Japanische Konzerne wollen gemeinsame Digital-TV-Basis schaffen

Mit dem Set-Top-Konzept "ep" (e-platform) wollen sechs groĂźe japanische Elektronikkonzerne dem digitalen Fernsehen zum Durchbruch verhelfen.

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Mit dem Set-Top-Konzept "ep" (e-platform) wollen Hitachi, JVC, Matsushita, Sanyo, Sharp und Toshiba dem bislang in der Konsumentengunst eher glĂĽcklosen digitalen Fernsehen zum Durchbruch verhelfen. Passend dazu soll die neu gegrĂĽndete Firma ep Corp. Datendienste anbieten, mit denen die groĂźen Sechs das Pantoffelkino sozusagen zur Informationszentrale eines jeden Haushalts machen wollen.

Nachdem das digitale Fernsehen sich bisher weltweit längst nicht in dem Maße durchsetzen konnte, wie die Hersteller der entsprechenden Technik es sich gewünscht hätten, haben Marktforscher offenbar mangelnde Standardisierung als mögliches Kaufhindernis ausfindig gemacht. Die japanischen Elektronikgiganten wollen der mutmaßlichen Käuferverwirrung nun mit einer klaren gemeinsamen Strategie begegnen: Das auf der Ceatec Consumer Show in Japan Anfang Oktober vorgestellte Konzept soll Digital-TV, Internetzugang und Datenspeicherung (mit Hilfe einer in die Set-Top-Box integrierten Festplatte) kombinieren.

Bei JVC klingt das Ganze fast schon wie eine Kampfansage an die PC-Industrie. Man wolle dem Fernsehen seine angestammten Rechte innerhalb des Heims wieder verschaffen, so Toshiki Yasuda vom Planungsstab für den Geschäftsbereich digitales Fernsehen.

Allerdings scheint nicht jeder Bewohner der Chefetagen bei den beteiligten Unternehmen die Vision mit gleicher Begeisterung mitzutragen. Auf diese Weise umgibt eine Sphäre der Unsicherheit das ep-Konzept."Hersteller von Unterhaltungselektronik wissen heutzutage nicht, was für Systeme sie im Heimsegment überhaupt entwerfen sollen", so Hisahi Yamada, ein leitender Techniker bei dem mit Digitalfernsehen befassten Toshiba-Zweig.

Vielleicht ist diese Unsicherheit der allgemeinen Einschätzung zumindest in Japan einer der Gründe dafür, dass auf der genannten Unterhaltungselektronikmesse zahlreiche Hybridprodukte zu sehen waren, die Leistungsmerkmale bereits bestehender Boxen miteinander verbinden. Darunter fanden sich etwa ein DVD-R/RAM-Aufnahmegerät in Verbindung mit einem Festplattenlaufwerk, ein DVD-Player mit Harddisk und Internet-Anschluss sowie ein Satellitenreceiver mit Festplatte und Videorecorderfunktion. Als größtes Unikum darf wohl ein ebenfalls gezeigter Vielzweckfernseher mit Flüssigkristallbildschirm und eingebauter Festplatte gelten, der DVDs abspielen kann und das Surfen im Internet erlaubt.

Dabei bieten all diese Lösungen nichts grundlegend Neues; unter den Gehäusen finden sich überwiegend Komponenten aus dem PC-Bereich. Was jedoch die Einheitlichkeit angeht, so konnte man bislang nicht einmal bei verschiedenen Geräten aus dem gleichen Hause auf das Durchhalten von Standards setzen – weder in puncto Betriebssystem noch in Bezug auf Programmierschnittstellen oder die Nutzung bereits vorhandener Software. Die Linie der Insellösungen zieht sich weiter und berührt die eingesetzten Prozessoren ebenso wie die zu verarbeitenden Dienste und Anwendungen sowie die Art und Weise, wie das betreffende Gerät sie verarbeitet.

Das ep-Konzept soll zumindest einige, wenn schon nicht alle dieser Inkompatibilitäten zunächst für den japanischen Markt vermeiden helfen. Eine klare Hardwarespezifikation namens eSTB ("ep Set-Top Boxes") legt die wichtigsten Eckdaten in Bezug auf Dateisysteme, Programmierschnittstellen und Speicherverwaltung innerhalb bestimmter Systemumgebungen fest. Danach sehen die Mindestanforderungen die Integration von zwei digitalen Satellitenempfängern, einer 40-GByte-Festplatte (mit einem mindestens 20 GByte großen reservierten Bereich für ep-Dienste) sowie einer Internet-Anbindung vor. Abgesehen vom Empfang gängiger Satellitenprogramme soll ep auch die Verarbeitung interaktiver Datendienste und Anwendungen erlauben, die mit der in Japan entwickelten Broadcast Markup Language entwickelt werden.

Das vielleicht größte Marktpotential könnte in der Vermarktung von Inhalten bestehen, die private Service Provider über die ep Corp. an die Haushalte ausstrahlen lassen. Die Boxen sollen das betreffende Datenmaterial in dem dafür bestimmten räumlichen Umkreis automatisch auf ihre Festplatten herunterladen. Für die freie Verwendung durch die Nutzer, also das Anschauen, Aufnehmen und Wiederabspielen von Inhalten ist ein sogenannter Userbereich auf der jeweiligen Harddisk vorgesehen. Ein Druck auf den "ep"-Knopf soll passendes Datenmaterial anzeigen, das im "Providerbereich" gespeichert ist. Von einer Auslagerungsmöglichkeit aufgenommener Daten auf Wechselmedien sagt die ep-Spezifikation nichts.

Die neu gegründete Broadcast-Firma soll ihre Dienste in Japan ab Frühjahr des kommenden Jahres anbieten. Die Finanzierung soll über Entgelte von Nutzern ebenso wie über Gebühren erfolgen, die Service Provider für die Nutzung der Plattform zahlen müssen. Ein Grundgerät, so die ep Corp., soll für Endverbraucher zu Preisen um 835 US-Dollar zur Verfügung stehen. Die kooperierenden Konzerne rechnen damit, dass sie innerhalb der ersten 18 Monate rund eine Million Geräte verkaufen. (psz)