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Knapp ein Jahr nach der Ăśbernahme von Xensource verkĂĽndete Citrix die Fertigstellung seines Xenserver 5.0.0. Etwa 130 Neuerungen rechtfertigen laut Hersteller den Versionssprung.

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Von
  • Dr. Fred Hantelmann
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Citrix Xenserver 5 basiert auf Version 3.2.1 des Open-Source-Hypervisors Xen, bereichert um einige Rückwärtsportierungen aus dem aktuellen Xen 3.3. Die Verwaltungsinstanz (Dom0) entstammt der CentOS-Release 5.2. Als Steuerkonsole dient das proprietäre Werkzeug xe, das mit dem Hypervisor via XenAPI kommuniziert. Für die hostübergreifende Steuerung ganzer Farmen oder Cluster mit Xenserver liefert Citrix den Windows-Client Xencenter mit. Erweiterte Unterstützung aktueller Storage-Produkte und erstmalig verfügbare HA-Funktionen sollen die bisher vom Marktführer VMware beanspruchten Alleinstellungsmerkmale egalisieren.

Sein herausragendes Merkmal besteht laut Citrix darin, dass das Produkt als erste Server-Virtualisierungslösung am Markt einen für Microsoft zertifizierten Hypervisor enthält: Konformität zu deren Server Virtualization Validation Program (SVVP) verleiht dem Kunden das Recht, Microsofts vollständigen Support im Einsatz von Windows Server 2008, 2003 SP2 und 2000 SP4 auf der virtualisierten Hardware in Anspruch zu nehmen.

Steuerpult: Mit xsconsole kann der Administrator hostspezifische Einstellungen vornehmen.

Die Steuerungsinstanz Dom0 hat Citrix um das Kommandozeilen-Verwaltungstool xsconsole ergänzt (siehe Abbildung). Damit kann der Administrator hostspezifische Einstellungen auch ohne Xencenter vornehmen. Performancedaten, also Auslastungsmetriken zu CPU, Speicher, Netz- und Platten-I/O, verwaltet Xenserver nun lokal in sogenannten Round-Robin-Datensätzen (RRDS), sodass die Ressourcennutzung einzelner VMs und Hosts über einen längeren Zeitraum sichtbar ist. Statt der bisher auf die letzten 15 Minuten beschränkten Übersicht kann der Administrator Daten aus einem variablen Zeitintervall abfragen, das zwischen 10 Minuten und einem Jahr lang sein darf.

Wer FC- oder iSCSI-basierte Speichernetze einsetzt, profitiert in Xenserver 5 vom standardmäßig unterstütztem Multipathing. Laut Handbuch unterstützt es ein Load Balancing zwischen den vorhandenen HBAs eines Host. Eine Nachfrage beim Hersteller ergab, dass die neuen Treiber für HBAs von Emulex und Qlogic auch Failover beherrschen.

Neben Netapp-Filern, die unter Ontap 7G laufen, kommt Version 5 auch mit Dells Equalogic-Filern zurecht. Sie stellen jeder VM den Speicher als eigene LUN bereit. Plattenpartitionen des Gasts bildet der Treiber dabei auf „Sparse Files“ ab, deren Größe mit dem tatsächlichen Platzbedarf wächst. Außerdem beherrscht der Filer von Haus aus Snapshots, mit deren Hilfe sich virtuelle Maschinen schnell klonen lassen. Dazu muss der Treiber auf proprietäre Schnittstellen des Speichersystems zurückgreifen.

Physische Netzschnittstellen lassen sich bündeln (NIC-Bonding), sodass in diesem Bereich redundante Hardware für den ausfallsicheren (active/passive) Betrieb konfigurierbar ist. Ergänzend kann man ein Source Level Balancing (SLB) NIC-Bonding einstellen, das in der active/active-Betriebsart den Netzverkehr der VMs auf die Schnittstellen verteilt. Konzeptionell unterscheidet Xenserver nun zwischen internen, externen und gebündelten („bonded“) Netzen. Eine Trennung der virtuellen Hardware in NICs und Switches nimmt die Software nicht vor.

