Nur für Mädchen -- LizzyNet kann auf männlichen Beistand verzichten
Es ist eine Art virtueller Jugendtreff speziell für Mädchen: LizzyNet kann und will auf das angeblich starke Geschlecht komplett verzichten.
Es ist eine Art virtueller Jugendtreff speziell für Mädchen: LizzyNet kann und will auf das angeblich starke Geschlecht komplett verzichten. Das Online-Angebot gehört zur Initiative Schulen ans Netz und ist eine Community für eingetragene Mitglieder weiblichen Geschlechts. LizzyNet hat zudem eine eigene Online-Zeitung zu bieten, an der drei Redakteurinnen mitarbeiten, die aber nicht zuletzt "von Mädchen für Mädchen" gemacht wird.
Und die schätzen an LizzyNet durchaus, sich mal keine männlichen Kommentare anhören zu müssen: "Dass wir hier unter uns sein können, ist einfach gut", erzählt Teresa Bokor, eine Gymnasiastin aus Bonn. "Mädchen interessieren sich eben für andere Themen als Jungs." Lizzy-Net-Redakteurin Rosi Stolz geht da ohne zu zögern noch einen Schritt weiter: "Mädchen haben auch ein anderes Nutzungsverhalten am Computer. Bei ihnen geht es viel mehr um Kommunikation und weniger um Technik."
Dass Mädchen durchaus positive Erfahrungen machen, wenn sie den Computer mal nicht mit ihren gleichaltrigen männlichen Mitschülern teilen müssen, glaubt auch Claudia Honneker: "Mädchen ist das leicht peinlich, wenn Jungs im Umgang mit dem Rechner versierter sind und trauen sich dann nicht zu fragen. Jungs rufen eher gleich dazwischen", so die Online-Redakteurin bei der Präsentation des Web-Angebots während der Bildungsmesse 2002 in Köln (19. bis 23. Februar).
Ein Portal für Internet-Junkies ist LizzyNet nicht. "Ich selbst zum Beispiel bin überhaupt kein Computerfreak", sagt Teresas Freundin Anne Draeseke, die ebenfalls für LizzyNet schreibt. "Ich tippe einfach meine Texte und schicke die an die Redaktion." Wer möchte, kann sich aber auch in Sachen Multimedia-Kenntnisse weiterbilden: "Wir haben bei LizzyNet eine Anleitung zum HTML-Lernen. Mit der Programmiersprache lassen sich dann eigene Homepages gestalten", sagt Claudia Honneker. "Wir haben gerade einen Wettbewerb für die am besten gelungenen Homepages gemacht." Wem das zu aufwendig erscheinen sollte, muss auf den eigenen Internetauftritt nicht verzichten: LizzyPage heißt die einfachere Variante, die sich auch ohne HTML-Kenntnisse basteln lässt.
Viel genutzt werden die Angebote zum Mailen und Chatten. Wer sich bei LizzyNet anmeldet, bekommt automatisch eine eigene E-Mail-Adresse. Der Lizzy-Treff ist ein Platz für lockeren Austausch über Themen aller Art. "Lizzys", wie sich die Angehörigen der Online-Community nennen, können außerdem zwischen etlichen Chatforen wählen, in denen über Themen wie Liebe und Freundschaft, Mode und Kosmetik oder Urlaub und Reisen geplaudert wird.
Dann gibt es noch "Lizzy-Press", die Online-Zeitung, für die auch Teresa und Anne schreiben: Es gibt feste Rubriken wie "Musik & Medien", "Peinlich, Peinlich" oder "Knutsch & Knatsch", Buchbesprechungen, aber auch ausführliche Texte zu Themen wie "Preiserhöhungen durch den Euro". "Ich suche mir meine Themen immer selbst", erzählt Teresa Bokor, die an ihrem Gymnasium inzwischen eine Internet-AG gestartet und auch anderen Mädchen gezeigt hat, was sich hinter LizzyNet verbirgt.
Dass die Mädchen in der Community tatsächlich unter sich bleiben, soll dadurch gewährleistet werden, dass etwa die Chats und Foren nur für Mitglieder zugänglich sind, die sich vorher angemeldet haben. Und auf alles, was online zu lesen ist, werfen die Redakteurinnen einen Blick - Pornografie oder Rassismus sollen keine Chance haben. "Auch jeder Chat wird betreut", sagt Rosi Stolz. Trotzdem ist die Nutzung kostenfrei -- LizzyNet will ausdrücklich ein nicht-kommerzielles Angebot sein. Die Jungs können da nur neidisch werden. (Andreas Heimann, dpa) /