600 Jahre Landtagsprotokolle zeugen von Bayerns turbulenter Geschichte

Durch ein neues Internet-Angebot soll die bayerische Vergangenheit lebendig nachvollziehbar werden.

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Durch ein neues Internet-Angebot soll die bayerische Vergangenheit lebendig nachvollziehbar werden: 600 Jahre Zeitgeschichte spiegeln sich in den Protokollen des Landtages wieder, die ab sofort im Internet nachlesbar sind. Die Bayerische Staatsbibliothek und der Landtag haben 60.000 Seiten Dokumente aus den Jahren 1429 bis ins 20. Jahrhundert in digitale Form gebracht und jedem geschichtlich interessierten Surfer anheim gestellt, wie die Landtagsverwaltung am Dienstag mitteilte.

Ein Schwerpunkt des Projekts sind die Protokolle von 1919 bis 1933. Dabei wird zum Beispiel deutlich, wie turbulent es in den Wirren der Revolutionszeit zuging. "Nunmehr fallen Schüsse. Alles verlässt den Saal. Schluss der Sitzung um 11 Uhr 13 Minuten", heißt es im Protokoll der Sitzung vom 21. Februar 1919, nachdem die Abgeordneten von der Ermordung des Ministerpräsidenten Kurt Eisner erfahren hatten.

Der zweite Schwerpunkt sind die älteren Dokumente aus den Jahren 1429 bis 1669. Sie beleuchten die Auseinandersetzung von Adel, Städten und Kirche mit den regierenden Wittelsbachern. Dabei gilt aber zu bedenken: "So vollständig und gut conserviert auch die hiesigen Archive sind, so können doch dermalen von dem fünfzehnten Jahrhunderte meistens nur Fragmente der Landtagshandlungen vorgelegt werden", wie es im Vorwort zu den "Landtags-Handlungen" heißt, die 1803 vom kurfürstlich geheimen Finanz-Referendar Franz von Krenner herausgegeben wurden.

Die beiden Schwerpunkte wurden nicht nur mit Blick auf Forschung und Wissenschaft gewählt. Gerade die Protokolle der Jahre 1918 bis 1933 eignen sich auch für die Arbeit in der Schule und bilden eine vorzügliche Quellengrundlage etwa für Facharbeiten. Das Projekt ist aber noch nicht abgeschlossen, betont Dr. Manfred Hank von der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Protokolle müssen zum Beispiel noch für Suchfunktionen komplett verfügbar gemacht werden. Heuer reicht das Sach- und Sprechregister für die Zeit der Weimarer Republik erst bis ins Jahr 1920. Aktuelle Parlamentspapiere sind auf der Internetpräsenz des Bayerischen Landtags einsehbar. (anw)