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c't-Roboterwettbewerb: Blau ist grĂĽner als Rot

König der Müllsammler: Ein mit Rasenmäherrädern ausgestatteter "Putzbot" greift beim Roboterwettbewerb auf der Systems nach der Krone.

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Der "Putzbot"-Wettbewerb auf dem Systems-Messestand des Heise-Verlags (Halle A4, Stand 427/526) gebiert bisweilen Aussagen von ungeahnter philosophischer Tiefe. "Blau ist grüner als Rot" – das ist nicht etwa ein Wegweiser zu einer neuen Qualität des Sehens, sondern der knappe Extrakt, auf den Wettbewerbsteilnehmer Harry Siebert aus Puchheim das von ihm verwendete Verfahren zur Farbanalyse nach RGB-Anteilen reduzierte, als er dem Publikum auf der Systems am gestrigen Dienstag seine Konstruktion "Ill Toro" erläuterte.

Der "kranke Stier" war ursprünglich dazu gedacht, die "Putzbot"-Aufgabe zu erfüllen. Als sich zeigte, dass er die dazu notwendige Software nicht mehr rechtzeitig fertig bekommen würde, stieg Konstrukteur Siebert in den "Freistil"-Wettbewerb um, dessen Teilnehmer eigentlich erst am Freitag antreten wollen. Da die fünfköpfige Jury aber bereits vollständig anwesend war, sprach nichts dagegen, dass Siebert auf diese Weise den Freistil-Event mit einem vorgeschalteten Beitrag eröffnete. Sein "Ill Toro" konnte als Trinkmaschine überzeugen: Das auf selbst entwickelter Plattform mit viel diskreter Elektronik aufgebaute Gerät vermag eine rote Getränkedose aufzuheben und kunstvoll zu kippen, woraufhin ihr etwaiger Inhalt sich elegant über das Heck des durstigen Roboters ergießen würde – eine echte Lernhilfe für den Einsteiger in die Trinkkunst. "Ill Toro" bietet eine ungewöhnliche Lösung zur optischen Farberkennung – er kommt ohne aufwendige Kameratechnik aus und nutzt stattdessen für jede Grundfarbe des RGB-Modells ein diskretes fotoempfindliches Element.

Für besonders heftigen Beifall von Seiten des Publikums sorgte ebenfalls gestern der "Gupeto-Putzbot" des Mannheimer Konstruktionsteams um Gunther Orban: Der von einem Motorola MC 68332 gesteuerte, mit Rasenmäherrädern ausgestattete Roboter schaffte die "Putzbot"-Aufgabe komplett, souverän und unterbot dabei die bisherige Bestzeit von "Stevie Wonder" deutlich: Mit 3 Minuten und 25 Sekunden stellte der "Gupeto" einen neuen Rekord auf. Der auf einer selbst konstruierten Fahrwerksbasis montierte Roboter findet seinen Weg durch die Räume des Parcours ohne optische Hilfe nach dem gleichen Prinzip wie "Stevie". Bemerkenswerterweise haben Orban und sein Team die Programme für ihren "Gupeto-Putzbot" ausschließlich auf Grundlage von Open-Source-Software entwickelt.

Zwischen den Wettbewerbsläufen zeigt immer wieder der Lego-"Rubik Solver" seine Kunst am Stand, nachdem ein neues Exemplar gestern den bereits etwas abgearbeiteten ursprünglichen Roboter abgelöst hat. Erstmals ist der computergesteuerte Würfeldreher heute von einem Tüftelkünstler aus dem Publikum geschlagen worden: Peter Schöll aus München stellte die Farbanordnung des verdrehten Würfels in atemberaubender Geschwindigkeit wieder her, während der parallel agierende "Rubik Solver" noch viele Dreher vor sich hatte. Schöll ist passionierter Rubiklöser: Seine beste Zeit, so verriet er, habe einmal bei unter 30 Sekunden gelegen. Durchschnittlich schaffe er es, die Lösung in eineinhalb bis zwei Minuten zu unterbreiten. (psz)