Computex

NTT attackiert Europas Mobilfunkbetreiber

"Ihr in Europa habt kein Konzept fĂĽr die Handy-Nutzung", meinte der Managing Director fĂĽr i-mode-Strategie beim japanischen Telecom-Konzern NTT DoCoMo.

vorlesen Druckansicht 52 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

"In der Wertschöpfungskette bei den mobilen Diensten klaffen in Europa Lücken, die wir schließen wollen." Mit dieser Kampfansage an die hiesigen Mobilfunk-Carrier schloss Takeshi Natsuno, Managing Director für i-mode-Strategie bei NTT Docomo, seine heutige Keynote auf dem Mobil-Forum der Systems.

Natsunos Vortrag kam einer schallenden Ohrfeige für die europäischen M-Commerce-Strategien gleich. "Ihr in Europa habt kein Konzept für die Handy-Nutzung", sagte er. NTT Docomo habe i-mode vor knapp drei Jahren mit dem Ziel gestartet, jenes Henne-Ei-Problem schnell zu lösen, das da lautet: Nutzer wollen Content, Content-Anbieter wollen eine große Nutzerbasis. Die Konditionen für Inhalte-Anbieter müssten attraktiver sein und die technische Implementierung möglichst trivial. Beim Abrechnungsmodell von i-mode würden die Anbieter 91 Prozent der Nutzungsgebühren kassieren, NTT Docomo lediglich 9 Prozent. Dennoch sei i-mode hoch profitabel, denn jeder der momentan 28 Millionen i-mode-Kunden bezahle durchschnittlich 22 Euro pro Monat für die Nutzung des Dienstes.

In Europa und den USA sei man zu technikverliebt, um eine breite Masse für mobile Dienste zu begeistern. Ein Kardinalfehler bei der Einführung von WAP sei der Marketing-Spruch "Das Internet in einer Hand" gewesen: "Die Leute wollen nicht das Internet oder das Web in der Hand, sie wollen Micky Maus in der Hand." i-mode sei in Japan auch deshalb so erfolgreich, weil NTT in der Werbung grundsätzlich auf technische Begriffe verzichte.

Wenn NTT i-mode "sehr bald" in Europa starte, werde man auch hierzulande auf WAP verzichten und stattdessen voll auf "De-facto-Standards" für die Präsentation von Inhalten setzen. HTML, MIDI, GIF, Java und MPEG 4 seien die Mittel der Wahl, um Content aufzubereiten, stellte Natsuno für NTT Docomo klar.

In seinem Vortag betonte Natsuno, dass i-mode in Japan Bevölkerungsschichten begeistere, die sich in Europa oder den USA noch sehr verschlossen gegenüber Handy-Diensten verhielten. So sind 42 Prozent aller i-mode-Nutzer weiblich und 34 Prozent sind über 40 Jahre alt. Der Denkfehler liege darin, dass man hierzulande glaube, für "Gimmicks" würden sich nur Jugendliche interessieren. Natsuno hielt sein i-mode-Handy ans Mikrofon, spielte einen heruntergeladenen Klingelton vor und betonte: "Das hier lieben bei uns Geschäftsleute, während sie am Flughafen warten."

Der i-mode-Stratege wehrte sich gegen das Argument, Inhalte auf dem Mini-Display zu betrachten, sei eine japanische Eigenart, die in Europa auf wenig Gegenliebe stoĂźe: "Vor drei Jahren, als ich unser erstes i-mode-Handy mit nach Europa brachte, sagten mir die Anbieter hier: Wir brauchen keine dermaĂźen kleinen Mobiltelefone. Hatten sie Recht?" (hob)