Kanadische Universität ändert Lehrplan für Microsoft

Studenten der University of Waterloo werfen ihrer Leitung vor, sich durch Forschungsgelder von Microsoft in den Lehrplan hineinreden zu lassen.

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10 Millionen US-Dollar will Microsoft für Technologieforschung und -entwicklung über die nächsten fünf Jahre an kanadischen Universitäten bereit stellen. Ein Teil davon, nämlich 2,3 Millionen US-Dollar, landet bei der Universität von Waterloo in Ontario. Die von Microsoft finanzierte Canada Academic Innovation Alliance soll sich über die vier Bereiche akademische Forschung, Bildungslösungen, Kooperation mit der Wirtschaft sowie Integration von bestimmten Lerninhalten erstrecken.

So arbeiten beispielsweise Wissenschaftler und Studenten an der Entwicklung eines mathematischen Schrifterkennungssystems für Tablet PCs. Außerdem soll es einen Einführungslehrgang zur Programmiersprache C# geben. Des weiteren bekommen 8000 Elektronik- und Computeringenieurswissenschaftsstudenten über .NET-basierte Webservices Zugang zum Beispiel zu Laboratoriumssimulatoren.

Besonders an den geänderten Lehrinhalten stoßen sich einige Wissenschaftler und Studenten der University of Waterloo, zumal die Lehrgänge in C# einen anderen Kurs ablösen, in dem C++ gelehrt wird. Anscheinend mache die Universität für Geld alles und lasse sich sogar von Microsoft in den Lehrplan hineinreden. So werde keine unabhängige Forschung mehr betrieben, die Autonomie der Universitätsleitung sei gefährdet. Ryan O'Connor von der Studentenorganisation der Universität befürchtet, dass die Waterloo-Uni einen Präzedenzfall geschaffen hat, zumal Drittmittelgeber auch an kanadischen Universitäten gerne gesehen sind. Auch in Deutschland beispielsweise ist es bislang nicht üblich, dass für von einer Firma geförderte Kurse oder Lehrstühle andere abgeschafft werden. (anw)