Schweizer Indymedia-Ableger offline

Weil die internen politische Auseinandersetzungen zu heftig geworden sind, hat das linke Internet-Medienprojekt Indymedia.ch seinen Server vorläufig vom Netz genommen.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Weil die internen politischen Auseinandersetzungen zu heftig geworden sind, hat das linke Internet-Medienprojekt Indymedia.ch seinen Server vorläufig vom Netz genommen. Der Streit hatte sich an einer Zeichnung des brasilianischen Karikaturisten Latuff entzündet. In dem Bild wurde die Situation der Palästinenser mit der eines jüdischen Gettos parallel gesetzt, indem Latuff einen eingesperrten palästinensischen Jungen mit Davidstern und Kleidern im Stil der 40er-Jahre zeichnete.

Anfang Februar eskalierte der Streit um den Schweizer Ableger des Medien-Projektes, das unter anderem mit Live-Berichterstattung bei den Antiglobalisierungsprotesten zu einer gewissen Bekanntheit gelangt war, weiter: Samuel Althof, Sprecher der Vereinigung Aktion Kinder des Holocaust, hatte eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen von switzerland.indymedia.org bei der Schweizer Polizei wegen antisemitischer Veröffentlichungen gestellt. Auf der Website des linken Infoportals würden sich antisemitische Beiträge häufen, die verantwortlichen "ModeratorInnen + RedakteurInnen" würden diese aber nicht entfernen, sondern nur mit einem Kommentar in den "Zensurkübel" verschieben.

Nach Angaben des Schweizer Tagesspiegel erhält Samuel Althof seither "täglich 10 bis 15 Schandbriefe und Todesdrohungen". Auch auf der Schweizer Indymedia-Homepage hätten die Drohungen überhand genommen. Jetzt ist Indymedia Schweiz vorübergehend vom Netz, "um zu einer Abkühlung des Klimas beizutragen", wie die Betreiber schreiben. Sie wollen "die Diskussion aus der Anonymität holen" und öffentliche Foren veranstalten. (wst)