Vielliebchen

Ob mit rosa Herzchen oder mit Vorhangschlössern, begangen wird der Valentinstag weltweit. Romantiker feiern ihn hierzulande als Tag der Verliebten, prosaischere Menschen verstehen ihn als Finanzspritze für den Blumenhandel.

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Von
  • Diane Sieger

Der Februar ist der Monat der Liebe – die Gelegenheit, der oder dem Liebsten mal wieder zu zeigen, wie intensiv die Gefühle sind. Pralinen in rosa Herzchen-Verpackung, eine leuchtend rote Valentinskarte, duftende Rosen und ein romantisches Abendessen zu zweit im Kerzenschein – schöner kann es wohl kaum sein.

„Alles Quatsch“, sagen die Gegner der zwanghaft auferlegten Zweisamkeit. Der Valentinstag sei lediglich eine Erfindung des Blumenhandels, um im umsatzschwachen Februar die Verkaufszahlen anzukurbeln.

Ganz so ist es wohl nicht, denn die Christen haben schon vor langer Zeit am 14. Februar des heiligen Valentins gedacht, bei dem es sich entweder um einen römischen Priester oder um den Bischof von Terni handelte. Um die Verwirrung perfekt zu machen, verschwand mit der Reform des römischen Generalkalenders 1970 eben dieser Heilige aus dem christlichen Kalender – immerhin ist die Geschichtslage um den Herrn so verworren, dass niemand mehr genau sagen konnte, wer da genau aus welchen Gründen verehrt wird.

Stattdessen gedenkt man nun am 7. Januar des Schutzheiligen der Epilepsie, Bischof Valentin von Rätien. Doch damit ist das Chaos noch nicht beendet. Es warten durchaus weiter gehende Details auf den begierigen Leser. Welcher der drei dort genannten Valentins verantwortlich für die Entstehung des Valentinstags ist, spielt keine Rolle, bemerkenswert ist jedoch, dass es sich beim Tag der Liebe nicht um eine Erfindung des Blumenhandels handelt.

Wer sich die Preisentwicklung roter Rosen um den 14. Februar herum anschaut, kann jedoch tatsächlich auf die Idee kommen, dass der Valentinstag eine Idee von Fleurop war. Besonders der Versand eines Straußes ins Ausland belastet den Geldbeutel heftig. Lieferungen in die USA können bei Preisen von bis zu über fünf Euro pro Rose mit enormen Kosten zu Buche schlagen, wie ein Blumenhändler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtete.

Auf internationaler Ebene unterscheiden sich die Bräuche zum Valentinstag immens. Die eben genannten Amerikaner, die ohne mit der Wimper zu zucken bereit sind, mehr als fünf Euro für eine einzelne Rose auszugeben, verschenken beispielsweise ebenso gern kleine herzförmige Bonbons, auf denen Liebesbotschaften stehen. Jedes Jahr denkt sich Hersteller NECCO neue Sprüche für seine Sweethearts Conversation Hearts aus; das Archiv der letzten Jahre ist einsehbar.

Wie verwirrend lokale Gepflogenheiten auf Menschen anderer Nationalität wirken können, zeigt der (englischsprachige) Bericht einer junge Chinesin, die ihren ersten Valentinstag in den Vereinigten Staaten erlebt. Dort machen sich nicht nur Verliebte untereinander Geschenke, sondern man denkt unter anderem auch an Freunde, Verwandte oder Mitschüler. Völlig überrascht, aber auch glücklich ist Shelly, dass viele Leute an sie denken und ihre Freundschaft bekunden, andererseits aber fühlt sie sich verpflichtet, Gegengeschenke zu machen.

Wem ein „Be my hero“ oder „Melt my heart“ auf pastellfarbenen Herzchen in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Weintraube oder Wintergrün suspekt erscheinen, kann vielleicht ein wenig mehr mit dem italienischen Valentinstagsbrauch anfangen. Verliebte pilgern in Rom zur Tiberbrücke Ponte Milvio, um dort ihre Namen auf ein Vorhängeschloss zu schreiben, das sie an einem Lampenmast befestigen und dessen Schlüssel sie in den Fluss werfen. Dies allerdings zum Ärger des Bürgermeisters, der im Jahre 2007 versucht hat, den noch recht jungen Brauch zu unterbinden. Wer noch nicht dort war, um sich den Mast anzuschauen, kann dies auf Fotos im Flickr-Account von Zingaro tun.

Strikte Geschlechtertrennung, wenn es um Valentinstagsbräuche geht, herrscht in Japan. Am 14. Februar schenken die Frauen den Männern Schokolade und gestehen ihnen ihre Liebe. Erst einen Monat später bekommen auch die Frauen Geschenke vom anderen Geschlecht. Am 14. März dreht es sich ebenfalls hauptsächlich um Schokolade, diesmal jedoch um weiße, was dem Tag seinen Namen als „White Day“ einbrachte.

In China wird der Valentinstag nicht mehr groß gefeiert. Wegen seiner lokalen romantischen Ursprungsgeschichte, die von der Liebe zwischen einer Weberin und einem Kuhhirten handelt, ist das Qixi-Fest jedoch ein romantischer Tag im Herzen der Chinesen geblieben. Die tragische Erzählung über das junge Paar, in der ein Ochse die Rolle des Trauzeugen spielt, ist nachzulesen auf den internationalen Webseiten von Radio China.

Doch nicht überall sind ausschließlich Romantik und Geschenke mit dem Valentinstag verbunden. In Saudi-Arabien beispielswWhite versucht die Religionspolizei, die aus westlichen Ländern Einzug haltenden Gebräuche zum Valentinstag zu unterbinden. Die staatliche Tugend-Kommission hat beschlossen, dass sie außereheliche Beziehungen fördern, und untersagte Tanz, Lieder und Spiele, die im Zusammenhang mit dem Valentinstag stehen könnten. Allerdings lassen sich die Fans des westlichen Romantik-Tags nicht beirren; sie verabreden sich an sicheren Orten oder flüchten ins liberalere Bahrain. Nachzulesen in der Welt in einem Artikel zum letztjährigen Valentinstag.

Eine besondere Idee für den Versand der Valentinstagskarten hatte die amerikanische Gemeinde Loveland im Jahre 1946. Verliebte können ihre Karten an den Postmaster der Stadt schicken und der oder die Angebetete bekommt die Karte handgestempelt und mit einem Valentinstagsvers versehen per Post zurückgeschickt. Beispiele für die Stempel und Gedichte sind reichlich vorhanden. Natürlich gilt das Angebot inzwischen auch für den Versand elektronischer Grußkarten.

Immer noch nicht in romantischer Stimmung? Wie wär’s mit einem kleinen Valentinstagsspiel? Da wäre zum Beispiel ein Liebesmemory mit Kätzchen, Disney-Figuren und kitschigen Bärchen. Wer es lieber strategisch mag, kann sich im Herzenverbinden versuchen. Nun gilt es nur noch, die passende Karte auszuwählen, Pralinenherzen zu kaufen und den Tisch fürs Candle-Light-Dinner zu bestellen. Happy Valentine’s Day. (ka)