Bildungsmesse: Schulen noch stärker fördern
Wenn es nach den Vorstellungen des Bundesbildungsministeriums ginge, sollen spätestens 2004 alle Schüler altersgerecht ihren Notebook-Computer als "elektronische Schiefertafel" und interaktives Lehrbuch nutzen.
Wenn es nach den Vorstellungen des Bundesbildungsministeriums ginge, sollen spätestens 2004 alle Schüler altersgerecht ihren Notebook-Computer als "elektronische Schiefertafel" und interaktives Lehrbuch nutzen. Im Vorfeld der Bildungsmesse in Köln zogen Bildungsministerin Edelgard Bulmahn und ihr Staatssekretär Uwe Thomas eine positive Zwischenbilanz zur Ausstattung der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland mit Computern und deren Nutzung und kündigten gleichzeitig an, dem Verein "Schulen ans Netz" weitere 20 Millionen Euro für die kommenden vier Jahren zur Verfügung zu stellen. In einer Sonderschau will der Verein auf der Bildungsmesse zeigen, wie man dieses Geld einsetzen könnte.
"Wir sind auf gutem Weg, das Ziel sogar zu übertreffen, das sich die Mitgliedstaaten im Rahmen der europäischen Initiative eEurope gesetzt haben - ein PC auf bis zu 15 Schüler im Jahr 2004", so die Auffassung von Thomas, aber die technische Ausstattung sei nur ein erster Schritt vom 'Learn to use' zum 'Use to learn'. Computer und Notebooks müssten bis 2004 zum selbstverständlichen Lernmittel werden.
Bulmahn sieht mit dem kostenlosen Internetanschluss für alle Schulen die Basis für den Einsatz von Computern und Internet im Unterrichtsalltag gelegt. Doch damit die Schulen im Netz arbeiten können, brauchen diese eben auch Unterrichtsmaterialien, Werkzeuge, Hilfen für eine praxisgerechte Arbeitsorganisation und natürlich Qualifizierungsangebote, so Bulmahn. Neben dem bisherigen Fokus auf die Anschaffung von Hardware will man deshalb zukünftig den Blick stärker auf die Software, das heißt auf die Inhalte, richten. Damit folgt man einer der Empfehlungen des Forum Bildung, die auf die Entwicklung von neuen pädagogischen und didaktischen Konzepten zielt. Hier sieht der Bund aber in erster Linie die Länder gefordert. Dennoch will auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Programm Neue Medien in der Bildung "Impulse für den Markt der unterrichtsbezogenen hochwertigen Produkte" setzen. In den Jahren 2000 bis 2004 werden im Rahmen des Programms "IT in der Bildung -- Anschluss statt Ausschluss" rund 700 Millionen Euro bereitgestellt. Im Bereich Schule ergänzen die Maßnahme InfoSCHUL, der Lehrer-Online-Dienst des Vereins "Schulen ans Netz" und das Bund-Länder-Programm SEMIK mit dem Fokus auf praxisnahen Einsatz der Neuen Medien im Schulunterricht vor allem die Förderung von Lehr- und Lernsoftware.
Nach Ansicht der Initiative D21 bleibt hier aber noch viel zu tun: "Trotz des positiven Trends in der reinen Hardware-Ausstattung ist nach wie vor die Qualität der Geräte und der Einsatz von neuen Medien im Unterricht mangelhaft", heißt es in einer Pressemitteilung von D21. Auch sei noch unklar, wie Schulen den Ersatz und die Wartung ihrer Geräte auf Dauer finanzieren können. Hier sei zum einen verstärkt die Wirtschaft gefragt, die den Schulen bereits bisher Hard- und Software im Wert von rund 20 Millionen Euro gespendet habe. Die vielfältigen Sponsoringaktivitäten der Wirtschaft begrüßten die Politiker ausdrücklich. "Hier kann aber noch mehr getan werden", sagte Thomas, denn im Vergleich zu den Mitteln, die im Bereich des Sportsponsoring aufgewendet würden, sei Deutschland beim Bildungssponsoring noch ein Entwicklungsland.
Die auch von D21 geforderte Umsetzung entsprechender Konzepte kostet möglicherweise aber noch mehr Geld, als sich auf den bisherigen Wegen aufbringen lässt: "Nach der festen Überzeugung von D21 führt kein Weg an einer stärkeren und sozial abgefederten Elternbeteiligung an der Beschaffung von Lernmitteln vorbei." (Jörg Birkelbach) (anm) (anm)