Elektronische Anteilnahme am 11. September
Rund 100 Millionen US-Amerikaner verschickten oder bekamen E-Mails, die die Attentate auf New York und Washington zum Inhalt hatten.
Die Attentate vom 11. September 2001 in New York und Washington waren die ersten großen Krisenereignisse, seitdem E-Mails in den USA populär sind. Umso spannender für die Forscher des Internet Project des UCLA Center for Communication Policy, den Umgang der US-Amerikaner mit der elektronischen Post in Folge der Anschläge zu ergründen. Rund 100 Millionen US-Amerikaner haben zum Thema 11. September E-Mails versendet oder empfangen, das sind 57 Prozent aller Internetnutzer in den USA. Für die Studie wurden vom 3. bis zum 12. Januar 2002 1.200 US-Bürger mit Internet-Anschluss befragt.
Befragte, die E-Mails verschickten, griffen nicht zum Telefonhörer oder nahmen auf andere Weise Kontakt mit anderen Personen auf, um sich über die Ereignisse auszutauschen. Es brauchte auch viel Glück, um in dem überlasteten Telefonnetz durchzukommen. In den E-Mails rund um die Attentate ging es weniger um Informationsaustausch als um den Ausdruck der Sorge und des Mitgefühls mit den Opfern der Attentate. Zum größten Teil waren die elektronischen Mitteilungen also "Care-Mails". Die Informationen holten sich 80 Prozent der Befragten aus dem Fernsehen, 18 Prozent machten direkte Anfragen per E-Mail über die Opfer und lediglich 3 Prozent besuchten Websites.
Der Anteil der US-Bürger, die E-Mails verschicken, stieg im Dezember und Januar von 52 auf 59 Prozent. Sie geben an, dass sie damit kostengünstiger kommunizieren und mehr Menschen erreichen können. So wird die elektronische Post immer mehr zu einem sozialen Faktor. Daher vermuten die UCLA-Forscher, dass die steigende Nutzung von E-Mails nicht auf den 11. September zurückzuführen ist.
Das Projekt erstellt seit 2000 in Zusammenarbeit des Centers mit Hard- und Software-Herstellern jährlich einen Internet-Report. Jährlich werden dafür Haushalte in den gesamten USA befragt. Ziel des Projekts ist es, die Nutzung und Auswirkung des Internet langfristig zu verfolgen. (anw)