Internet-Provider prüfen Strafanzeige gegen Talkline

"Kunden entführt und fragwürdig abgerechnet", so der Vorwurf von eXpressNet und tlink gegenüber Talkline.

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Von
  • Ralf Hüskes

Die Internet-Provider eXpressNet und tlink werfen Talkline den "Raub" von Kunden vor. Talkline soll die Kunden der Internet-Provider eXpressNet und tlink mit einem Trick "gehijackt" und zu fragwürdigen Tarifen abgerechnet haben, erklärten die beiden Partner-Unternehmen.

Talkline habe mehrere alte, von eXpressNet und tlink benutzte Einwahlnummern ohne Wissen der Provider inklusive der im offenen Call-by-Call verwendeten Login-Namen und Passwörter reaktiviert. Kunden, die es versäumten, ihre Dial-up-Einstellung abzuändern, hätten daraufhin nicht mehr über das Angebot von tlink oder eXpressNet, sondern über Talkline gesurft. Für Talkline möglich wurde das Vorgehen nach der Darstellung, da die betreffenden Internet-Provider über einen Zwischenhändler (iPrimus) letztendlich die Infrastruktur von Talkline nutzten.

Talkline-Pressesprecher Martin Ortgies wollte die versteckte Umleitung der Kunden gegenüber dem TK-Informationsdienst xdial.de nicht ausschließen. Er müsse jedoch prüfen, ob die Kunden des betreffenden Zwischenhändlers tatsächlich "für eine begrenzte Zeit" auf das eigene Angebot umgeleitet worden sind. Nicht sagen konnte Ortgies unterdessen, über welchen Zeitraum dies eventuell geschah und ob die Kunden einen Hinweis auf den ansonsten für sie nicht ersichtlichen Provider-Wechsel erhielten.

Diesbezüglich ist sich Vicente Hernando, Betreiber von tlink, sicher: "Heute Morgen haben wir das getestet und die Nummer war freigeschaltet", erklärte Hernando im Gespräch mit xdial.de. Einen Hinweis auf die Talkline-Tarife oder einen Redirect auf die Homepage von Talkline soll es dabei nicht gegeben haben. Nicht nur die Kunden könnten durch das Vorgehen geschädigt worden sein, sondern auch die betreffenden Provider. Hernando betonte: "Unser Umsatz im offenen Internet by Call ist nach dem Wechsel um über 90 Prozent eingebrochen. Unser Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Mark." Beide Firmen prüfen zwischenzeitlich rechtliche Schritte, eXpressNet gar die Möglichkeit einer Strafanzeige. (Ralf Hüskes) / (jk)