Learntec: Mit Computern gegen den Bildungsschock

Die Förderung des Computer gestützten Lernens müsse im Mittelpunkt eines gemeinsamen Bildungskonzeptes stehen, sagte Staatssekretär Uwe Thomas.

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  • dpa

Um den so genannten "Pisa"- Bildungsschock zu überwinden, setzt die Bundesregierung auch auf Laptops und das Internet. Die Förderung des Computer gestützten Lernens an Schulen und Universitäten müsse im Mittelpunkt eines gemeinsamen Bildungskonzeptes des Bundes und der Länder stehen, sagte Staatssekretär Uwe Thomas (SPD) vom Bundesbildungsministerium bei der Eröffnung der viertägigen Kongressmesse LearnTec 2002 am Dienstag in Karlsruhe.

Computer könnten nach Thomas Ansicht helfen, den "Spaßfaktor" wieder in die deutschen Klassenzimmer und Hörsäle zu bringen. Dies sei wichtig, um die Motivation zu stärken und so das Verständnis für das Gelernte zu wecken. Die internationale Bildungsstudie "Pisa", bei der deutsche Schüler im weltweiten Vergleich weit hinter dem Durchschnitt landeten, habe belegt, wie wichtig Motivation für den Lernerfolg sei. Ein Lichtblick sei, dass die deutschen Schüler beim Interesse für Computer gestütztes Lernen in der Spitzengruppe lägen. Die LearnTec sei ein "hervorragendes Instrument", diese Entwicklung zu fördern, sagte Thomas.

Das Bundesministerium werde seine Ideen für ein Bildungskonzept bis zum Sommer den Ländern vorlegen. Darin inbegriffen seien neben Vorschlägen für regelmäßige Leistungsvergleichstests auch Projekte zur Stärkung der Lesekompetenz an Grundschulen, die bundesweite Förderung von Ganztagsschulen und die Ausdehnung des Computer gestützten Lernens (e-learning) in den Schulen. Die Länder seien gefordert, nach ihren Aktionen für die Hochschulen nun auch die Schulen zu stärken. "Es wird eine ganz neue Lernkultur entstehen, in der die Lernprozesse stark individualisiert werden", sagte Thomas.

Die viertägige LearnTec ist eine Kombination aus einer Messe mit 280 Ausstellern aus 14 Ländern und einem internationalen Bildungskongress mit 250 Referenten. Zu diesem Treffpunkt der E- learning-Branche werden bis zu 9000 Besucher im Karlsruher Kongresszentrum erwartet. Nach Angaben der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH ist die LearnTec im deutschsprachigen Raum die führende Veranstaltung für Bildungstechnologie in Schulen, an Hochschulen, aber auch in Unternehmen, die ihre Fortbildungen und Schulungen immer häufiger über firmeninterne Computernetze stattfinden lassen.

Untersuchungen der Initiative D21, eines Netzwerks aus Unternehmen, Wissenschaft und Politik, zeigten, dass sich die Debatte um den Einsatz von Computer gestütztem Lehren und Lernen in Deutschland noch zu sehr auf technische Themen konzentriere. Die Diskussion ist zu techniklastig, Informatiker müssten mal mit Pädagogen reden, sagte Hans Jochen Lückefett, Leiter der D21- Arbeitsgruppe Bildung und Qualifikation. Interviews mit Bildungspolitikern, Managern und Verwaltungsfachleuten hätten gezeigt, dass 61 Prozent der Befragten die öffentliche Diskussion um e-learning als verfehlt empfinden, da es zu wenig um pädagogische Fragen, Qualität der Angebote und Lernerfolge gehe.

"Reach the Unreached" ist das Thema eines Forums der Vereinten Nationen (UN), mit dem die 2001 begonnene Zusammenarbeit der LearnTec mit der UNESCO fortgesetzt wird. Schwerpunkte sind in diesem Jahr Bildungsprogramme für Südafrika und Asien. Bei der Zusammenarbeit mit der Weltbildungsorganisation gehe es darum, "Brücken über den Graben zwischen den Kulturen zu bauen", sagte Winfried Sommer, wissenschaftlicher Leiter der LearnTec, beim "UNESCO Learntec Asian Forum" am Montag in Heidelberg. Es gehe darum, Partnerschaften mit Privatunternehmen einzugehen, sagte der UNESCO- Regionalbeauftragte für Asien, Mohsen Tawfik. Er könne sich vorstellen, dass Firmen wie SAP einen Teil ihrer internationalen Weiterbildungsprogramme der UNESCO zu günstigeren Konditionen anbieten. "Es ist jedoch noch zu früh für konkrete Projekte", sagte Tawfik. (dpa) / (anm)