Paderborner Forscher vermelden Glasfaser-Weltrekord

Wissenschaftler der Universität Paderborn wollen einen praxistauglichen Weg gefunden haben, die Übertragungskapazität von Glasfasern zu verdoppeln.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Wissenschaftler der Universität Paderborn wollen einen Weg gefunden haben, die Übertragungskapazität von Glasfasern zu verdoppeln. Auf der Europäischen Tagung über Optische Nachrichtentechnik (ECOC) in Amsterdam berichtete ein Forscherteam um Prof. Reinhold Noé, dass es ihnen als Ergebnis einer Verbesserung der so genannten Polarisationsmultiplex-Technik jetzt gelungen ist, Datenraten von bis zu 80 GBit/s über einen 212 Kilometer langen Lichtwellenleiter zu übertragen. Nach Meinung der Wissenschaftler ist die weiterentwickelte Technik schon praxistauglich und lässt sich auch mit vorhandenen Glasfaserkabeln einsetzen.

Bei der Polarisationsmultiplex-Technik werden zwei mit Daten modulierte Lichtsignale gesendet, deren Polarisationsrichtungen senkrecht aufeinander stehen. Da sich die Polarisationsrichtungen der Lichtsignale bis zum Ende der Übertragungsstrecke aber ändern, benötigt der Empfänger zum Trennen der beiden Signale eine Polarisationsregeleinrichtung. Darüber hinaus gibt es geringfügige Unterschiede der Signallaufzeit auf der Glasfaser für verschiedene Polarisationsrichtungen der Lichtwellen. Diese so genannte Polarisationsdispersion verbreitert die übertragenen Impulse und begrenzt so die maximal zulässige Datenrate.

Prof. Noé und seiner Arbeitsgruppe ist es gelungen, ein Polarisationsmultiplex-Datenübertragungssystem aufzubauen, das einen automatischen optischen Kompensator für diese Polarisationsdispersion einschließt. Im Versuch übertrug das realisierte System Daten zweier Polarisationskanäle mit je 40 GBit/s über einen Lichtwellenleiter von 212 km Länge – wesentlich weiter als dies sonst möglich gewesen wäre. Die Weiterentwicklung besitzt zudem eine Regeleinrichtung, die selbst größte Polarisationsänderungen, wie sie auf sehr langen Übertragungsstrecken auftreten, unterbrechungsfrei nachverfolgt.

Die im Versuch verwendeten sensitiven Messeinrichtungen für auftretende Verzerrungen aus der Paderborner Hightech-Schmiede konnten Impulsverbreiterungen von nur 84 Femtosekunden (0,000.000.000.000.084 Sekunden) entdecken – nach Ansicht von Prof. Noé und seinen Kollegen ein neuer Weltrekord. (pmz)