TÜV-Siegel für den Datenschutz

Die TÜV Informationstechnik GmbH forciert die Einführung eines Qualitätszeichens für den betrieblichen und produktbezogenen Datenschutz.

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Von
  • Richard Sietmann

In Fragen des Datenschutzes sind Kunden heute in der Regel auf Selbstauskünfte des Anbieters oder Herstellers angewiesen; sie beim Wort zu nehmen und die Angaben zu überprüfen, wäre für Normalsterbliche ein aussichtsloses Unterfangen. Die Fülle und Komplexität der rechtlichen Regelungen ist schon für Fachleute kaum noch überschaubar; in den Firmen führt sie bei Beteiligten und Betroffenen zu zunehmender Verunsicherung. Dem Übelstand soll nun ein Gütesiegel für den betrieblichen Datenschutz, genannt quid!, abhelfen, das heute in Berlin vorgestellt wurde.

Anders als die bisher bekannten Gütesiegel für Internet-Sites im E-Commerce (wie Trusted-Shops, UserGuard, Geprüfter Online-Shop oder Trust-E), für die eine vertrauenswürdige Verkaufsabwicklung im Mittelpunkt steht und Datenschutzaspekte nur mittelbar eine Rolle spielen, zielt quid! generell auf den betrieblichen und produktbezogenen Datenschutz, sei es in Call-Centern, Marktforschungsinstituten, Customer-Profiling-Software oder von Systemen zur Arbeitszeiterfassung von Mitarbeitern.

quid! steht für "Qualität im Datenschutz" und ist das Ergebnis eines dreijährigen, von der EU geförderten Forschungsprojektes der Fachhochschule Frankfurt am Main und der Deutschen Postgewerkschaft DPG in ver.di. Rund 90 Experten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen haben daran mitgewirkt, ein Qualitätsmodell zu erarbeiten, anhand dessen unabhängige und akkreditierte Prüfer Datenschutzaudits in den Betrieben durchführen. Die sollen ähnlich ablaufen, wie sie in der IT-Sicherheit, im Qualitäts- oder Umweltmanagement bereits gängige Praxis sind. Auf der Grundlage des Prüfberichtes vergibt dann eine Zertifizierungsstelle wie das TÜViT das Gütesiegel. Die Anforderungen an das Zertifikat und die Inhaber werden im Internet veröffentlicht.

"Wir wollen ein Vertrauensvermittler sein", erklärte TÜViT-Geschäftsführer Antonius Sommer in Berlin. Die Hoffnung ist nun, dass quid! in gleicher Weise unter den Marktteilnehmern Akzeptanz findet wie das TCO-Siegel für strahlungsarme Bildschirme des Dachverbands der schwedischen Gewerkschaften, das zu einem Quasistandard wurde und ohne das heute praktisch kein Monitor mehr verkäuflich ist.

Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), Helmut Bäumler, begrüßt die Initiative. "Ich glaube, das bisherige Datenschutzsystem ist zu stark auf Kritik und Beanstandung ausgerichtet. Behörden und Firmen müssen den Eindruck gewinnen, dass man bei diesem Thema eigentlich nur verlieren kann", beschreibt Bäumler die derzeitige Lage. "Was wir dringend brauchen, sind positive Instrumente".

Das ULD hat, als Vorreiter in Deutschland, selbst ein Datenschutz-Gütesiegel eingeführt, das ebenfalls nach einem Audit vergeben wird, sich aber an Behörden wendet. Die beiden Ansätze ergänzten sich ideal, betonte Bäumler in Berlin. Zwar sind Ämter und öffentliche Verwaltungen gehalten, bei der Beschaffung auf datenschutzgerechte Produkte zu achten, doch mangels Vergleichmaßstäben lief diese Forderung bislang ins Leere. Hier werde quid! künftig eine Lücke schließen. (Richard Sietmann) / (anw)