Otto setzt auf e-commerce
Das Hamburger Versandhaus will 20 Prozent seines Umsatzes über das Internet abwickeln und sieht sich jetzt bereits weltweit auf Platz 2 hinter Amazon.
Der in Hamburg ansässige Otto Versand setzt weiter auf die Zukunft des Internets und den elektronischen Versandhandel. Während der Neue Markt täglich neue Tiefststände testet und reihenweise Internet-Unternehmen vor der Pleite stehen, setzt der Otto Versand unbeirrt auf den elektronischen Handel über das Netz. "In zehn Jahren wird der Online-Handel einen Anteil von 10 Prozent am gesamten Einzelhandel erreichen, und Otto wird dann 20 Prozent seines Umsatzes im Netz machen", prophezeite der Versandhaus-Chef am Donnerstag in Hamburg. Seine Unternehmensgruppe, mit einem Umsatz von 23,5 Milliarden Euro der weltweit größte Versandhändler, habe deshalb bereits 500 Millionen Mark in diverse Internet-Aktivitäten investiert.
Otto hält damit an den Prognosen fest, die er bereits vor zwei Jahren abgegeben hat. "Damals gab es eine überzogene Euphorie, heute eine übetriebene Skepsis", sagte er. "Mittelfristig wird es zu einer realistischen Bewertung der Chancen des Internets kommen. Die Otto-Firmen-Gruppe, zu der 90 Handelsunternehmen in 23 Ländern gehören, hätte sich bereits frühzeitig und konsequent im e-commerce engagiert.
Im Gegensatz zu Amazon, wo von Quartal zu Quartal hohe Verluste anfallen, verdiene Otto im Internet auch schon Geld. "Unsere etablierten Unternehmen wie der Otto Versand, Heine oder Sport-Scheck schreiben mit ihren Internet-Aktivitäten schwarze Zahlen", sagte Otto. "Wir haben unsere ausgefeilte Logistik ja schon stehen, und die Marken sind bekannt. Da müssen wir nicht investieren." Für ein etabliertes Versandhandelsunternehmen sei es letztlich gleichgültig, ob ein Auftrag schriftlich, per Fax, per Telefon oder per Internet eingehe; die anschließende Auftragsabwicklung sei immer gleich.
Anders sehe es allerdings bei Neugründungen, Beteiligungen und Jointventures aus, von denen Otto ein ganzes Bündel unterhält. So hat das Hamburger Unternehmen zum Beispiel die Mehrheit an dem Internet-Spielzeughändler www.myToys.de gekauft, ist als Discount- oder Büroartikelhändler im Netz ebenso aktiv wie als Verkäufer von Flugtickets oder Heimwerkerbedarf und sogar in den Handel mit Lebensmitteln eingestiegen. "Wir rechnen mit Anlaufverlusten über vier oder fünf Jahre und wollen in den jeweiligen Segmenten eine führende Position einnehmen", sagte Otto. "Das ist für uns nichts Neues; das kennen wir aus Übernahmen oder Neugründungen in der Vergangenheit."
Insgesamt wird die Handelsgruppe, die weltweit 76.000 Menschen beschäftigt, nach Ottos Erwartungen in diesem Jahr um 2,5 Prozent wachsen; im Inland sogar um 4 Prozent. Damit setzt sich das regelmäßige Wachstum fort, das Otto auch gegen die jeweiligen Konjunkturtrends in den verschiedenen Ländern zu erreichen pflegt. Abgesehen von der amerikanische Spiegel-Gruppe sowie einigen Jointventures steigerte der restliche Konzern seinen Umsatz im abgelaufenen Jahr um 13 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro, während der Jahresüberschuss unter anderem wegen der Investitionen in den Internet-Handel von 322 auf 258 Millionen Euro zurückging. (dpa) / (jes)