwar bequem, aber gefährlich.

Zumindest in YaST hat ein überarbeiteter Assistent zur Systemsicherheit Einzug gehalten: Sowohl Dateiberechtigungen als auch Passwortlänge oder automatischer Login lassen sich hier komfortabel anpassen.

Opensuse 11.0 ist eine Linux-Distribution mit aktuellem Softwarestand, bei der oberflächlich das neue KDE besticht. Unter der Haube haben Novell und die Community viel an der Paketverwaltung gearbeitet, was besonders erfahrenen Anwendern entgegenkommt. Leider verliert die Sicherheit etwas gegenüber der Benutzerfreundlichkeit. Mit etwas Handarbeit bietet Opensuse 11.0 dennoch eine sichere Plattform für Arbeit und Multimedia im privaten Umfeld oder für Entwickler.

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