Scharfe Sache
Ob Steakliebhaber oder Veganer – ohne Gewürze kocht keiner. Dass Kräuter und Knollen nicht nur den Geschmack von Speisen und Getränken beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden haben, weiß vielleicht nicht jeder.
- Diane Sieger
Schon seit Urzeiten verwendet der Mensch Gewürze, um den Geschmack seiner Nahrung zu verfeinern. Bereits in neolithischen Gräbern und Höhlen hat man würzende Kräuter und Sämereien gefunden, ebenso bei Ausgrabungen in Asien und insbesondere im Orient, der noch heute für seine leuchtend bunten, scharfen Gewürze berühmt ist.
Das Internet bietet eine gute Ausgangsbasis für die Gewürzsuche, denn hier erfährt der Leser alles rund um die Geschichte der Aromaspender. Beispielsweise ist von den erwähnten Ausgrabungen zu lesen, von der Entwicklung des Im- und Exports von Gewürzwaren im frühzeitlichen Handel sowie von der Bedeutung Alexandrias und Lissabons im Gewürzhandel.
Im späten 15. Jahrhundert haben portugiesische Entdecker die sogenannte „Gewürzroute“, also den Seeweg zwischen Europa und Indien, erschlossen. Von dieser Zeit an konnten auch die Europäer Pfeffer, Nelken, Muskatnuss und Zimt verwenden. Ausführliche Informationen zur Gewürzroute liefert Wikipedia. Dieser Beitrag geht ebenfalls ein wenig auf die Historie des Gewürzhandels ein.
Auch in der Literatur finden Gewürze früh Erwähnung. Schon Tafeln, die Archäologen bei Ausgrabungen im alten Babylonien entdeckten, enthielten Hinweise auf Gewürze; und selbst die Bibel erwähnt wohlriechende Gewürzmittel oft. Die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, in der Kaufleute die Erlebnisse ihrer Handelsreisen schildern, dürfte vielen hinreichend bekannt sein. .
GewĂĽrz ist nicht gleich Mischung
Jeder kann mit Sicherheit spontan einige Gewürze aufzählen – Pfeffer, Chili und Muskat beispielsweise. Wer aber kann sagen, was ein Gewürz überhaupt ausmacht. Der Fachverband der Gewürzindustrie e. V., ein Zusammenschluss von rund 70 Gewürzverarbeitern und -veredlern, hat da eine Antwort parat. Der Verband hält genauestens fest, was ein Gewürz überhaupt ist und wie sich Gewürzmischungen, -präparate und -aromazubereitungen davon abgrenzen.
Wer an Details zu einzelnen Gewürzen interessiert ist, sollte sich auf Gernot Katzers Gewürzseiten umschauen. Auf seiner Website beleuchtet er 117 Gewürzpflanzen von Ajowan bis Zwiebel, inklusive Pflanzennamen in unzähligen Sprachen, sämtlichen Inhaltsstoffen und zahlreichen Fotos lebender Pflanzen und getrocknetem Gewürz. Weiterhin liefert der Autor zu jedem Gewürz eine umfangreiche Linkliste zu weiterführenden Informationen und Kochrezepten. Doch Vorsicht: Wenn man einmal anfängt, sich mit der Website zu befassen, wird es schwer, wieder loszulassen.
Wer nun einige der noch unbekannten Gewürze in der Küche verwenden möchte, sollte einen Blick auf das Webangebot des Gewürzherstellers Ostmann werfen und einfach die Rezeptdatenbank durchklicken. Regelmäßig vorbeizuschauen lohnt sich insofern, als wöchentlich sieben neue Rezepte eingestellt werden.
GewĂĽrze dienen jedoch nicht nur der Geschmacksverbesserung von Speisen. Auch wenn der Liebe ein wenig auf die SprĂĽnge geholfen werden soll, kann man ins GewĂĽrzregal greifen. Denn einige GewĂĽrze wirken durchaus als Aphrodisiaka, unter anderem Muskat, Vanille und Chili. Genaueres zu diesem Thema weiĂź BerlinOnline.de zu berichten.
Vanille peppt Cola auf
Eins der bekanntesten und besonders unter Kuchenbäckern und Puddingschleckern beliebten Gewürze ist Vanille. Der Vanillegeschmack erfreut sich weltweiter Beliebtheit, sodass Softdrink-Riese Coca Cola das Gewürz kurzerhand seinem Verkaufsschlager hinzufügte. Noch heute ist Vanilla Coke in vielen Ländern dieser Erde erhältlich – ein witziger Werbespot aus dem asiatischen Raum ist bei Youtube zu sehen.
Wer’s nicht vanillig, sondern lieber scharf mag, findet Gleichgesinnte im Chiliforum, denn hier lassen sich herrlich Tipps und Tricks rund um die Chili-Schote austauschen. Neben interessanten Erfahrungsberichten zu einzelnen Chili-Sorten gibt es unter anderem ausführliche Informationen zum Eigenanbau – die richtige Adresse für den Chili-Fan. Und letztendlich diskutiert man hier gern über Bhut Jolokia, die schärfste derzeit bekannte Chili-Sorte. Die Schärfe eines Lebensmittels bestimmt der Scoville-Wert, der Verdünnungsgrad, bei dem keine Schärfe mehr festzustellen ist. Dieser liegt bei Bhut Jolokia bei etwa einer Million. Nur wenige Menschen sind überhaupt noch in der Lage, eine derart scharfe Schote zu essen. Um Unterschiede zwischen verschiedenen Arten der schärfsten aller Schoten herauszufinden, hat pepperworld.com mit dem Eigenanbau experimentiert.
Natürlich kann man Gewürze nicht nur küchenfertig im Supermarkt erstehen. Die erste Adresse für besondere Produkte ist der Gewürz-Souk im Stadtteil Deira in Dubai. Dort gibt es alle nur erdenklichen Gewürze und zwar nicht nur im Glas oder in der Pappschachtel, sondern ganz frisch direkt aus dem Leinensack. Selbst wenn man nicht am Kauf der aromatischen Ware interessiert ist, lohnt sich ein Abstecher auf den basarähnlichen Markt, denn allein das Erschnuppern der außergewöhnlichen Gerüche und das Aufsaugen der Atmosphäre sind unbeschreiblich. Einen visuellen Vorgeschmack bieten einige Fotos aus dem Flickr-Set der Norwegerin Grete Howard.
Wem Dubai zu weit ist, der kann sich auch in Hamburg umschauen. Die Speicherstadt in der Hansestadt ist der größte auf Eichenpfählen gegründete Lagerhauskomplex der Welt und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Früher kamen hier auf dem Wasserweg importierte Güter aus aller Herren Länder an, unter anderem Gewürze aus dem Orient. Die Geschichte des Gewürzhandels in Hamburg erzählt das private Gewürzmuseum Spicy’s, das auf einem alten Lagerboden der Speicherstadt zu finden ist. Außerdem finden dort regelmäßig Veranstaltungen rund um das Thema statt, zum Beispiel Seminare mit Kochbuchautoren oder Lesungen mit Suppenausgabe – es lohnt sich also, den Veranstaltungskalender im Auge zu behalten.
Zum Schluss der definitive Beweis, dass Gewürze nicht nur in die Küche gehören: die „Spontane Gewürz Illumination“. Youtube zeigt, was ein Künstler mit einem kleinen Haufen getrocknetem Oregano so alles anzufangen weiß. (ka)