In der Fankurve
Fußballspieler und Rockstars haben einiges gemeinsam: Ihr Hairstyle ist in manchen Kreisen ebenso von Interesse wie ihr Privatleben. Außerdem können ihre Fans sie häufig in den großen Stadien dieser Welt bewundern.
- Kai König
Bisherige Ausgaben der Internet-Infos haben sich bereits mehrfach mit Themen beschäftigt, die man mit dem heutigen Schwerpunkt in einen lockeren Zusammenhang bringen kann. Fußballspiele finden oftmals in Stadien statt – genauso wie die Wettbewerbe während der Olympischen Spiele oder Rockkonzerte. Diesmal geht es aber um den Ort des Geschehens selbst – das Stadion, häufig auch als Arena bezeichnet.
Hört man sich im Bekannten- und Freundeskreis um, stellt man in der Regel fest, dass fast jeder schon einmal in einem Stadion war – wenn auch nicht zwangsläufig bei einem sportlichen Wettkampf, dem ursprünglichen Zweck der Anlage. Viele haben dort stattdessen ein Konzert oder eine andere Massenveranstaltung besucht.
Konzerte in Stadien gibt es noch nicht so lange, wie man vielleicht erwarten würde. Diese Art der Events hat sich erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus den bürgerlichen Tanzveranstaltungen für junge Erwachsene entwickelt. Das erste dokumentierte Rockkonzert in einem Stadion fand am 15. August 1965 im Shea Stadium statt, als die Beatles während ihrer Welttournee Halt in New York machten und über 55 000 Zuschauer das Konzert besuchten. Die Konzertveranstalter produzierten damals einen Film mit dem Titel „The Beatles At Shea Stadium“ – Ausschnitte davon liefert eine Suche auf YouTube.
Der Begriff Stadion leitet sich von einem altgriechischen Längenmaß ab. Ein Stadion entsprach 600 podes (Fuß), je nach verwendeten Maßeinheiten und der jeweiligen Region im alten Griechenland kommt ein Stadion einer Distanz von ungefähr 160 bis 190 Metern gleich. Die Verwendung des Wortes Stadion als Sportstätte ist letztlich auf die Distanz von 600 podes als beliebte Strecke für sportliche Wettkämpfe zurückzuführen. Damit Zuschauer eine gute Sicht auf die Athleten hatten, entstanden entlang der Stadion-Distanz Tribünen, und die Sportstätte war geboren.
Der Fuß gab den Ausschlag
Interessant ist die heutige Verwendung des Begriffs. Zumindest in Deutschland scheint die Mehrheit mit einem Stadium ein Fußballspiel zu assoziieren. Dabei ist nicht einmal jedes Stadion, in dem Profi-Fußball gespielt wird, ein echtes Fußballstadion, das in der Regel keine Leichtathletik-Einrichtungen wie Laufbahn, Hochsprung-Anlage et cetera hat. Dies spiegelt sich auch in der zugrunde liegenden Architektur wider – Fußballstadien haben oft einen rechteckigen Grundriss. Mehrzweckstadien hingegen weisen aufgrund der Laufbahn vielfach eine ovale Form auf.
Für Fußballfans ist sicherlich ein Stadionführer lesenswert. Sie bietet Informationen zu Ligen weltweit sowie Vereinen und ihren Kadern. Um eine Seite mit Hintergrundwissen zum Themenfeld Stadien und Arenen handelt es sich beim nach eigener Aussage größtes Stadionportal der Welt. Nicht alle Seiten des Portals sind kostenlos zugänglich, aber unter dem freien Content gibt es spannende Essays zu Großereignissen wie Fußball-Weltmeisterschaften. Unter anderem findet man dort einen Text zu potenziellen Austragungsorten der Fußball-WM 2018 – mit einem Blick auf Stadionoptionen in verschiedenen Ländern. Hier erfährt man beispielsweise, dass eine gemeinsame Vergabe der WM 2018 an Australien und Neuseeland unter anderem deswegen unwahrscheinlich ist, weil beide Länder verschiedenen Fußballverbänden angehören.
Ein Ort zum Ja-Sagen
Im Zuge der Kommerzialisierung des Sports hat sich eine weitere Nutzung von Stadien etabliert – hartgesottene Fans können nun auch in ihrer Kultstätte heiraten. Die Veltins-Arena in Gelsenkirchen bietet neben der Hochzeit verschiedene Optionen für Empfänge und komplette Feiern, Torwandschießen inbegriffen.
