Erstes kommerzielles deutsches ISS-Projekt im All
Der Global Transmission Service (GTS) soll künftig Missbrauch bei Mobiltelefonen verhindern und gestohlene Fahrzeuge orten.
Auf der internationalen Raumstation ISS haben die Astronauten mit der Montage und den letzten Vorbereitungen für Tests mit dem Global Transmission Service (GTS) begonnen. Das elektronische Herzstück des GTS wurde am vergangenen Wochenende mit einem Sojus-Transporter zur Internationalen Raumstation ISS gebracht.
GTS ist ein geplantes System zur Übertragung von Funksignalen aus dem All. In einem ersten Schritt soll es als präziser Zeitgeber für Armbanduhren eingesetzt werden. Das Projekt wird durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Europäische Weltraumorganisation (ESA) gefördert und ist das erste deutsche kommerzielle Experiment auf der ISS. Es wird mit den industriellen Partnern Fortis Swiss Watches und DaimlerChrysler verwirklicht.
Die genaue Uhrzeit stammt von einem Zeitgeber im Stuttgarter Steinbeis-Transferzentrum, der Zeitsignale zur ISS senden soll. Dort werden über eine Spezialantenne an der Unterseite des Swesda-Moduls die Signale weltweit an mobile Miniaturempfänger-Chips verteilt. In der im Herbst beginnenden Testphase soll der Datenempfang der Chips erstmals in Armbanduhren getestet und eine weltweite Synchronisation der mit den Chips ausgestatteten Uhren erreicht werden. Auf Reisen sollen sich die von der ISS angefunkten Uhren automatisch auf die aktuelle Ortszeit umstellen.
Die Miniaturisierung des Empfängers bietet laut DLR noch weitere Anwendungsgebiete. Da die Empfänger-Chips von der ISS aus geortet werden können, wird es in Zukunft möglich sein, auch Funktelefone, elektronische Fahrzeugschlüssel sowie Chipkarten gegen Missbrauch zu sichern oder Kraftfahrzeuge vor Diebstahl zu schützen. Mit der kodierten Nummer auf dem Chip kann der rechtmäßige Eigentümer die gestohlenen Geräte stilllegen lassen. Die neuen Dienste sollen nach einer zweijährigen Experimentierphase durch eine kommerzielle Betreibergesellschaft vermarktet werden. (thd)