Innovationsanzeiger der EU-Kommission bewertet Europa

Der Innovationsanzeiger 2001 misst die Innovationsfreude und Wettbewerbsfähigkeit der EU-Staaten, auch im Vergleich zu den USA und Japan.

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  • Karsten Violka

Die Stärken und Schwächen im Innovationspotenzial der Europäischen Union analysiert der europäische Innovationsanzeiger 2001, den die Europäische Kommission am gestrigen Montag veröffentlicht hat. Danach haben alle Mitgliedstaaten Fortschritte verzeichnet, einige sind sogar auf bestimmten Gebieten Weltklasse. Die EU bleibt insgesamt immer noch hinter den Vereinigten Staaten und Japan zurück. Besonders auffällig sind die relativ niedrigen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Rückstand bei Hochtechnologie-Patenten.

Der Europäischen Rat von Lissabon gab den europäischen Innovationsanzeiger im März 2000 in Auftrag, mit dem Ziel, die EU innerhalb des nächsten Jahrzehnts zur "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt" zu machen. Die Fähigkeit der Mitgliedstaaten, innovative Unternehmen zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft durch Forschung und Entwicklung zu verbessern, misst der Innovationsanzeiger anhand von 17 Indikatoren. Zu den untersuchten Aspekten des Innovationsprozesses gehören unter anderem die Verfügbarkeit von Menschen mit entsprechenden Fachkenntnissen, Angaben über Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben und Patentanmeldungen, Innovationen in Unternehmen und die Versorgung mit Risikokapital für Hochtechnologie.

Bei der Vorstellung des Anzeigers sagte Erkki Liikanen, der für Unternehmenspolitik und die Informationsgesellschaft zuständige EU-Kommissar: "Anhand dieses Anzeigers können politische Entscheidungsträger und Meinungsbildner in ihrem Mitgliedstaat die Bedeutung der Innovation deutlich machen und die Schaffung einer Kultur der Innovation effizienter planen." In seiner Rede stellte er weitere Ergebnisse der Studie vor, die die weltweite Führungsrolle einiger EU-Länder belegen: England, Irland und Frankreich haben pro Einwohner die meisten Absolventen von Ingenieurs-Studiengängen. Die Niederlande und Schweden liegen bei der Zahl der privaten Internet-Zugänge an der Spitze. In Finnland und Schweden ist die öffentlich finanzierte Forschung und Entwicklung weltweit führend, freut sich der EU-Kommissar.

Die Gesamtinnovationsleistung der Union nimmt zu, wie der Trend der Indikatoren zeigt. Länder wie Finnland und Dänemark verzeichnen weitere Fortschritte. Griechenland und Spanien holen rasch auf und nähern sich dem EU-Durchschnitt, sie gehen allerdings von einem relativ niedrigen Niveau aus. Die drei größten Volkswirtschaften der EU (Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich) legen zu, aber weniger stark als der EU-Durchschnitt. Insgesamt scheint sich jedoch die Kluft zwischen den leistungsstärksten und den leistungsschwächsten Mitgliedstaaten weiter zu vergrößern. Positiv falle auf, dass bei den meisten Indikatoren, für die vergleichbare Daten vorliegen, mindestens einer der Mitgliedstaaten die Vereinigten Staaten und Japan übertrifft, berichtet die EU-Kommission.

Neben den Werten, die die einzelnen Indikatoren in den Mitgliedstaaten aufweisen, enthält der Anzeiger auch eine aus allen Indikatoren berechnete Kennzahl für jedes Land, den zusammenfassenden Innovationsindex. Dieser bewegt sich zwischen +10, wenn alle Indikatoren über dem Durchschnitt liegen, und –10, wenn alle Indikatoren unter dem Durchschnitt bleiben. Schweden führt mit einem zusammenfassenden Innovationsindex von +6,5.

Für zehn Indikatoren liegen genügend Daten vor, die den Trend in den vergangenen vier bis sechs Jahren erkennen lassen. Diese Indikatoren zeigen im Durchschnitt eine Verbesserung um etwa 30 Prozent. Drei Indikatoren weisen jedoch einen Rückgang für die EU als Ganzes auf: öffentliche F&E-Aufwendungen, F&E-Aufwendungen der Wirtschaft und Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Hochtechnologiesektoren.

Ein Vergleich zwischen den aktuellen Leistungen der EU und denen der Vereinigten Staaten zeigt, dass die Vereinigten Staaten die EU vor allem bei der Forschung und Entwicklung in den Unternehmen, den Hochtechnologiepatenten, den Quellen für neues Kapital und dem Anteil der Arbeitskräfte mit Hochschulbildung übertreffen. Die EU liegt nur bei der Anzahl neuer Absolventen von naturwissenschaftlichen und technischen Studien vorne.

Japan ist der EU im Bereich der Forschung und Entwicklung in den Unternehmen klar überlegen (das Niveu ist etwa doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt); auch die Anzahl der neuen Absolventen naturwissenschaftlicher und technischer Studiengänge sowie der Anteil der Arbeitskräfte mit Hochschulbildung ist in Japan etwas höher. Die EU übertrifft Japan bei den öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie bei den Aufwendungen für Ausrüstungen und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnologie.

Der europäische Innovationsanzeiger soll künftig jährlich aktualisiert und veröffentlicht werden. (kav)