Ă–ffentlicher Kampf gegen Raubkopien in China

Das Reich der Mitte zelebriert die Massenvernichtung von Raubkopien in einem groĂźen Medienereignis.

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"Made in China" – diese Prägung steht eher für billige Kopien urheberrechtlicher Stücke oder Marken als für Qualität. Nach Berichten von AP will der chinesische Staatsapparat jedoch den schändlichen Ruf des bevölkerungsreichsten Landes der Welt als das größte Raubkopiererland des Globus mit aufwendigen Inszenierungen loswerden. Diese werden alle paar Monate groß präsentiert, doch diesmal will man anscheinend einen besonders guten Eindruck machen, da der Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation WTO im November vor der Haustür steht.

Das Spektakel kann man sich in etwa so vorstellen: Vor dem Ping-Pong-Pavillon des Zhuhai-Stadions stehen hunderte stolzer Zollbeamter zu fröhlicher Marschmusik stramm, um 15 industrielle Häckselmaschinen zu bewachen, die unter großem Hallo Kleinholz aus vielen Millionen gefälschter CDs und DVDs machen. Über dieser Szenerie schweben riesige Ballons, das Mittagsfernsehen berichtet auf allen Kanälen live von der Massenvernichtung. Viele Chinesen fühlen sich an die Propagandaveranstaltungen zu Zeiten des "großen Vorsitzenden" Mao erinnert. Journalisten wurden aus allen Teilen des Reiches eingeflogen, frei verköstigt und untergebracht, damit sich die Kunde vom Krieg gegen die Kopierer auch in die letzten Käffer herumspricht. Dem Publikum gefällt die Vorstellung, bei der im Grunde nur mit viel Trara Dinge zerstört werden.

Die Fälschungen sind im Reich der Mitte nicht nur ein digitales Problem: Markenschwindel ist dort sehr beliebt. Von Uhren und Elektronik über Kleidung bis hin zu gefälschtem Markenreis und Soyasaucen reicht das Spektrum. Alle Arten von kopierter Ware werden mit teils raffinierten Konstruktionen über die Grenzen geschmuggelt; die Kiste mit dem doppelten Boden ist da nur die Standardausführung. Das Schreddern ganzer Lastwagenladungen voller Plastikscheiben soll ein deutliches Signal in Richtung der westlichen Medienindustrie setzen, die schon lange fürchtet, dass die Raubkopierer aus Fernost ernsthaft die Geschäfte schädigen.

"Diese Veranstaltung ist eine Warnung: Versucht es erst gar nicht!", machte ein Mitglied der kommunistischen Partei klar. Der einzige anwesende Kapitalist, Mike Ellis, Vizepräsident der asiatischen Abteilung der Motion Picture Association of America (MPAA), war dann auch recht angetan von der Aufführung. Er glaubt, dass China "sehr bestrebt ist, das Problem in den Griff zu bekommen". (cgl)