Deutschland wandelt sich zur Informationsgesellschaft
Deutschland befindet sich nach Beobachtung der Statistiker in einem rasanten Wandel von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft.
Deutschland befindet sich nach Beobachtung der Statistiker in einem rasanten Wandel von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft. Während die Zahl der einschlägigen Unternehmen und deren Investitionen in den vergangenen Jahren kräftig stiegen, wird es voraussichtlich noch für viele Jahre einen gravierenden Fachkräftemangel geben, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Donnerstag bei der Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs in Berlin.
Von 1994 bis 1999 ist die Zahl der Unternehmen des Informations- und Kommunikationssektors um fast 25 Prozent gestiegen, während die Gesamtzahl der Unternehmen lediglich um acht Prozent wuchs. Noch stärker stieg der Umsatz. 1994 erzielten die Unternehmen nach Angaben der Statistiker einen Erlös von 574 Milliarden Mark (293,48 Milliarden Euro). 1999 waren es 913 Milliarden Mark. Dies entspricht einem Plus von fast 59 Prozent, während das Umsatzwachstum aller Unternehmen bei 16,5 Prozent lag. 1999 entfielen mit 9,7 Milliarden Mark bereits zehn Prozent aller Investitionen des verarbeitenden Gewerbes auf den Informations- und Kommunikationssektor, 34 Prozent mehr als 1995.
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 15 Millionen digitale Datenverarbeitungsgeräte produziert, doppelt so viele wie 1995. Die Zahl der tragbaren Geräte (wie Laptops) stieg in diesem Zeitraum laut Hahlen um mehr als 300 Prozent auf rund drei Millionen Stück. Inzwischen hat nahezu jeder zweite private Haushalt einen PC. 1993 waren es erst 21 Prozent. 1998 hatte erst jeder zehnte Haushalt ein Handy oder Autotelefon, Anfang 2000 war es schon jeder dritte. Auch die Nutzung von Internet und Online-Diensten stieg kräftig. Hatten 1998 nur sieben Prozent der Haushalte Zugang zu diesen Angeboten, waren es 2000 schon 16 Prozent. Im Unterschied dazu wurden Geräte und Dienstleistungen immer billiger. Zwischen 1995 und 2000 fiel der Preisindex für Telekommunikationsdienstleistungen um etwa 20 Prozent. Im gleichen Zeitraum lag die Inflationsrate bei 6,9 Prozent.
Nach Ergebnissen des Mikrozensus arbeiteten im Mai 2000 gut 2,3 Millionen oder 6,4 Prozent der 36,6 Millionen Erwerbspersonen im Informations- und Kommunikationssektor, knapp 14 Prozent mehr als fünf Jahre davor. Der stärkste Impuls ging von den Softwarehäusern aus. Im Mai 2000 beschäftigten sie 232 000 Personen und damit 280 Prozent mehr als 1995. Der Bereich leidet nach Feststellung Hahlens aber nach wie vor an einem gravierenden Fachkräftemangel. Von 1995 bis 2000 fiel die Zahl der Hochschulabsolventen im Fach Informatik von 6600 um 12 Prozent auf 5800. Dies wird sich nach Beobachtung der Statistiker erst in einigen Jahren ändern. In den beiden vergangenen Studienjahren kletterte die Zahl der Erstsemester im Bereich Informatik um 31 beziehungsweise 43 Prozent auf zuletzt 27 200 im Jahr 2000. (dpa) / (wst)