Hochverfügbarkeit (HA) unterstützt Xenserver insoweit, als Gäste in einem Host-Pool „geschützten“ Betrieb erlauben. Voraussetzung dafür ist ein FC- oder iSCSI-Speichernetz, das die virtuellen Platten eines zu schützenden Gasts verwahrt. Ein Heartbeat prüft zyklisch, ob ein geschützer Gast auf seinem angestammten Host arbeitet. Fällt der aus, startet die HA-Schicht den Gast auf einem anderen neu.

Das Aufrüsten vorhandener Xenserver-4.1-Instanzen gelang per Update-Funktion sowohl auf Stand-alone-Servern als auch auf im Pool zusammengefassten Hosts ohne Nebenwirkungen. Auf Letzteren lässt sich das Update zunächst ohne Unterbrechung der Gäste durchführen. Anschließend muss der Administrator aber noch die Xentools der einzelnen Gäste auf den neuen Stand bringen, was einen Neustart der Windows-Gäste erfordert.

Probehalber kamen im Test Solaris 10 und Windows NT 4 zum Zuge. Während Solaris erwartungsgemäß auf Anhieb funktionierte – auf Microsofts Hyper V gab es kürzlich im Test Unverträglichkeiten mit deren Netzwerktreiber [1] –, war die erfolgreiche Installation von NT 4 Workstation und Terminal Server Edition (ohne Service Pack) eine Überraschung – auch für Citrix. Ein Treiber für die emulierte Realtek-Netzwerkkarte 8139 verhalf den Gästen sogar zu Netbios- und TCP/IP-Kommunikation – leider nur auf einem Einprozessor-Board mit Core-2-Prozessor, jedoch nicht auf einer IBM HS21 Blade mit zwei Xeon-CPUs.

Xenserver 5 enthält fast alle Funktionen, die beim Test seines Vorgängers [2] noch auf der Wunschliste standen: Treiber für FC- und iSCSI-HBAs beherrschen Multipathing, Performancedaten verwahrt das System über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren, und HA-Support zählt in der Enterprise-Version zum Lieferumfang. Auch Netzwerkkarten kann der Anwender im Verbund betreiben; wahlweise für balancierten Netzverkehr oder mit dem Ziel der erhöhten Ausfallsicherheit der beteiligten Hardwarekomponenten. Interne Erweiterungen unterstützen außerdem die Replikation von Storage-Repositories, sodass Aufbau und Betrieb von Disaster-Recovery-Sites mit geringem Aufwand gelingen.

Professionellen Anwendern dürfte die besiegelte SVVP-Konformität endgültig die Scheu vor dem Einsatz des Produkts nehmen, da virtuelle Xenserver-Hardware nun eine zertifizierte Plattform für die drei jüngsten Server-Betriebssysteme aus Redmond bildet. Bereits verfügbare Zusatzprodukte von Citrix, namentlich Xendesktop für den zentralen Betrieb virtueller Desktops und der Provisioning Server als Managementsystem für schnellen Server-Rollout, heben das Einsatzpotenzial für Xenserver 5 auf ein zeitgemäßes Niveau.

Xenserver 5 ist wie seine Vorgänger als kostenlose Express-Version erhältlich. Die Standard-Edition ist für 990 US-Dollar zu haben, Enterprise- und Platinum-Version kosten 3300 beziehungsweise 5500 Dollar. Wer die Enterprise-Edition kostenlos testen möchte, findet auf Citrix’ Website (siehe iX>-Link) eine 30 Tage lauffähige Testversion.

Dr. Fred Hantelmann
ist als IT-Architekt bei der Online Systemhaus ES+C GmbH tätig.

[1] Fred Hantelmann; Virtualisierung; Halbrund; Microsofts Virtualisierer Hyper V; iX 8/2008, S. 66

[2] Fred Hantelmann; Xen; Deckmäntel; Kommerzielle Virtualisierer: XenServer und Virtual Iron; iX 6/2008, S. 67

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  • [–] keine virtuelle SCSI-Hardware fĂĽr VM

(mr)