Technik-Oscar für Dortmunder Tüftler

Der "3D-Equalizer" der Dortmunder Rolf Schneider und Uwe Sassenberg wird am 2. März in Los Angeles mit einem "Technik-Oscar" ausgezeichnet.

vorlesen Druckansicht 66 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Thomas Strünkelnberg
  • dpa

Dämonen und Geister machen die vorgeschichtliche Welt von Mittelerde unsicher, Vogelschwärme dienen grausamen Herrschern als Späher. Sie alle und damit Peter Jacksons Tolkien-Filmepos "Der Herr der Ringe" wären undenkbar -- ohne die Computertüftler Rolf Schneider und Uwe Sassenberg aus Dortmund. Dafür nehmen die beiden zusammen mit Vertretern 20 weiterer Unternehmen am 2. März in Los Angeles den Technik-Oscar -- "Technical Achievement Award" -- der Academy of Motion Picture Arts and Sciences entgegen.

Das preisgekrönte Programm "3D-Equalizer" der Dortmunder rekonstruiert anhand des Filmmaterials die Wege der Kamera und macht es möglich, täuschend echte Computeranimationen in den Film zu kopieren. Aus der Analyse des zweidimensionalen Materials errechne die Software dreidimensionale Bewegungen von Menschen, Tieren oder Objekten im Film, sagte der 33 Jahre alte Informatiker Schneider. "Eine Szene auf die herkömmliche Weise von Hand anzupassen, dauert vier Wochen. Unsere Software benötigt eine Viertelstunde."

Da bleibt reichlich Zeit, um den Massenheeren auf der Leinwand den Weg zu bahnen: "Viele Orks, etwa in den Minen von Moria, sind computeranimiert. Dafür wurden nicht Zehntausende von Komparsen genommen", erklärte Schneider. Die betreffenden Sequenzen wurden mit identischer Kamerafahrt gedreht und dann übereinander kopiert. So entstanden auch die fantasievollen Gebäude von Mittelerde inmitten der Landschaften Neuseelands.

Doch nicht nur Tolkiens Fantasy-Epos lebt dank Dortmunder Technik: Schneider und der 35 Jahre alte Physiker Sassenberg zählen mehr als 100 Postproduktions-Firmen zu ihren Kunden -- in Hollywood, Japan, Großbritannien, Australien, Frankreich und Deutschland. Diese Kunden verwendeten das Programm schon für rund 60 Filmproduktionen, darunter "Oceans 11", "Gladiator", "Tomb Raider" und "Matrix". Der "Gladiator" erhielt denn auch den Oscar für die Spezialeffekte.

Ende 1995 gründeten die beiden Computerfreaks die Firma Science D Visions, nachdem sie sich schon seit Ende der 80er Jahre mit Computeranimationen beschäftigt hatten. "Es gab damals keine vernünftigen Techniken, Computeranimation mit Realfilm zu mischen", erinnerte sich Schneider. Die erste Version des 3D-Equalizers erschien 1996. "Das Programm kommt komplett ohne Messung aus und braucht keine Informationen vom Set", erklärte Sassenberg. Sein Kollege sagte stolz: "Ich würde nicht behaupten wollen, dass wir das allerbeste Programm haben. Aber wir liegen weit vorne." (Thomas Strünkelnberg, dpa) / (wst)