T-Systems: K(r)ampf mit Windows (Update)

Seit dem die Telekom-Tochter T-Systems Exchange-2000-Server einsetzt, häufen sich Klagen der Kunden.

vorlesen Druckansicht 897 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Mit den E-Mail-Servern der Telekom-Tochter T-Systems gab es bis vor kurzem selten Probleme. Am 21. Juni bekam das Mail-System dennoch eine völlig neue Architektur verpasst: Seit dem kommen bei T-Systems Exchange-2000-Server anstatt der bisherigen Rechner mit einem kommerziellen Unix-System zum Einsatz. Und seit dem häufen sich auch die Beschwerden von Telekom-Kunden, die beispielsweise als T-Interconnect- oder Webhosting-Kunden des Konzerns die E-Mail-Domain t-intra.de nutzen.

So beklagten Kunden bereits Ende Juni längere Ausfälle des E-Mail-Verkehrs. Weil offenbar die Portierung der Accounts nicht geklappt hat, bekamen alle Kunden zwangsweise neue Login-Daten verpasst. c't-Leser berichteten, dass sie alle E-Mails der letzten neun Monate erneut zugestellt bekamen. Seit dieser Zeit käme es außerdem häufig zu sehr langen, teilweise mehrere Tage dauernden Laufzeiten von E-Mails, die über mail.t-intra.de versendet wurden.

Bisweilen seien die Exchange-Server sowohl per POP3 und IMAP als auch per SMTP ĂĽberhaupt nicht ansprechbar. Die Fehlermeldungen, die Exchange an den Mail-Client zurĂĽckgibt, sind verschiedenster Natur. Einige Highlights: "Database engine error: Version store out of memory", "The service has not been started" oder "The requested mailbox is not available on this server".

Weil T-Systems das alte Mail-System am 5. August deaktiviert hat und seine Kunden seit diesem Datum zwingt, die Exchange-Server zu nutzen, hat sich das Problem mittlerweile weiter verschärft. T-Systems-Sprecher Stefan König wiegelte gegenüber heise online ab. Es seien "schätzungsweise nur 200 bis 300" Kunden von den Verzögerungen betroffen. Außerdem handele es sich lediglich um Zeitspannen von 10 bis 30 Sekunden. Ganz so klein kann die Panne allerdings nicht sein, schrieb doch die Telekom selbst bereits am 9. August per E-Mail an die t-intra-Nutzer: "Das Problem der abgewiesenen Verbindungsversuche wird derzeit mit höchster Priorität von uns bearbeitet."

Offensichtlich nicht nur von der Telekom: Wie heise online erfuhr, hat Microsoft mittlerweile eine 7-köpfige Taskforce entsandt, die derzeit zusammen mit T-Systems-Technikern versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Darunter befinden sich auch Exchange-Spezialisten aus der Redmonder Unternehmenszentrale. Eine zweite Taskforce sei bereits im Anmarsch, hieß es aus unternehmensnahen Kreisen. Andere Quellen berichten zudem, dass Microsoft-Chef Steve Ballmer höchstselbst von dem Problem Wind bekommen und seine Truppen entsandt haben soll. Was nicht weiter verwunderlich wäre: Immerhin gehört die Telekom zu den wichtigsten europäischen Großkunden für Microsoft.

Wann der E-Mail-Trouble bei T-Systems behoben sein wird, ist bislang völlig offen. Das Unternehmen hüllt sich sowohl gegenüber der Presse als auch gegenüber den Kunden in Schweigen. Heute informierte wenigstens die Webhosting-Sparte "Web-Services" der Deutschen Telekom ihre Kunden. "Gelegentlich" könne es bei der Kommunikation mit den E-Mail-Servern zu Verbindungsabbrüchen kommen. Der empfohlene Workaround klingt klingt allerdings wenig hoffnungsfroh: Man habe ja "die Möglichkeit, vorübergehend eine Weiterleitung zum Beispiel auf Ihr Postfach bei T-Online einzurichten." (hob)