Insolvenzverwalter erhebt Betrugsvorwurf gegen LIPRO
Nach Angaben des Insolvenzverwalters Peter Leonhardt wurden bei dem Berliner Softwarehaus Vermögen verschoben und Konten verschwiegen.
Das insolvente Berliner Softwarehaus LIPRO ist in Betrugsverdacht geraten. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Peter Leonhardt wurden Vermögen verschoben und Konten verschwiegen. Er befürchte, dass das Vermögen "beiseite geschafft und verheimlicht wurde", stellte Leonhardt am heutigen Dienstag in einem Zwischenbericht an das Amtsgericht Charlottenburg fest. Die bisherigen Informationen der Verantwortlichen der LIPRO AG seien im Wesentlichen falsch. Eine Stellungnahme des am Neuen Markt notierten Unternehmens war zunächst nicht zu erhalten. Die Aktie gab am Dienstag um über 26 Prozent auf 0,31 Euro nach.
Das Unternehmen sei seit Juli "ausgehöhlt" worden, nachdem zwei Krankenkassen und ein ehemaliger Beschäftigter Antrag auf Insolvenz gestellt hatten. Während LIPRO über Verhandlungen mit einem angeblichen ausländischen Investor berichtete, sei der Betrieb auf andere Gesellschaften übertragen worden. Der Aktienkurs sei in den vergangenen Tagen durch spekulative Verkäufe erheblich gestiegen, obwohl kein tragfähiges Sanierungskonzept vorliege. Ein Team des Insolvenzverwalters habe erst nach einer Drohung mit der Polizei Akten in den alten Büroräumen beschlagnahmen können, erklärte Leonhardt. Nachdem der Insolvenzantrag gestellt wurde, sei der Geschäftsbetrieb auf Auffang- und Tochtergesellschaften übertragen worden; bei zweien sei der Handelsregistereintrag nicht bekannt.
LIPRO hatte zu Jahresanfang noch 200 Mitarbeiter. Derzeit sind es nach Unternehmensangaben noch etwa 100. Das Unternehmen steckt seit Monaten in Liquiditätsproblemen. Für das laufende Jahr erwartete das Unternehmen bislang ein Verlust von 6,7 Millionen Euro bei einem Umsatz von 21,7 Millionen Euro. (dpa) / (jk)