Neuer Restrukturierungsplan für L&H bringt wenig Neues

Sprachenspezialist Lernout & Hauspie benötigt eine Finanzspritze von 20 bis 25 Millionen Dollar, um etwa 400 der verbliebenen 571 Jobs zu erhalten.

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Pünktlich zum geforderten Termin legte Sprachenspezialist Lernout & Hauspie gestern einen neuen Restrukturierungsplan vor: Demnach benötigt das belgische Unternehmen weitere 20 bis 25 Millionen US-Dollar, um etwa 400 der verbliebenen 571 Mitarbeiter bei einer aus L&H heraus gegründeten Firma in Lohn und Brot zu halten. Bis Mitte 2000 waren bei L&H weit über 1000 Menschen beschäftigt. Außerdem sollen zwei Büros in Belgien und nahe Boston geschlossen werden. Im Juni hatte Chief Executive Officer Philippe Bodson ein Rettungsszenario entworfen, das eine neuerliche Finanzspritze von 100 Millionen US-Dollar vorsah und 600 Leute halten wollte. Dieses wurde jedoch vom belgischen Gericht in Ieper abgelehnt.

Die Softwareschmiede kam im vergangenen Jahr in die Schieflage, nachdem bei ihrem koreanischen Ableger 100 Millionen Dollar verschwanden. Die dann folgenden Untersuchungen brachten erhebliche Ungereimtheiten in den Unternehmensbilanzen an den Tag, die letztlich zur Bankrotterklärung führten. Lernout & Hauspie beantragte daraufhin in Belgien Schutz vor seinen Gläubigern, in den USA steht die überschuldete Unternehmenstochter Dictaphone ebenfalls unter Gläubigerschutz. Die Frist für den Schutz läuft Ende September aus.

Bodson gab nun an, L&H verhandle mit zwei potenzielle Käufern; ihre Identität wollte er nicht preisgeben. Einer der beiden Interessenten wolle eine neue Firma gründen, in der L&Hs Sprachtechniksparte aufgehen könne. Dies ist die von Philippe Bodson seit langem favorisierte Variante. Der andere Verhandlungspartner plane dagegen den Ausverkauf des Unternehmens. Daneben erklärte der CEO, ein großer Player im Business sei an Patenten für L&Hs Sprachtechnologie interessiert. Ob es sich dabei um Microsoft handelt, wollte er nicht bestätigen; Microsoft hält bereits rund zehn Prozent der L&H-Anteile.

Laut Bodson müsste einer der beiden Kaufinteressenten noch im September zusagen, andernfalls wäre bei L&H endgültig Schluss. Für den 18. September hat das Gericht in Ieper das nächste Gläubigertreffen einberaumt. Im August hatte der CEO vorgerechnet, dass das zur Verfügung stehende Geld noch bis Ende Oktober reiche, um L&H über Wasser zu halten. Das belgische Sprachtechnikunternehmen steht bei fünf Banken – darunter die Deutsche und die Dresdner Bank – mit 340 Millionen US-Dollar in der Kreide; etwa 170 kleinere Kreditgeber warten auf rund eine Millionen Dollar. Reichlich tragisch gestaltet sich die Unternehmenszerschlagung für die "kleinen Leuten": In einem Konkursverfahren werden zunächst die großen Kreditgeber abgefunden. Erst mit dem dann verbliebenen Geld können weitere Schulden abgetragen werden. Im Fall von L&H dürfte jedoch kein Geld übrig bleiben. Deshalb bleiben die Anleger auf den einstmals heiß begehrten Aktien des New-Economy-Emporkömmlings sitzen; nur sind diese inzwischen nichts mehr wert. (uk)