Ende des Hightech-Booms mildert Fachkräfte-Mangel
Auf den ersten Blick hat sich nichts geändert. Auf den Messeständen der IT-Messe Systems werben die Aussteller um begehrte Computerexperten.
Auf den ersten Blick hat sich nichts geändert. Auf den Messeständen der IT-Messe Systems in München werben die Aussteller mit Plakaten, Flugblättern und Aktionen um begehrte Computerexperten. Doch bei näherer Betrachtung gibt es einen großen Unterschied: Viele Firmen haben mit ihren Bemühungen Erfolg. "Die Situation hat sich entspannt", sagt der Geschäftsführer des Branchenverbandes BITKOM, Bernhard Rohleder. Mit dem Ende des Hightech-Booms und dem Niedergang vieler Computer- und Internetfirmen am Neuen Markt sind zahlreiche IT-Experten auf der Suche nach einem neuen Job. Auf vielen Messeständen der Systems drängeln sich die Bewerber.
Allein der Halbleiter-Hersteller Infineon streicht noch in diesem Jahr fast 2.500 Arbeitsplätze, viele davon in Deutschland. Tausende Beschäftigte sind seit Anfang des Monats in Kurzarbeit. Manche von ihnen dürften sich bereits nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Für die Branche ist die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt einer der wenigen Vorteile aus der Krise. "Wir haben einen Wahnsinns-Zulauf von Interessenten", sagt die Personalreferentin Susanne Reichert von der Bamberger Niederlassung der Telekom-Tochter T-Systems nach dem ersten Tag auf der Messe.
Anders als während des Booms der vergangenen Jahre können viele Unternehmen inzwischen sogar unter einer Reihe Kandidaten auswählen. Dadurch sind die Bewerber auf den Boden der Tatsachen zurück gekommen. "Die Zeiten, in denen Bewerber von den Goodies nach dem Motto: 'Der Chef bringt die Pizza' träumten, sind vorbei", sagt Theo Grassl, Personalreferent bei dem Internet-Marketingunternehmen "die argonauten" in einer Podiumsdiskussion.
Das macht sich auch beim Geld bemerkbar. Während die Gehaltsvorstellungen manch eines IT-Experten den Personalchefs früher die Sprache verschlugen, sind mittlere vierstellige Monatsgehälter inzwischen die Regel. "Für Studienabgänger sind 5.500 Mark Monatsgehalt realistisch", sagt Reichert. Besonders gefragte und hoch qualifizierte Experten können allerdings nach wie vor auf deutlich höhere Summen hoffen. Starke Gehaltsunterschiede gibt es außerdem zwischen Hightech-Regionen wie München und Düsseldorf und kleineren Städten. Mangelware sind nach Angaben von BITKOM zurzeit vor allem Experten für die Computersicherheit. Allein in diesem Bereich würden jährlich rund 5.000 Experten zusätzlich benötigt.
Im vergangenen Jahr hatte der Verband jede Gelegenheit genutzt, um mit immer neuen Zahlen auf den Fachkräftemangel hinzuweisen. Inzwischen hält sich BITKOM zurück. "Es gibt nach wie vor einen Mangel", sagt Rohleder. Konkrete Zahlen ließen sich allerdings nicht nennen. Trotzdem warnt er davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen. Sobald es mit der Branche bergauf geht, könnte sonst auch beim Thema Fachkräftemangel wieder alles beim Alten sein. (Daniela Wiegmann, dpa) / (jk)