Mecklenburg-Vorpommern prämiert Schul-Homepages
Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das seine Schulen zu Computer-Unterricht in der fĂĽnften und sechsten Klasse verpflichtet.
Der Putz fällt von den Wänden, das schmutzige Weiß und Graublau der Betonplatten gibt dem Schulgebäude im Schweriner Norden eine triste Ausstrahlung. Umso mehr überrascht es, welch moderne Technik sich hinter der schäbigen Fassade des Herder-Gymnasiums verbirgt: Mehr als 70 Rechner in drei Computer-Räumen, alle ans Internet angeschlossen und mit neuesten Programmen ausgestattet. Hier entstand ebenfalls eine von zehn professionellen Schul-Homepages Mecklenburg-Vorpommerns, die das Land an diesem Samstag prämiert. Den ersten Platz belegten dabei die Kollegen der Schweriner vom Herder-Gymnasium in Stralsund.
"Wir waren 1995 die erste deutsche Schule im Netz", sagt der stellvertretende Schweriner Schulleiter Hans-Peter Budde nicht ohne Stolz. Als begeisterter Informatik- und Physiklehrer hat er einiges dazu beigetragen. Seit den 70er Jahren beschäftigt er sich mit Computern, die aber erst seit Ende der 80er an den Schulen eine Rolle spielen. "Es muss nur einer anstoßen, den Rest machen die Schüler alleine."
Einer der Schüler, die dem Online-Auftritt der Schule ein neues Design verpassten, ist Michael Puls aus der 12. Klasse. Ein "purer Autodidakt" sei er. "Das liegt bei uns wohl in der Familie." Sein älterer Bruder hat schon vor ihm an der Schul-Homepage gebastelt. "Zuerst konnte ich eigentlich gar nichts mit Computern anfangen", erzählt der 17-jährige. "Als meine Eltern einen kauften, stand der ein halbes Jahr nur rum. Dann haben wir uns irgendwie reingefuchst." Jetzt benutzt Michael lieber die Rechner in der Schule. "Wir sind hier echt gut ausgestattet", begründet er. In die PC-Räume könnten Schüler bis 18.00 Uhr, und fast immer sei die neueste Software da, die Schulen günstiger bekommen als Privatnutzer. Und sogar DSL zur schnellen Datenübertragung habe die Schule.
Inzwischen gehört Michael zu denen, die manchmal mehr wissen als der Lehrer. "Damit muss man klarkommen", sagt Budde. Einer seiner ehemaligen Schützlinge hat inzwischen eine Computer-Firma gegründet, andere studieren Informatik oder sind Online-Grafiker geworden. "Kritiker denken, wir machen hier nur Pille-Palle. Aber vielen bringt es richtig viel für Studium und Beruf."
Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das seine Schulen zu Computer-Unterricht in der fünften und sechsten Klasse verpflichtet. Und in der Oberstufe wird Informatik als Leistungskurs angeboten. "Wir wollen Schülern den Zugang zu dieser zeitgemäßen Technik erleichtern und damit gleiche Bildungschancen für alle schaffen", sagte Bildungsminister Peter Kauffold (SPD) am Mittwoch in Rostock zur Landesinitiative "Multimedia an Schulen".
Die Freaks des Herder-Gymnasiums können an einem Tag einen kompletten Online-Auftritt zusammensetzen und ihn abends mit aktuellen Fotos ins Netz stellen. Sie haben auch Homepages für ein Schweriner Dokumentationszentrum und für eine Behindertenschule gebaut. Die Schule bekommt Hilfe von Sponsoren -- Firmen, die zum Beispiel mit Software, Kabeln oder technischen Überprüfungen helfen. Auch die Stadtverwaltung als Schulträger sei sehr aufgeschlossen beim Thema. "Am wichtigsten ist der Einsatz der Jugendlichen. Für manches Projekt wird schon mal eine Nacht durchgemacht", sagt Budde. "Die Schüler müssen einfach ein bisschen verrückt sein - im positiven Sinne!" (Polly Schmincke, dpa) / (jk)