Aus in der bayrischen Provinz
Am 24. Oktober schloss die ITK-Messe Systems endgültig ihre Pforten. Bereits während der laufenden Veranstaltung gab die Messe München offiziell bekannt, dass die Grande Dame der ITK (O-Ton) im kommenden Jahr neuen Events Platz machen muss. Der Zeitpunkt irritierte dabei mehr als das Messe-Aus an sich. Befremdlich wirkt, dass die Marke „Systems“ nach fast 40 Jahren sang- und klanglos aufgegeben wird. Denn für den Herbst 2009 soll eine neue, internationale Kommunikations-, Vertriebs- und Marketingplattform für die ITK-Branche Premiere feiern. Allerdings nannten die Verantwortlichen weder Namen noch erläuterten sie das Veranstaltungsformat. Den Bereich IT-Security löste man schon einmal vorsorglich aus den Systems-Resten heraus. Er soll in Zusammenarbeit mit dem SecuMedia-Verlag im Juni zu einer eigenständigen Messe ausgebaut werden.
Mit dem RĂĽckzug zieht die Messe MĂĽnchen die Konsequenz aus dem kontinuierlichen Aussteller- und Besucherschwund. Auch dieses Jahr musste man sich mit rund 1000 Ausstellern und knapp 40 000 Besuchern begnĂĽgen. Das groĂźe Vorbild CeBIT, das trotz eigener Probleme noch immer eine halbe Million Interessenten anlockt, war unerreichbar.
Vor vier Jahren sprach der damalige Microsoft-Statthalter Jürgen Gallmann von einer Wald- und Wiesenmesse, an der man sich nicht beteiligen müsse. Das war nicht nur unfreundlich; es stimmte zumindest mit Blick auf die historischen Wurzeln auch nicht. Beispielsweise nutzte Siemens gerne die Messe vor der Haustür, um Neuerungen zu präsentieren. So stellte man 1983 dort das erste Sinix-System vor (den 9780). Und es war die Systems, die anfangs kleineren Herstellern, Vertriebsgesellschaften US-amerikanischer Anbieter oder der zart wachsenden Softwarebranche ein Forum bot.
Die CeBIT, von der Industriemesse in Halle 1 etabliert, hatte nämlich keinen Platz für diese Klientel. Die mächtigen Industrieverbände VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) gaben damals sogar die Losung aus, dass die deutsche Computerindustrie nur in Hannover vertreten sein dürfe. In Folge entwickelte sich die Systems im Zwei-Jahres-Rhythmus zur Alternativmesse mit einem umfangreichen Kongressprogramm. Leider verschwamm mit den Jahren der ursprüngliche Fokus. Und nach dem Aus der zwischenzeitlich ins Leben gerufenen Systec, die in den Systems-freien Jahren die CAD/CAM- und CIM-Experten zusammenführte, gab es ab 1995 mit der jährlichen Systems die „kleinere CeBIT“ mit regionalem Charakter.
Wie die Messe München die selbst verursachte Lücke schließen will und ob das neue Konzept ausreichend Überzeugungskraft für Aussteller und Besucher besitzt, bleibt abzuwarten. Denn der Bedarf an einer Veranstaltung neben der CeBIT ist durchaus gegeben, wie Stellungnahmen vornehmlich aus dem Mittelstand erkennen lassen. Und andere Messegesellschaften in Stuttgart, Köln&Co. werden sich gerne als Alternative andienen. (ole)