Heutzutage werden immer mehr Stadien nach bekannten Marken benannt: Die Stadionbesitzer verkauften die Namensrechte häufig an Sponsoren, Gleiches gilt für Neubauten von Stadien mit dem wohl aktuellsten Beispiel der Allianz-Arena in München.
Diese ist mit ihren maximal 69 000 Zuschauern zwar ein sehr großes Stadion, aber bei Weitem noch nicht das größte in Deutschland oder gar weltweit. Diese Titel werden vom Berliner Olympiastadion mit einem Fassungsvermögen von 74 000 Zuschauern sowie vom Stadion des 1. Mai in Pjöngjang in Nordkorea mit rund 150 000 Zuschauern gehalten – Letzteres liegt damit weit vor bei Fans so bekannten Stadien wie Bernabéu oder Maracanã, in denen nur knapp unter 100 000 Zuschauer Platz finden. In Deutschland gibt es vier Anlagen, die mehr als 60 000 Personen fassen und damit in den Bereich der Großstadien fallen. Neben den beiden genannten sind das der Signal Iduna Park in Dortmund sowie das alte Münchner Olympiastadion.
Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles, sondern auch Gestaltung, Schönheit und Vielfältigkeit eines Stadions zählen. Der Entwurf eines solchen Baus kann sicherlich als einer der Höhepunkte einer erfolgreichen Architektenkarriere gelten. So wundert es nicht, dass sich weltweit Architekturfirmen auf neue Stadionprojekte stürzen und Architekten wie der Australier Philip Cox Stadien als „Kathedralen des 21. Jahrhunderts“ bezeichnen. Das neue Lansdowne Road Stadium in Dublin ist ein Beispiel für einen dieser neuen und imposanten Bauten.
In einer Liste aller Stadien der Fußball-WM 2006 finden sich auch detaillierte Informationen zu jedem Stadion beziehungsweise dem für die Ausrichtung der Fußball-WM vorausgegangenen Um-/Ausbau-Projekt. Die Seite zum Olympiastadion in Berlin beschreibt dazu noch einige historische Begebenheiten, die sich während des Baus zu Zeiten des Nazi-Regimes zugetragen haben.
Wenn große Menschenmengen aufeinandertreffen, bleiben leider Katastrophen nicht immer aus. Die sicherlich am nachhaltigsten in Erinnerung gebliebene ist das Unglück im Brüsseler Heysel-Stadion, bei dem 39 Menschen starben und nahezu 500 teilweise schwer verletzt wurden. Rivalisierende Fans trafen in einem neutralen Fanblock aufeinander, der grundlegende Sicherheitsanforderungen vermissen ließ.
Unter reinen Fußball-Gesichtspunkten gibt es natürlich auch Glanzlichter unter den Stadien. Die FIFA hat in ihrem deutschsprachigen Webangebot einen Bereich mit historischen Bauten, der nicht nur für Fußballfans empfehlenswert ist.
Weitere Anregungen von Lesern:
Ergänzung seitens des Autors
Dies ist nur eine kurze Ergänzung seitens des Autors: Die angesprochenen Kapazitäten der deutschen Stadien beziehen sich (leider ohne das ausdrücklich zu erwähnen) auf die Anzahl der Sitzplätze. Berücksichtigt man auch die Anzahl der Stehplätze, so ist die Signal Iduna Area das größte Stadion in Deutschland und die Arena auf Schalke schafft es in die Gruppe der Stadien mit einem Fassungsvermögen von mehr als 60000 Zuschauern. Vielen Dank an Lukas Stark für den Hinweis.
DSF-Dokumentation zum Thema Groundhopping
Da es hier um Fussballstadien geht, ist ein kleiner Verweis zum Thema "Groundhopping" ganz angebracht. Die Reportage vom DSF gibt ein ganz guten Einblick in die Groundhopper-Szene.
Zugeschickt von: Luki
www.europlan-online.de - DIE deutsche Groundhopping-Page
Seit 1993 ist die Szene der deutschen Groundhopper organisiert. In der "Vereinigung der Groundhopper Deutschlands" (V.d.G.D.), einem losen, aber dennoch sehr gefestigten Zusammenschluss vieler Gleichgesinnter, hat sich seither viel bewegt. 75 Mitglieder umfasst die gegenwärtige Kartei. Die Dunkelziffer aller deutschen Groundhopper beträgt ein Vielfaches.
Zugeschickt von: Lutz
(ka)